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Wo leben und wie weit pendeln?

Verkehrsverbund bietet jetzt den Service eines Wohn- und Mobilitätskostenrechners

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Olivaer Platz, Nähe Kurfürstendamm in Berlin-Wilmersdorf, ist eine teure Gegend. Doch eine Familie mit einem Kind kann hier unter dem Strich - wenn der Vater mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und die Mutter mit der U-Bahn - etwas günstiger leben, als wenn die Familie im brandenburgischen Neuenhagen wohnen würde und Vater und Mutter jeder mit einem eigenen Auto zur Arbeit in die Hauptstadt pendeln. Billiger als Neuenhagen wäre Luckenwalde, wenn beide Eltern den Zug nach Berlin nehmen, mit dem sie von Luckenwalde aus auch viel schneller in der Hauptstadt sind als mit dem Auto.

Mit diesem Beispiel operierte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch, als er seinen Wohn- und Mobilitätskostenrechner vorstellte. Auf den VBB-Internetseiten können Interessierte für ihre Bedürfnisse nun Vergleiche anstellen. Eingegeben werden können gewünschte Wohnadressen, Arbeitsstellen und ob man zu Fuß gehen, das Rad, öffentliche Verkehrsmittel oder beispielsweise auch einen Mittelklassewagen mit Benzinmotor nehmen möchte. Das Programm zeigt dabei auch an, mit welcher Variante man am schnellsten am Ziel ist. Am Ende der Berechnung steht eine Tabelle mit den einzelnen Kostenpunkten und einer Gesamtrechnung. Ähnliche Modelle gibt es bereits für München und Hamburg.

»Die These steht im Raum, dass es langfristig günstiger ist, in der Innenstadt zu wohnen, statt ein Häuschen am Stadtrand zu bauen«, erklärt Berlins Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner, warum die Senatsverwaltung einen solchen Kostenrechner finanziert hat. Er betont dabei: »Wir wollen natürlich niemandem vorschreiben, wie er leben soll.«

Was derzeit noch nicht möglich ist: Einfach einzugeben, wie viel man bereit wäre für Wohnen und Mobilität auszugeben - und der Rechner spuckt dann Vorschläge aus, wo man sich am kostengünstigsten niederlassen sollte Doch VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel hält das für eine gute Idee und nimmt es als Anregung auf. Es könnte bei der weiteren Entwicklung des Wohn- und Mobilitätskostenrechners berücksichtigt werden. 150 000 Euro hat die Software bis jetzt gekostet, bezahlt von den Ländern Berlin und Brandenburg. Die Software ist aber noch nicht fertig. Denn bislang sind nur Berlin und das Umland erfasst. Nicht unerhebliche Teile Brandenburgs im Süden, Norden und Westen fehlen, beispielsweise der gesamte Landkreis Prignitz. Die entsprechenden Daten sollen aber noch eingepflegt werden.

Denn Brandenburgs Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse ist es wichtig, dass die Bürger sich nicht nur zwischen Berlin und dem Umland entscheiden, sondern beispielsweise auch nachschauen können, wie groß die eventuelle Kostendifferenz im Falle der Lausitzmetropole Cottbus und der Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz ist.

Der Rechner verwendet bei den Mieten Durchschnittswerte aus der Statistik, bei den Fahrscheinen wählt er die günstigsten Varianten aus, etwa die Jahreskarte im Abonnement, und bei den Kosten eines Kleinwagens oder Mittelklasseautos wird auf Kilometerpreisangaben des Automobilclubs ADAC zurückgegriffen. Neuere Daten, beispielsweise Fahrpreiserhöhungen, sollen in Zukunft umgehend ins System eingepflegt werden. Staatssekretär Kirchner meint, bei den Ticketpreisen könne der Bürger davon ausgehen, dass sie in den nächsten zehn Jahren nicht extrem steigen werden. Wie viel Autofahren dann kosten werde, könne jedoch niemand sagen.

Derweil ist auch nicht genau vorherzusagen, wie sich Mieten und Grundstückspreise entwickeln. Man darf aber davon ausgehen, dass sie steigen werden. Gegenwärtig steigen sie in Berlin erheblich - trotz Mietpreisbremse.

vbb.de/womoko

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