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Verschmerzbare Kosten kürzerer Arbeitszeiten

In der Metalltarifrunde wird um den Lohnzuschuss für Teilzeitbeschäftigte gerungen, dabei dürfte nur eine Minderheit das Angebot wahrnehmen

  • Von Roland Bunzenthal
  • Lesedauer: 3 Min.

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Joe Kaeser, der Mega-Manager aus dem Bayrischen Wald, kann mit seinem Aufsichtsrat zufrieden sein. In seiner Funktion als Chef des größten europäischen Industriekonzerns Siemens kassiert er eine Vergütung für das abgelaufene Geschäftsjahr von insgesamt 10,7 Millionen Euro - das ist ein Anstieg um schlappe 28 Prozent. Kaesers persönlicher Profit legt damit doppelt so stark zu wie der Konzerngewinn.

Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Cromme fällt die Zustimmung zur Vergütungshöhe umso leichter, als er ebenfalls eine Entgeltsteigerung pro Sitzung des Kontrollgremiums von 45 000 auf 57 000 Euro kassiert - etwa ebenso viel wie das Jahresgehalt eines Metallfacharbeiters. Die laufende Tarifrunde wird kaum ohne Zustimmung Kaesers und seines Personalvorstandes Janina Kugel zu Ende gebracht werden.

Ähnlich einflussreich ist Daimler-Chef Dieter Zetsche, der zwar beim Gehalt diesmal knapp hinter Kaeser, beim Konzerngewinn mit 10,9 Milliarden Euro jedoch deutlich vor Siemens (6,2 Milliarden) liegen dürfte. Die DAX-Vergleichsliste der Einkommen 2017 jedenfalls zeigt Kaeser und Zetsche an der Spitze. In ähnlichen Gehaltsregionen bewegt sich allenfalls noch der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller.

Nach den massiven Warnstreiks der vergangenen Woche wurde am Montag im Pilotbezirk Baden-Württemberg wieder verhandelt. Dem Vernehmen nach hat die dreitägige Streikwelle der Gewerkschaft Wirkung gezeigt. »Wir sind bereit, auch das eine oder andere Zugeständnis zu machen«, sagte Stefan Wolf, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, vor Beginn der sechsten Verhandlungsrunde. Dabei raubt den meisten Metallmanagern die Sechs-Prozent-Lohnforderung der IG Metall längst nicht den Schlaf. Angesichts eines Anteils der Personalkosten am Umsatz von unter 20 Prozent schlägt eine Tariferhöhung verkraftbar zu Buche.

Wesentlich größere Schwierigkeiten bereitet der zweite Forderungsbestandteil. Schon Monate vor der offiziellen Tarifrunde versuchten die Unternehmer von Gesamtmetall in Gesprächen, die Gewerkschaften von ihrem Vorhaben einer 28-Stundenwoche für pflegende, erziehende oder Schicht arbeitende Kollegen abzubringen. Die von der Gewerkschaft geforderte Möglichkeit, individuell die Arbeitszeit für die Dauer von zwei Jahren verkürzen zu können, zielt auf den wachsenden Bedarf an häuslicher Pflege. Ein Hauptgrund für die Blockade der Arbeitgeber bei dieser Forderung sind weniger Kostenüberlegungen als die Sorge, nicht mehr genügend Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt als Ausgleich zu finden. Die Wünsche der Unternehmen gehen sogar in die Gegenrichtung. Sie pochen auf eine freiwillige Verlängerung der Arbeitszeit, beispielsweise Arbeit an Sonn- und Feiertagen.

Der Wunsch, weniger zu arbeiten, um alte Angehörige zu pflegen, ist zum Teil eine Folge davon, dass es an professioneller Altenpflege in Deutschland fehlt, was wiederum eine Folge der miserablen Bezahlung dieses Berufsstands ist. Zur Illustration: Joe Kaeser allein verdient 400 Mal so viel wie eine Altenpflegerin mit einem tariflichen Jahreseinkommen von durchschnittlich 25 000 Euro brutto. Sie bekommt den Druck von Personalengpässen noch ganz anders zu spüren, als dies in den Metallbetrieben der Republik jemals der Fall sein wird.

Eine Modellrechnung macht deutlich, dass die Auswirkungen der Arbeitszeitverkürzung überschätzt werden. Tatsächlich dürfte nur eine relativ kleine Minderheit der Metaller die Möglichkeit in Anspruch nehmen - abhängig vom ausgehandelten Lohnausgleich. Realistischerweise ist davon auszugehen, dass es allenfalls zehn Prozent der Belegschaften sein würden. Selbst der umstrittene Lohnzuschuss für Beschäftigte, die in Teilzeit gehen, um Angehörige zu betreuen oder die Belastungen durch Schichtdienst zu verringern, ist somit überschaubar. Bei einem Ausgleich des entgangenen Lohns von 50 Prozent entstünden den 20 000 Metallbetrieben Mehrkosten von 900 Millionen Euro jährlich. Das ist lediglich ein halbes Prozent der Lohn- und Gehaltssumme dieses Wirtschaftszweiges.

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