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Wie Martin Sellner und Co. ihre Fake-News Armee organisieren

Geleaktes Schulungsmaterial zeigt Versuch der Beeinflussung von Debatten im Internet durch die Neue Rechte

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 2 Min.

»Trollstürme«, nein »Stürme konstruktiver Kritik auf verschiedene Ziele« wolle man organisieren. Das erklären die Macher eines rechten Online-Servers in einem nun bekannt gewordenen Schulungsvideo. In dem am Wochenende veröffentlichten Mitschnitt erklären die Aktivisten der Alt-Right-Bewegung ihren Anhängern, wie im Internet möglichst effektiv Stimmung gemacht werden kann, um so einer kleinen Gruppe überproportional viel Einfluss in der öffentlichen Debatte zu geben.

Die rechten Kampagnenmacher erklären in der geleakten Schulung, man solle sich im besten Fall mehrere Fake-Accounts auf den wichtigen Social-Media-Plattformen zulegen und dort die von den Kampagnenleitern ausgegebenen Ziele mit Kommentaren »in den Boden votieren« und mit »vernichtenden Kommentaren« versehen. Dazu haben die Macher nicht nur eine Anleitung erstellt, sondern auch eine Software geschrieben. So soll der YouTube-Suchalgorithmus manipuliert und rechte Videos nach oben gespült werden. Gleichzeitig wurden mit dem Tool offenbar linke oder bei der Alt-Right-Bewegung unbeliebte Videos systematisch gemeldet.

»VIP«-Mitglied ist der bekannte Identitären-Aktivist Martin Sellner aus Österreich. Die Mitglieder sind in NS-Manier quasi-militärisch strukturiert in Gefreite, Feldjäger und Sturmtruppen, zusammengefasst in Gruppen und benannt etwa in »Heeresgruppe Süd«, die von Generälen und Paladinen gesteuert werden. Auf dem Server wurden offenbar auch allerhand andere Tipps für rechte Aktivisten verbreitet, etwa zur Lebensmittelversorgung in einem imaginierten Bürgerkrieg. Ebenfalls Teil der Bürgerkriegsvorbereitung: ein Hodenschützer.

How the altright plans to smear people on YouTube

Das geleakte Video, die Daten und Screenshots stammen offenbar von einem ehemaligen Administrator. Seit dem Wochenende veröffentlicht ein Twitter-Account mit dem Namen »Alt Right Leak« verschiedene Dokumente und Einzelheiten zur Medienstrategie der Rechtsaußen-Aktivisten. Darunter sind auch Ausschnitte aus einem »Handbuch für Medienguerillas« von Sellner, in dem von »elektronischen Schocktruppen« und einem »Sperrfeuer« durch rechte Memes die Rede ist. In den nächsten Tagen soll offenbar weiteres Material veröffentlicht werden.

Das Material ist nur ein Teil eines wachsenden Korpus von wissenschaftlichen Analysen und datenjournalistischen Sammlungen, die zeigen, wie aggressiv die Neue Rechte im Internet und besonders in sozialen Netzwerken vorgeht. So machte etwa im vergangenen Jahr eine Analyse die enge Vernetzung rechter Verschwörungstheoretiker in Deutschland deutlich. Außerdem analysierten Wissenschaftler, wie hauptsächlich US-amerikanische Alt-Right-Twitter-Accounts vor der Wahl in Frankreich versuchten, den Wahlkampf zu manipulieren.

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