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Ein Punk bleibt auch nicht ewig jung

Die 1986 in der DDR gegründete Punkband Die Skeptiker geht mit ihrem neuen Album im Frühjahr auf Tournee

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Ein beliebtes Verfahren bei populären Rockbands besteht darin, den Namen, unter dem sie bekannt geworden sind und der ja im Grunde nichts anderes ist als ein Markenname, auch dann beizubehalten, wenn der Großteil der ursprünglichen Gründungsmitglieder sich schon längst verabschiedet hat. So machen das auch die Skeptiker, eine 1986 in der DDR gegründete Punkband bzw. »legendäre Ostpunkband«, wie die legendäre konservative Westzeitung »Tagesspiegel« sie nennt. Der gebürtige Ostberliner Eugen Balanskat, Jahrgang 1958, seit über 30 Jahren Sänger der Skeptiker, ist das einzige noch verbliebene Mitglied aus den 80er Jahren. Damals war es unter den aus dem DDR-Underground kommenden Bands beliebt, dem gewählten Gruppennnamen ein »Die« voranzustellen: Die Skeptiker, Die Firma, Die Art.

Seit 2006 stehen die Skeptiker nach einigen Jahren Pause wieder regelmäßig auf der Bühne. Soeben erschien ihr elftes Album, »Kein Weg zu weit«: »Entschuldigung, Entschuldigung / Ein Punk bleibt auch nicht ewig jung / Und heißt es auch, wir sterben nie / Die Kraft ist irgendwann perdú«, so begrüßt Balanskat seine Fangemeinde. Von ausfallenden Haaren ist die Rede und vom Wachsen des Wohlstandsbäuchleins. Es geht also um Selbstvergewisserung, ums Altern, um die Infragestellung des Selbstbildes vom ewig jung bleibenden, die Faust zum Kampfe ballenden (männlichen) Widerstandshelden, das man in der Szene jahrzehntelang kultiviert hat und teils noch immer kultiviert, leider aber auch um Verklärung und Nostalgie (»Uns bleibt doch die Erinnerung / Wie engagiert die Jugend war / Wir lebten wild und in Gefahr«). Was seine Texte angeht, bedient sich Balanskat allzu häufig aus dem verstaubten Phrasenarsenal der finstersten Heldenromantik (»im Herzen unverzagt«, »Toben der Elemente«, »Todesreigen« usw.), einer abgegriffenen, klischeebeladenen Sprache also, die wir in ihren diversen Verfallsformen auch aus den einschlägigen Kitschgedichten kennen (»Würde Kraft nicht schnell wie ein Sturmwind verfliegen / Könnt ich aufrecht sein, ohne mich zu belügen«). Was von all dem pathetischer Ernst ist oder ob Teile davon womöglich Selbstironie sein könnten, ist nicht immer mit Gewissheit auszumachen.

Fest steht: Politisch sind die Skeptiker geblieben, und zwar irgendwie links, wenn auch Reflexionsniveau und sprachliche Verarbeitung des Dahergesungenen, hmm, sagen wir’s mal vorsichtig: deutlich steigerbar wären. Einige der Songs richten sich unmissverständlich gegen Rassismus, gegen den Stumpfsinn der deutschen Mehrheitsgesellschaft, gegen die deutsche Rüstungsindustrie (»Panzer für die Diktatur / Entwicklungshilfe heißt das nur / Wir verdienen gut am Krieg / Arbeitsplätze für den Sieg«) oder verstehen sich als bittere Anklagen gegen Krieg und Ausbeutung an sich.

Wie hieß es im »Tagesspiegel« vor mehreren Jahren? Balanskat sei »ein Kritiker, ein Skeptiker. Ideologien sind ihm fern, Lösungen hat er auch nicht anzubieten.« Nun, das muss er auch nicht, der Mann ist schließlich Künstler und kein Zulieferungsunternehmen der Automobilindustrie. Und bis heute kann er - im Gegensatz etwa zu seinen ehemaligen Kollegen von Feeling B, die heute mit Rammstein eine Art tumbe Fanfaren-Deutschlandreklamemusik produzieren und damit reich geworden sind - nicht von seiner Musik leben. Balanskat hat also größere Verwandtschaft mit Herman Melvilles Bartleby als mit Heinrich Manns Diederich Heßling. Im März und April touren die Skeptiker durch Deutschland.

Die Skeptiker: »Kein Weg zu weit« (Destiny Records / Broken Silence)

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