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Amazon gründet Krankenkasse

Bald Gesundheitsleistungen vom Onlinewarenhaus

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Online-Einzelhändler Amazon, der Mischkonzern Berkshire Hathaway und die Investmentbank JPMorgan Chase haben sich zusammengeschlossen, um ein neues Gesundheitsunternehmen für ihre insgesamt mehr als eine Million US-Arbeiter zu gründen. Die Chefs der drei Unternehmen - die kaum zufällig zu den reichsten und angesehensten Geschäftsleuten in den Vereinigten Staaten gehören - haben in ihrer Ankündigung am Dienstag keine Details über das neue Unternehmen veröffentlicht. Aber sie sagten, sie wollten das extrem ineffiziente US-Gesundheitssystem reparieren.

»Die Kosten für das Gesundheitswesen sind wie ein hungriger Bandwurm für die amerikanische Wirtschaft«, sagte Berkshire Hathaway-Chef Warren Buffett. »Wir kommen nicht mit Antworten auf dieses Problem. Aber wir akzeptieren es auch nicht als unvermeidlich.« Vielmehr teile man die Überzeugung, dass es mit der Zeit möglich sei, den Anstieg der Gesundheitskosten zu kontrollieren und gleichzeitig die Zufriedenheit und die Leistungen für die Patienten zu verbessern, indem man die gemeinsamen Ressourcen und die besten Talente des Landes einsetze.

Amerikanische Unternehmen sorgen für die Gesundheitsversorgung von mehr als 150 Millionen Angestellten. Aber sie beauftragen oft ein Drittunternehmen wie UnitedHealth und Anthem, um die Gesundheitsdienstleistungen zu erbringen. Das ist oft mit viel Bürokratie und Unzufriedenheit der Kunden verbunden. Die arbeitgeberfinanzierte Gesundheitsfürsorge kostete 2016 laut der Kaiser Family Foundation 18 764 Dollar (15 060 Euro) pro Familie, was einer Steigerung von 19 Prozent gegenüber 2012 entspricht. Amerikanische Beschäftigte zahlen in der Regel rund 30 Prozent dieser Kosten, zuzüglich anderer Gebühren.

Der anfängliche Fokus des neuen, noch unbenannten Unternehmens liegt auf dem Einsatz von Technologien zur Kostensenkung, sagte Jeff Bezos, Gründer und Geschäftsführer von Amazon. »Das Gesundheitssystem ist komplex, und wir stellen uns dieser Herausforderung und sind uns der Schwierigkeit bewusst«, so Bezos. So schwer es auch sei, »die Belastung der Wirtschaft durch die Gesundheitsversorgung zu verringern und gleichzeitig die Ergebnisse für die Beschäftigten und ihre Familien zu verbessern, wäre die Mühe wert«. Ähnlich klingt es bei Jamie Dimon. »Unsere Mitarbeiter wollen Transparenz, Wissen und Kontrolle, wenn es um das Management ihrer Gesundheitsversorgung geht«, sagte der Chef von JPMorgan Chase.

Der Gesundheitsmarkt in den USA ist im Umbruch. Pharmazeutische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren im Namen der Kostensenkung große Fusionen angestrebt. Manager im Gesundheitswesen denken ähnlich wie ihre Pharma-Kollegen. Im vergangenen Monat kündigte CVS einen Vertrag über 69 Milliarden Dollar zur Übernahme von Aetna an.

John Sculley, Marketing-Chef des Gesundheitsunternehmens RxAdvance, ist optimistisch. »Das US-Gesundheitssystem ist in Bezug auf seine Kosten unhaltbar, und die gesamte politische Debatte - ob es sich nun um Demokraten oder Republikaner handelt - hat sich auf die Reparatur und den Ersatz von Obamacare und die ideologischen Unterschiede konzentriert«, so Sculley, der früher Topmanager bei Apple und Pepsi war. »Drei der angesehensten CEOs der Welt treten auf und sagen, dass ihre Unternehmen zusammenarbeiten werden, um sich auf die wirklichen Probleme zu konzentrieren. Das ist sehr positiv.«

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