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  • Eintracht Frankfurt gegen AfD

Ein Statement ohne rechtliche Wirkung

Wie geht man mit AfD-Mitgliedern im Verein um? Der harte Frankfurter Kurs wird vielerorts kritisch gesehen

  • Von Christoph Ruf, Freiburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es war der zentrale Satz in dem Interview, das die »FAZ« Ende Dezember mit Peter Fischer führte: »Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der die AfD wählt«, hatte der Präsident der Frankfurter Eintracht gesagt. Das war als Ankündigung verstanden worden, Mitglieder der rechtspopulistischen Partei auszuschließen. Zweifel an der Praktikabilität im Bundesliga-Alltag waren schon damals erlaubt: Wie etwa sollte der FC Bayern mit seinen knapp 300 000 Mitgliedern eine parallele AfD-Mitgliedschaft herausfinden? Zumal die Partei in einem solchen Klima wohl kaum bereit wäre, ihre Datensätze herauszugeben.

Mittlerweile hat Fischer konkretisiert, dass es ihm nicht um den Ausschluss von AfD-Mitgliedern oder Wählern geht, sondern um eine Debatte, ob die Programmatik der AfD mit den Werten des Profifußballs vereinbar sei. »Unser Wertesystem sagt klar: Wehret den Anfängen von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus«, sagte er bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende.

Dass die Frankfurter Funktionäre sich so vehement von den Rechtspopulisten absetzen, wundert den Berliner Philosophen und Sportwissenschaftler Gunter Gebauer nicht. »Das entspricht dem Geist in der alten Kaufmannsstadt Frankfurt, die vielleicht auch heute die liberalste Stadt Deutschlands ist.« Dennoch wäre es Gebauer lieber gewesen, die Eintracht würde nicht mit Verboten kokettieren: »Es ist eine wichtige Aufgabe von Vereinen, Demokratie zu organisieren und zu leben. Mich erinnert das an die Berufsverbote aus den Siebzigern. Ich hatte damals keinerlei Sympathie für die Sektierer von der DKP, aber mich hat es empört, dass sie nicht Beamte werden durften.« Dass Werder Bremen 2011 das damalige NPD-Vorstandsmitglied Jens Pühse ausschloss - ein Beschluss, den das Landgericht Bremen zwei Jahre später für rechtens erklärte - heißt Gebauer hingegen gut. Allerdings sei die NPD deutlich radikaler als die AFD.

Dirk Kindsgrab, Sportrechtler aus Essen, betont derweil die juristischen Hürden bei einem Vereinsausschluss: »Ich finde es löblich, dass sich ein Vereinsfunktionär so deutlich äußert. Aber das ist ein vereinspolitisches Statement ohne rechtliche Wirkung.« Mitglieder wieder loszuwerden, sei zudem deutlich schwerer als sie gar nicht erst aufzunehmen. Letzteres ist vielerorts ohne inhaltliche Begründung möglich, bestätigen Vereinssprecher aus der ersten und zweiten Liga. Mitglieder können aber bei den meisten Vereinen ausgeschlossen werden, wenn sie sich rassistisch verhalten oder äußern. So ging Dynamo Dresden gegen Mitglieder vor, die an Ausschreitungen gegen Flüchtlinge im Dresdner Umland beteiligt waren. Auch Fischers Eintracht würde so vorgehen, unter Berufung auf Paragraf 14 der eigenen Satzung »Der Ausschluss kann nur bei vereinsschädigendem Verhalten besonderer Schwere, insbesondere bei Fällen von Diskriminierung, Rassismus und Gewalt, erfolgen.«

Solche oder ähnlich formulierte Paragrafen haben die meisten Vereine in ihre Satzung aufgenommen. Auch der SC Freiburg, wo die Paragrafen 2 und 4 den Ausschluss von rassistischen Agitatoren rechtfertigen würden. »Der SC tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen«, erklärt ein Vereinssprecher. Welche Partei ein Mitglied wählt, das sich ansonsten satzungskonform verhält, habe den Verein allerdings nicht zu interessieren. »Parteipolitisch, weltanschaulich und konfessionell verhält sich der SC neutral.« Ähnlich sieht es auch Markus Aretz, Sprecher von Borussia Mönchengladbach. Wer sich allerdings fremdenfeindlich oder homophob äußere, müsse mit Konsequenzen rechnen: »Borussia sanktioniert diese Verstöße, in schweren Fällen auch mit Vereinsausschlüssen. Wir kontrollieren nicht in jedem Einzelfall, ob Vereinsmitglieder Mitglieder in politischen Parteien sind, behalten uns aber bei jedem Antrag vor, bei bekannten Gründen, die gegen eine Mitgliedschaft sprechen, diese zu verweigern.«

Zurück nach Frankfurt, wo Fischer am Sonntag seine Branchenkollegen aufgefordert hat, sich so deutlich zu positionieren, wie er selbst das getan hat. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Wunsch realistischer ist als die Fiktion von einem Verein mit vielen tausend Mitgliedern, von denen nicht ein einziger AfD gewählt hat. Auch in der Mainmetropole entfielen bei der Bundestagswahl gut neun Prozent der Zweitstimmen auf die Rechten.

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