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Stichwahl in Costa Rica

Evangelikaler siegt bei Präsidentschaftsvotum, verfehlt aber notwendige Mehrheit

  • Von Markus Plate, San José
  • Lesedauer: 3 Min.

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Costa Rica hat am Sonntagabend einen Auszählungskrimi erlebt. Nach den noch nicht offiziellen Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen haben es zwei »Alvarados« in die Stichwahl geschafft: Der Evangelikale Fabricio Alvarado von der Nationalen Restauration (PRN) führt mit knapp 25 Prozent der Stimmen, gleich dahinter folgt der Kandidat der regierenden Partei der Bürgerallianz (PAC), Carlos Alvarado, mit knapp 22 Prozent. Ein Viertel der Stimmen für die evangelikal dominierten Moralkonservativen, das kommt im sozialliberal und katholisch geprägten Costa Rica einem politischen Erdbeben gleich - auch wenn das Unbehagen über die PRN dem lange abgeschlagenen PAC-Kandidaten vor allem in der Hauptstadtregion ein überraschend gutes Ergebnis beschert haben dürfte.

Auf Platz drei und vier liegen die beiden Parteien, die die Politik über Jahrzehnte dominiert haben, die einst sozialdemokratische Partido Liberación Nacional (PLN) mit dem Unternehmer und Großgrundbesitzer Alvaro Álvarez Desanti (18 Prozent) und die Christsozialen um Rodolfo Piza (16 Prozent). Beiden Parteien dürfte es zum Verhängnis geworden sein, dass sie sich vor den Wahlen in jeweils zwei konkurrierende Strömungen gespalten haben. Für die ehemals sozialliberale, aber seit zwei Jahrzehnten neoliberale PLN ist das Ergebnis ein historisches Desaster; ihr Kandidat kommt erstmals nicht unter die ersten zwei und auf einen historisch schlechten Stimmenanteil.

Der ehemalige Sicherheit- und Justizminister der PLN Juan Diego Castro hatte mit seinen rechtspopulistischen Ansichten in den Umfragen vor der Wahl lange Zeit geführt, bringt es aber nach letzten Ergebnissen nur auf ein Zehntel der Stimmen. Der christsoziale Dissident und Kinderarzt Rodolfo Hernández erreicht fünf Prozent. Sowohl Piza wie Álvarez Desanti fehlen damit entscheidende Stimmen für den Einzug in die Stichwahl.

Die Linkspartei Frente Amplio, bei den letzten Wahlen mit dem äußerst populären José Maria Villalta noch bei fast einem Fünftel der Stimmen, erreicht dieses Mal nicht einmal ein Prozent. Villalta hat immerhin einen Parlamentssitz errungen, das Ergebnis mit acht verlorenen Sitzen wirft die Linke aber auf den Status einer Kleinpartei zurück. Die 3,3 Millionen Stimmberechtigten waren zugleich aufgerufen, die 57 Abgeordneten des Parlaments zu wählen.

Über ein Drittel der Wahlberechtigten sind zu Hause geblieben, das macht die Nichtwählenden zur mit Abstand größten Gruppe dieser Wahlen. Die Stichwahl am Ostersonntag, dem 1. April, wird nun zu einem Showdown zwischen dem liberalen und dem erzkonservativen Lager. Es sieht so aus, als ob beide »Alvarados« von der polarisierenden Entscheidung des Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte vier Wochen vor der Wahl profitiert haben, nach der Costa Rica die Ehe für alle einzuführen habe. Es war das Aufregerthema im Wahlendspurt. Soziale, Wirtschafts- und Sicherheitsthemen scheinen dadurch in den Hintergrund getreten zu sein.

Wer in der Stichwahl die besseren Chancen hat, ist nicht abzusehen und wird entscheidend davon abhängen, wer die Kandidaten und Anhänger_innen der anderen Parteien mit Argumenten, Zugeständnissen und wohl auch Kuhhändel hinter sich bringt. Gleiches gilt für das Parlament, in dem keine Partei auch nur in die Nähe einer eigenen Mehrheit kommen wird.

Dass die Altparteien mit ihren Abspaltungen das Parlament allerdings dominieren werden, macht das Regieren in der neuen Legislaturperiode für den künftigen Staats- und Regierungschef wie schon in den vergangenen vier Jahren schwierig. Carlos Alvarado versuchte es am Sonntag vor jubelnden Anhänger_innen schon mal mit Lob für die ausgeschiedenen Kandidaten, das Konsensmodell Costa Rica an sich und eine nationale Übereinkunft. Er als Konsenskandidat - das dürfte auch die Strategie des PAC in den nächsten Wochen bis zur entscheidenden Stichwahl sein.

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