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Die erste weibliche Lieblichkeit

Eine ganz kurze Geschichte des Kölner Karnevals

  • Von Siegfried Schmidtke
  • Lesedauer: 3 Min.
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Das Kölner Dreigestirn, auf lateinisch »Trifolium« genannt, besteht aus dem Prinzen (»Seine Herrlichkeit«), dem Bauern (»Seine Deftigkeit«) und der Jungfrau (»Ihre Lieblichkeit«). Außenstehende überrascht stets die eigenwillige Regel: Alle drei sind Männer, auch die mit neckischen Zöpfen auftretende Kölner Jungfrau.

Nur zweimal in der Kölner Karnevalsgeschichte gab es Ausnahmen von dieser »kölschen« Sonderregelung: Während der NS-Diktatur mussten sich die straff organisierten Kölner Narren der verklemmten NS-Geschlechterideologie beugen. Männer in Frauenkleidern - da witterten die Nazis Verweichlichung und Homosexualität. Das durfte nicht sein, obwohl es ja in den eigenen Reihen - der bekannteste ist Ernst Röhm - eine beachtliche Zahl Homosexueller gab. Deshalb wurden zunächst, 1936, die im Kölner Karneval ebenfalls üblichen männlichen Funken- beziehungsweise Tanzmariechen verboten. Und schließlich musste das »Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e.V.« auch »richtige« Frauen als »Kölner Jungfrau« proklamieren.

Vor 80 Jahren hieß die erste weibliche Trifoliums-Jungfrau Paula Zapf. 1939 folgte Else Horion als zweite und gleichzeitig letzte weibliche »Lieblichkeit«. In den Kriegsjahren fiel der Karneval aus. Und nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen sofort wieder Männer die Rolle der Jungfrau im Dreigestirn. Das gilt bis heute. Die männlichen Funken- bzw. Tanzmariechen dagegen kehrten nach dem Krieg nicht wieder zurück. Zu plump und tollpatschig erschienen sie dem Publikum im Vergleich zu den ab 1936 tanzenden weiblichen Funkenmariechen. Deren grazileren Bewegungen, ihre kessen Kostüme - kurze Röckchen und spitzenbesetzte Schlüpfer - vermitteln einen Schuss Erotik. Bis heute tanzen deshalb junge Frauen mit männlichen »Tanzoffizieren«.

Apropos Offiziere: Mit dem Einzug der Preußen ins Rheinland im Jahr 1815 kamen auch der martialische Drill, das Militärische und überhaupt das Reglement wesentlich stärker als bis dahin nach Köln. Das zeigte sich bereits 1823, das als Gründungsjahr des organisierten Karnevals in Köln gilt. Vor 195 Jahren bildete sich das »Festordnende Comité« für den Karneval, das die Duldung und Akzeptanz der preußischen Regierung fand.

Für die weitab in Berlin regierenden Preußen wurden so die befürchteten Ausschweifungen und das »wilde Umherziehen« während der im katholischen Rheinland gefeierten Fastnacht besser kontrollierbar.

Denn die Kölner selbst sorgten von nun an für einen geregelten Festumzug - heute Rosenmontagszug - vor der Fastnacht, die der Fastenzeit vor Ostern vorausging. Im protestantischen Preußen waren Fastnachtsfeiern nicht üblich. Wie lange die Karnevals-Session dauert, hängt übrigens vom Mond ab. Denn Ostern, das Ende der Fastenzeit, fällt immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Vom Ostersonntag 40 Werktage (und sechs Sonntage) zurückgerechnet ergibt den Aschermittwoch, das Ende der Session.

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