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Pokern mit »Hilfe Gottes«

Niedersachsen: Amt zieht Genehmigung für Bergbau im Harz zurück - Antragsteller war offenbar eine Scheinfirma

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Im Harz wird es auf absehbare Zeit keinen Erzbergbau geben. Das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie widerrief jetzt die Erlaubnis für die kanadische Firma »Rhenium Technology Corporation« zur Suche nach Silber, Kupfer, Zink und Blei zwischen den Ortschaften Bad Grund und Clausthal-Zellerfeld. Es habe sich herausgestellt, dass die Geschäftsführung der Firma »die erforderliche Zuverlässigkeit und finanzielle Leistungsfähigkeit nicht besitzt«, begründete ein Sprecher den Schritt der Behörde. Es seien nachträglich Tatsachen eingetreten, die zur Versagung der Erlaubnis geführt hätten. Daher habe das Landesamt den sofortigen Widerruf der Erlaubnis ausgesprochen.

Das zuvor unter dem Namen »Samarium Tennessine Corporation« firmierende Unternehmen hatte sich die sogenannte Aufsuchungserlaubnis für das 153 Quadratkilometer große Feld »Erzbergwerke Niedersachsen« im vergangenen September für die lächerliche Summe von 2800 Euro gesichert. Es handelte sich um den Bereich des vor 25 Jahren stillgelegten Bergwerks »Hilfe Gottes« zwischen Bad Grund und Clausthal-Zellerfeld.

Bei einer solchen Aufsuchungserlaubnis handelt es sich nach Angaben der Behörde zunächst lediglich um ein Recht. »Es ist sozusagen der erste Schritt in Richtung einer möglichen Förderung von Rohstoffen«, erläuterte der Sprecher. Wer eine solche Erlaubnis habe, dürfe in einem klar festgelegten Gebiet als Einziger Betriebspläne für konkrete Aufsuchungshandlungen einreichen und deren Zulassung beantragen, um die in der Erlaubnis festgelegten Rohstoffe zu suchen. Dies sei »in etwa mit dem Abstecken eines Claims vergleichbar«.

Im Sommer 2017 hatte das Unternehmen für die Region Großes angekündigt: Um die dort vermuteten Erze auszubuddeln, wollten die Kanadier 100 Millionen Euro investieren und mehrere Hundert Arbeitsplätze schaffen. In den umliegenden Orten, in denen sich ein Leerstand an den anderen reiht, träumte mancher schon vom wirtschaftlichen Glanz vergangener Tage, als der Harz noch eine bedeutende Bergbauregion war. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) besuchte das stillgelegte Bergwerk, um sich über das Projekt zu informieren.

Doch kaum hatte »Samarium« die Aufsuchungserlaubnis in der Tasche, benannte sich das Unternehmen in »Rhenium Technology Corporation« um. Journalisten recherchierten und äußerten den Verdacht, es könnte sich um Scheinfirmen handeln. Er erhärtete sich Ende November, als Betrugsvorwürfe gegen den damaligen Vorstand der »Samarium« bekannt wurden. Volkmar Guido Hable soll nach Angaben der Finanzaufsicht der kanadischen Provinz British Columbia schon vor Jahren Börsenkurse manipuliert haben. Er habe ein falsches Übernahmeangebot für ein Unternehmen veröffentlicht, an dem er selbst Anteile hielt. Danach stiegen seine Aktien und der gebürtige Österreicher veräußerte seine Anteile mit sattem Gewinn. Wegen der Kursmanipulationen wurde Hable dauerhaft vom Börsenhandel ausgeschlossen, in Kanada erhielt er Berufsverbot. Außerdem musste er knapp 270 000 Euro Strafe zahlen und 105 000 Euro Gewinn rückerstatten, den er durch die Manipulation erwirtschaftet hatte.

Hable hat wohl auch im Harz getrickst: Er wollte von der für ein Taschengeld erworbenen Aufsuchungserlaubnis offenbar gar nicht Gebrauch machen, sondern diese mittels Briefkastenfirmen nur gewinnbringend verkaufen. Ein Bergbauexperte aus dem Harz, der anonym bleiben möchte, glaubt, das Drehbuch des Bergbau-Bluffs zu kennen: Durch Präsenz in den Medien habe Hable zunächst Aufmerksamkeit für sein vermeintliches Vorhaben geschaffen. Er habe seine Firma dabei als finanzstarkes Unternehmen angepriesen. Mit millionenschweren Investitionsversprechen, gleichzeitig aber minimalem eigenen Kapitalaufwand sei er an die Aufsuchungserlaubnis gelangt, um diese dann mit bereits vorhandenen Daten über frühere Fördermengen und angebliche Resterzmengen »aufzuhübschen« und schließlich mit viel Gewinn zu verkaufen. Dazu kommt es jetzt nicht mehr, das Landesamt zog die Reißleine.

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