Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Der Lohn für harte Arbeit

Die Wirtschaft Südkoreas ist rasant gewachsen - und wie ist der Wohlstand verteilt?

  • Von Eva Roth
  • Lesedauer: 3 Min.

Südkorea war in den 1960er Jahren eines der ärmsten Länder der Welt. In den folgenden Jahrzehnten ist die Wirtschaft rasant gewachsen: Anfang der 1960er Jahre betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf noch 82 Dollar, berichtet Sang Chul Park, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler an der Polytechnischen Universität Korea in Siheung. Inzwischen sind es mehr als 30 000 Dollar. Der Reichtum ist also beträchtlich gestiegen. Park erinnert daran, dass die Menschen dafür hart gearbeitet haben. Bis heute sind die Arbeitszeiten in Südkorea sehr lang.

Und wie ist der Wohlstand derzeit verteilt? Schaut man sich alle 35 Industrie- und Schwellenländer an, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören, so hat die Ungleichheit in jüngster Zeit eine Rekordhöhe erreicht. In Südkorea sind die Einkommen dabei etwas weniger ungleich verteilt als im OECD-Schnitt.

Auffallend ist die extrem hohe Armutsquote unter Älteren: 46 Prozent der Menschen über 65 Jahre leben in relativer Armut, das heißt, sie verfügen über weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens. Das ist die mit Abstand höchste Armutsquote aller 35 OECD-Länder. So lag sie in Japan und den USA zuletzt bei rund 20 Prozent, in Deutschland betrug sie knapp zehn und in Frankreich lediglich drei Prozent.

Die Regierungen und Diktaturen Südkoreas hätten über viele Jahre die Industrialisierung nach der Devise »Zuerst Wachstum, dann Verteilung« vorangetrieben, hieß es schon in den 1980er Jahren in einer Analyse von Guk-Yueng Yi in der »Politischen Vierteljahresschrift«. Korea wurde, verglichen mit westlichen Ländern, in einem sehr kurzen Zeitraum industrialisiert, sagt Wirtschaftsforscher Park dem »nd«. Das landesweite Rentenversicherungssystem wurde dabei erst Mitte der 1980er Jahre eingeführt. Deshalb sind viele noch nicht ausreichend abgesichert.

Gleichzeitig bröckelt der familiäre Schutz. Nach der konfuzianistischen Lehre, die in Asien eine große Bedeutung hatte, kümmerten sich die Kinder um die Eltern, wenn sie alt sind, so Park. Die Eltern wiederum seien darauf bedacht, ihren Kindern trotz hoher Kosten eine gute Ausbildung zu ermöglichen, damit sie ein besseres Leben haben. So hätten viele der heute alten Menschen ihr Erspartes in die Ausbildung des Nachwuchses gesteckt anstatt etwas für den Ruhestand zurückzulegen. Doch diese sozialen Normen seien nicht mehr gültig. Gründe seien die rasante Industrialisierung, die Verstädterung und der westlich orientierte Lebensstil, der auf Individualisierung basiert und seit einigen Jahren in Südkorea stark an Bedeutung gewonnen habe.

Auch der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist in Südkorea mit 37 Prozent enorm groß. Bis in die 1990er Jahre blieben viele Frauen zu Hause, erklärt Park. Ein Einkommen genügte oft für einen Haushalt. Auch das habe sich geändert. Immerhin: Der Lohnunterschied unter jungen Beschäftigten sei mit 25 Prozent etwas geringer. Hier nähert sich das Land anderen Industriestaaten an, wo die Gehaltslücke freilich immer noch beträchtlich ist.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln