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Neues vom Friedhof

  • Von Nicolai Hagedorn
  • Lesedauer: 2 Min.

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Send applause to your heart string« - die erste Zeile des Albums ist ein Befehl, und in den kommenden zehn Songs wird das, was Herz und Seele belastet, werden Sehnsüchte und Seelenschmerz besungen, dass es ein stetes Wandeln an der Kitsch- und Pathosgrenze ist. Gegenthese und Antwort auf die Schrecklichkeit der Welt und die Schwierigkeit, mit all dem Unbill klarzukommen, ist die Musik, die vor Freude und Optimismus gar nicht aufhören kann, irre herumzuhüpfen.

Auf der Suche nach Popmusik, die nicht nach dem anderthalbten Hören auf die Nerven geht, insbesondere wenn man traditionell eher der E-Gitarre zugeneigt ist, Tempo und Geschrei der Bedächtigkeit vorzieht, kommt man derzeit an einer Band kaum vorbei: Tiny Moving Parts. Auf den bemitleidenswerten Ruinen des letzten Pop-Punk-Revivals, das mit Bands wie Blink-182, Green Day oder Rise Against zuletzt nichts mehr als Kulturindustrieschrott lieferte und auch keine nennenswerten Nachfolgebands mehr zum melodischen Akkordekloppen animieren konnte, sowie aus den Resten einer vergessenen Gattung, die damals Emo genannt wurde, etablierte sich in den vergangenen Jahren in den USA eine Generation junger Musiker, die eine eigene Vorstellung von Post-Punk mit Emo-Rock und Math-Anleihen entwickelte. Zu den bemerkenswertesten Vertretern zählen Tiny Moving Parts, die jetzt mit »Swell« ein neues Album präsentieren.

Die Band hat offenbar nach wie vor größten Spaß daran, eingefahrene Hörerwartungen nicht erfüllen zu wollen. Die Songs funktionieren im Grunde nach einem ähnlichen Prinzip: Dem Hörer wird Gewohntes, Erwartbares, Angenehmes in Form von sehr poppigen, freundlichen Melodien vor die Ohren gehalten, wie dem Esel die Möhre vor die Nase. Und immer wenn es zu eingängig, zu melodisch, zu bequem zu werden droht, stoppen Tiny Moving Parts das Tempo, ändern den Rhythmus, spielen hektisch Gitarrenläufe quer über den Song oder fangen an, wenig erbaulich herumzubrüllen. Nur wer das mitmacht, wird irgendwann wieder mit süßen Blink-182-Melodiebögen besänftigt.

So spielt die Band unablässig mit der eigenen Neigung zum Pop-Punk und präsentiert dabei eine ziemliche Meisterschaft im Songwriting. Trotz der vielen Abzweigungen und Umwege, der Verabschiedung vom sturen Strophe-Bridge-Refrain-Schema sind diese Lieder stringent und ohne unnötige Prätention komponiert. Auch wenn »Swell« in Hymnen wie »Applause« manchmal sehr Richtung Mainstream und große Halle schielt, sei dieses Album doch jedem empfohlen, der sich davon überzeugen will, dass aus beerdigten Ideen noch Innovatives entstehen kann. Sollten Tiny Moving Parts so weitermachen, könnte das doch irgendwann in den Charts und im Stadion enden. Noch aber sind sie ein Geheimtipp.

Tiny Moving Parts: »Swell« (Big Scary Monsters Recording Company)

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