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  • Kultur
  • Unveröffentlichter Film von Louis C.K.

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Die Filmkomödie »I love you, Daddy« von Louis C. K. wird auch in Deutschland nicht ins Kino kommen

  • Von Thomas Blum
  • Lesedauer: 3 Min.

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»I love you, Daddy« heißt der Film. Gemacht hat ihn Louis C. K., bis vor kurzem einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Komiker, der bekannt war für seinen eher sarkastischen, respektlosen und frivolen, auch sich selbst und das eigene liberale Milieu freimütig dem Spott aussetzenden Humor. Es handelt sich um eine erfreulich unschrille, ganz und gar auf die Zeichnung skurriler Figuren und Dialogwitz setzende Komödie, die, wie Woody Allens New-York-Hommage »Manhattan« (USA 1979) und Stanley Kubricks Nabokov-Verfilmung »Lolita« (USA/GB 1962), in kontrastreichem Schwarzweiß gedreht ist. Im November vergangenen Jahres hätte sie in den Kinos der USA starten sollen. Das passierte aber nicht.

Der Film erzählt mehrere Geschichten, die am Ende eine einzige sind: die Geschichte von dem sich modern gebenden, liberalen Vater, der das Erwachsenwerden seiner Tochter nicht wahrhaben will und sich deshalb zum verlogenen Spießer zurückentwickelt; die Geschichte von der verwöhnten 17-jährigen Tochter, die ihrem Vater Zuneigung nur vorheuchelt, um zu bekommen, was sie will; die Geschichte vom egozentrischen, dekadenten alten Künstlersack, der in jungen Frauen nichts anderes als »Musen« sehen kann (dargestellt von einem wunderbar blasierten John Malkovich); und, nicht zu vergessen: die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Künstlers an sich. Man sieht, hier ist alles drin: Nicht nur Allen und Nabokov, sondern auch Freud, Shakespeare, Gesellschaftssatire und Screwball-Comedy. Es ist eine Komödie über Macht, Heuchelei und die Obsessionen und die Weltsicht von Männern, und eine über ernste Dinge, über die man sich nicht lustig zu machen hat: Elternschaft, Familie, Sexualität, das Alter, den Tod.

Der Charakter, den Louis C. K. in dem Film verkörpert, ein TV-Comedy-Autor in den Fünfzigern, erinnert nicht zufällig an jene armseligen, verkniffenen, verlogenen, peinlichen und also der Lächerlichkeit preisgegebenen Spießerfiguren, die der britische Komiker Ricky Gervais (»The Office«) in der Vergangenheit stets so grandios darzustellen vermochte, dass man sich - beim Betrachten und Zuhören - als Zuschauer für die von ihm dargestellte Figur fremdschämte.

Der Blog »Ruhrbarone« nennt den Film »die sicherlich sehenswerteste amerikanische (Nicht-)Veröffentlichung der vergangenen Jahre«. Denn ins Kino kommen wird »I love you, Daddy« auch hierzulande nicht, weil - wie im Herbst 2017 bekannt wurde - der Komiker Louis C. K., der die Regie führte, das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielt, mehrere Frauen sexuell belästigt hat, indem er vor ihnen masturbiert und sie genötigt haben soll, ihm dabei zuzusehen.

Soll man Hitchcocks Filme sehen bzw. die, in denen Kevin Spacey eine Rolle spielt? Oder die, die Harvey Weinstein produziert hat? Soll man Musik hören, die von einem Gewalttäter komponiert wurde? Soll man Louis-Ferdinand Celinés Romane und Ezra Pounds Gedichte lesen? Selbstverständlich. Die Frage, ob man das Werk eines Künstlers von der Bewertung seiner Person trennen sollte, ist nicht neu. In den letzten Wochen ist sie selten gestellt worden. Sind die Dialoge und Monologe, die der begnadete Komiker Louis C. K. jahrelang geschrieben hat und in denen er sich regelmäßig geradezu manisch über männliche Masturbation sowie die tiefsitzenden Ängste und das archaisch-grobschlächtige Sexualverhalten vieler heterosexueller Männer im allgemeinen lustig machte, jetzt nicht mehr komisch, weil man in seiner von sexuellen Obsessionen getriebenen Bühnenfigur nun plötzlich Züge von Louis C. K. selbst zu erkennen meint? Ein Mensch kann ein Ekel, ein Gewalttäter, ein politisch Fehlgeleiteter oder intellektuell Verwahrloster sein. Die von ihm geschaffenen Kunstwerke macht das nicht schlechter. Die sind entweder gut oder schlecht, und das waren sie auch schon vorher.

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