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Pueblo-Affäre

Kalenderblatt

  • Von Reiner Werning
  • Lesedauer: 2 Min.

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Pjöngjang und Washington waren nie zimperlich im Umgang miteinander. Das resultiert aus den Erfahrungen des Korea-Krieges und erst recht aus der bis heute in Washington nicht verwundenen Schmach über den sogenannten »USS Pueblo«-Vorfall, der sich vor fünf Dekaden in nordkoreanischen Gewässern ereignete.

Am 23. Januar 1968 hatten nordkoreanische Patrouillenboote das US-amerikanische Schiff »Pueblo« vor der Küste Nordkoreas aufgegriffen, die gesamte 83-köpfige Besatzung unter dem Befehl von Kapitän Lloyd Mark »Skip« Bucher gefangen genommen und sie der Spionage bezichtigt. Die »Pueblo«, so die Regierung in Pjöngjang, sei innerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone aufgegriffen worden, unrechtmäßig in nordkoreanisches Terrain eingedrungen. Demgegenüber sprach die US-Seite vom »Hijacking eines US-Marineschiffes durch die Kommunisten«. Für die US-Marine jedenfalls bedeutete die »Affäre« eine herbe Schlappe. Mit der »Pueblo« fielen den Nordkoreanern strategisch sensible Daten in die Hände, die es unter anderem der mit ihnen befreundeten Sowjetunion ermöglichten, nachrichtendienstlich relevante Codes zu knacken. Nachdem die »Pueblo« lange Zeit in der Hafenstadt Wŏnsan ankerte, wurde sie später in die Hauptstadt Pjöngjang gebracht und dort auf dem Taedong-Fluss als Trophäe ausgestellt. Als sei das nicht schon schlimm genug, wurden Kapitän Bucher und seine Crew von nordkoreanischer Seite genötigt, ein Schuldeingeständnis zu unterschreiben, was in den Medien weidlich ausgeschlachtet wurde.

Während in den USA die Rufe nach Rache und einem Militärschlag gegen Nordkorea lauter wurden, setzte die damalige US-Administration unter Präsident Lyndon B. Johnson auf eine politisch-diplomatische Lösung des Konflikts. Gegenüber Pjöngjang räumte die US-Regierung ein, die »Pueblo« habe die Hoheitsrechte der Volksrepublik verletzt, und entschuldigte sich. Was der US-Vertreter in der Militärischen Waffenstillstandskommission (MAC), Generalmajor Gilbert Woodward, zu relativieren versuchte: Es sei einzig um die Befreiung der »Pueblo«-Crew gegangen. Johnson jedoch wollte offensichtlich ein weiteres Fiasko in Asien vermeiden. Denn im Frühjahr 1968 verdichteten sich die Anzeichen, dass die USA in Südvietnam militärisch scheitern.

An Heiligabend 1968 - nach elfmonatiger Gefangenschaft - landeten schließlich 82 Mann der »Pueblo«-Besatzung unversehrt auf der Miramar Naval Air Station im kalifornischen San Diego und konnten im Rahmen einer emotionsgeladenen Welcome-Party in die Arme ihrer Liebsten zurückkehren. Ein US-Soldat war seinen Verletzungen erlegen, die er sich während des Schusswechsels vor dem Aufgreifen der »Pueblo« zugezogen hatte. - Es war das erste Mal, dass die USA in Friedenszeiten eines ihrer Schiffe einer fremden Macht ausliefern mussten, die es zudem noch bis heute als Kriegstrophäe zur Schau stellt. Rainer Werning

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