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Neues aus dem Semantikerstadl

Der Schriftsteller Franz Werfel meinte einmal, dass neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimme wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit. Was Werfel vor vielen Jahrzehnten formulierte, ist bis heute gültig. Diese Sehnsucht ist dabei eng mit den gesellschaftlichen Zuständen verknüpft; in Zeiten, die von vielen als unsicher empfunden werden, in denen man Kommendes ahnt und sich Gewesenes nostalgisch zurückwünscht, schlägt die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit in eine gewisse Erregtheit um, der das Ressentiment nicht fremd ist. Dies sind die Zeiten für esoterische Semantiker. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Zeichen des Drohenden in Schrift und Kunst zu identifizieren, und dies selbst an Orten und in Texten, die unverdächtig sind.

Nein, liebe Leserinnen und Leser, dies soll kein weiterer Text zur Debatte um das Gedicht »Avenidas« an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin sein, wo sich Teile der Hochschulleitung und der Studierendenschaft durchgesetzt haben und das Gedicht von Eugen Gomringer demnächst überpinselt wird, weil manche in des Dichters Worten Zeichen der Frauendiskriminierung erkannten. In diesem Text geht es um Socken, genauer gesagt um Kindersocken, die ein bekannter schwedischer Mode-Discounter in seinem Sortiment angeboten hat. Auf den Socken sind Lego-Figuren zu sehen. Eine stellt einen Bauarbeiter mit Presslufthammer dar. Eine Linie zeichnet die Bewegung des Hammers nach. Auf den ersten Blick ist das nichts Ungewöhnliches. Einige Internet-Nutzer haben darin allerdings den arabischen Schriftzug für »Allah« (siehe Bild) erkannt. Allerdings sieht die gewellte Linie nur dann so ähnlich aus, wenn man die Socke auf den Kopf dreht. Das Unternehmen reagierte umgehend und entfernte die Socken aus seinem Angebot.

Vorläufig herrscht also wieder einigermaßen Ruhe im Semantikerstadl. Aber man weiß nie, wann und wo sich das Bedürfnis nach moralischer Überlegenheit als nächstes Bahn bricht.

P.S. Irgendwie erinnert das nebenstehende Zeichen an einen Buchstaben des abendländisch-christlichen Alphabets. Sollte die Islamisierung schon so weit vorangeschritten sein?

P.P.S. Was sagen eigentlich die Kinder in Bangladesch dazu, die die Socken für den schwedischen Bekleidungsdiscounter hergestellt haben? jam Abb.: fotolia/airdone

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