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  • Sport
  • RB Leipzig in der Bundesliga

Dickschädel mit Traumeinstand

Leipzigs Neuzugang Ademola Lookman trifft mit falschen Schuhen zum Sieg gegen Gladbach

  • Von Andreas Morbach, Mönchengladbach
  • Lesedauer: 3 Min.

Es war alles ganz schön hopplahopp gegangen für Ademola Lookman bei seinem kurzfristigen Wechsel vom FC Everton nach Leipzig. Der Abschied aus Mönchengladbach fiel für den 20-Jährigen aus dem Londoner Stadtbezirk Borough of Wandsworth dafür umso gemächlicher aus. Ein großer Feuerwehreinsatz vor dem Borussia-Park verzögerte die Abfahrt des Leipziger Mannschaftsbusses, hinter den getönten Scheiben konnte der Siegtorschütze der Sachsen den frühen Samstagabend daher noch mal in Ruhe Revue passieren lassen. Zum Beispiel seine bizarren Rutschpartien auf dem Gladbacher Rasen. Vor allem aber den Moment, als er eine Minute vor Schluss zur Krönung eines eleganten Sololaufs zum entscheidenden 1:0 flach ins linke Toreck traf.

Es war der ultimative Kontrapunkt zu Lookmans anhaltender Schlitterpartie, die er nach seiner Einwechslung zehn Minuten zuvor hingelegt hatte. Oder eben eine dieser wunderbar schrägen Geschichten, über die RB-Coach Ralph Hasenhüttl später nur ungläubig den Kopf schüttelte: »Ja, so ist der Fußball. Das war mal wieder typisch.« Wegen Lookmans offenkundigen Standschwierigkeiten war Hasenhüttl drauf und dran, den Neuankömmling von der Insel sehr rasch von seinen Sturzserien zu erlösen. »Ich wollte ihn nach fünf Minuten schon wieder rausnehmen. Er und wir hatten Glück, dass er bei seinem Tor überhaupt noch auf dem Platz stand«, berichtete der Österreicher - und erwähnte vorher noch: »Mola ist sein Spitzname.«

Eine kleine Zusatzinformation über den Leihspieler vom FC Everton, der am Donnerstagvormittag das erste Training in Leipzig absolviert hatte - und 57 Stunden später bereits Einzug ins dicke Anekdotenbuch der Liga hielt. »Erst rutscht er die ganze Zeit nur herum, und dann schafft er so einen geilen Einstieg«, staunte Leipzigs Mittelfeldspieler Diego Demme über den englischen U20-Weltmeister - der neben seinem Torriecher auch einen ordentlichen Dickschädel mit nach Deutschland gebracht hat.

»Es war allein Ademolas sture Entscheidung, nach Leipzig zu gehen«, verabschiedete Evertons Trainer Sam Allardyce den Angreifer mit nigerianischen Wurzeln. Dazu passte, dass Lookmans neuer Trainer bei RB vergeblich versuchte, ihn vor der Partie in Mönchengladbach von einem Schuhwechsel zu überzeugen. Aus London hatte er nur ein einziges Paar Fußballschuhe mitgebracht - türkisfarbene, mit Nockensohle. »Ich habe ihm schon beim Abschlusstraining gesagt, das funktioniert so nicht. Aber er wollte die nicht ausziehen. Dann habe ich ihn halt gelassen - was soll ich machen?«, erklärte Hasenhüttl schmunzelnd.

Der junge Mann, der einer weitgehend lauen Partie eine unerwartete Pointe verpasste, watschelte nach Spielschluss etwas ziellos über das grüne Geläuf. Es wirkte, als fühle er sich plötzlich wie auf einem fremden Stern gelandet. Und etwas ungewohnt war die Premiere in der Bundesliga für Ademola Lookman tatsächlich.

In Deutschland sei so ein Fußballrasen »etwas rutschiger« als in England, erzählte der junge Stürmer mit der Zahnspange im Mund. Abgesehen von dieser kleinen Umstellung bekräftigte er aber noch einmal, warum er für die nächsten dreieinhalb Monate unbedingt nach Leipzig ausgeliehen werden wollte. Der Fußball in der Bundesliga sei »technischer und cleverer« als in seiner Heimat, betonte er. Das käme ihm gelegen, ebenso wie das Leipziger Gegenpressing. »Die Mannschaft ist sehr jung und ambitioniert, das hilft auch meinen Ambitionen«, sagte Lookman.

Sehr ehrgeizig ist bekanntlich auch Ralf Rangnick. Den Sieg beim direkten Konkurrenten Gladbach, der sein auf einen Champions-League-Platz hievte, goutierte Leipzigs Sportdirektor als »Sechs-Punkte-Spiel«. Weniger zufrieden zeigte sich der 59-Jährige dagegen vor der Dienstreise an die niederländische Grenze - mit seiner scharfen Kritik an der schlechten Jugendarbeit bei RB. Einen Ersatz für den verletzten Emil Forsberg hätte der perfektionistische Schwabe gerne aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert. Dort aber fand sich kein geeigneter Kandidat. Deshalb kam es schließlich zur lohnenden Last-Minute-Verpflichtung von Ademola Lookman.

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