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Kleine Teilchen, großes Problem

Mikroplastik verseucht Gewässer und Böden weltweit, Schweden will sie nun teilweise verbieten

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wer schön sein will, muss leiden. Doch die Umwelt leidet bei vielen Schönheitsbehandlungen mit. In Mode sind etwa kosmetische Produkte, die kleinste Kunststoffteilchen enthalten. Sie sollen schonend aber bis in die Tiefe reinigen. Doch beim Abwaschen landen die Mikroplastikteilchen in der Kanalisation und letztlich in den Flüssen und Meeren. Dort gelangen sie in Fische, Krebse und Kleintiere und am Ende über die Nahrung in den menschlichen Körper.

Weil der rot-grünen Regierung in Stockholm ein sich möglicherweise anbahnendes EU-weites Verbot für Kosmetika mit Plastikteilchen zu lange dauert, hat sie es im Alleingang erlassen. Schon ab dem 1. Juli dürfen in Schweden keine neuen Kosmetika mit Plastikteilchen in den Handel kommen. Lagerbestände dürfen noch bis Ende 2018 verkauft werden. Dazu zählen etwa Zahnpastasorten, Gesichts- und Körpercremes, Rasierschaum, Haarshampoo, Duschgel, Seife und Reinigungsmittel, die abgewaschen oder aus dem Mund ausgespült ins Wasser gelangen.

»Es ist Wahnsinn, Produkte mit Plastikteilchen anzureichern, unabhängig davon, um welche Produkte es geht. Wir wissen, dass Kläranlagen sie nicht ausfiltern können und dass sie deshalb im Meer landen«, begründet die grüne Umweltministerin Karolina Skog. Es gebe natürliche Ersatzmaterialien, Mikroplastik sei »völlig unnötig«, so die Ministerin.

Zu dieser zählen alle Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sämtliche Organismen im Meer nehmen Mikroplastik auf. Der Stoff wurde schon in Muscheln, Würmern, Fischen, Seevögeln und sogar Plankton nachgewiesen, wie aus einer Studie der Umweltschutzorganisation BUND hervorgeht. Eine Studie vom deutschen Umweltbundesamt von 2016 kommt zum Ergebnis, dass aufgenommenes Mikroplastik die Funktionen der Zellen stört.

Dass das Problem sich auch auf die Böden erstreckt, haben Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der FU Berlin herausgefunden. Demnach ist das Land noch viel stärker mit Mikroplastik verseucht als die Gewässer. Verbreitet wird Mikroplastik etwa durch Abwasser: Bis zu 90 Prozent der darin enthaltenen Partikel, etwa von Kleiderfasern, verblieben im Klärschlamm, der oft als Dünger auf Felder ausgebracht werde.

Allerdings bildet Mikroplastik aus Kosmetik nur einen sehr geringen Anteil an der Verunreinigung der Gewässer. Deshalb untersucht Schwedens Chemikalienbehörde bis zum 31. März, ob weitere Produkte von einem Verbot erfasst werden sollten.

Eine große Quelle für Mikroplastikmüll ist laut schwedischem Naturschutzamt der Fahrzeugverkehr, vor allem abgeriebene Gummipartikel von Reifen. In Schweden entstehen durch den Verschleiß von Reifen jährlich 7674 Tonnen Mikroplastik. Ein weiteres Problem sind Kunstgrasflächen. Stockholm prüft, ob diese reduziert werden können. Zudem bewilligt die Regierung 17 Millionen Kronen (1,7 Millionen Euro) pro Jahr für die westschwedische Küstenregion Bohuslän, wo aufgrund der Strömungen besonders viel Müll aus dem gesamten Nordatlantik angeschwemmt wird. 85 Prozent davon besteht aus Plastik, ergab eine Studie der Stiftung »Haltet Schweden sauber«. Mehrere Länder haben Mikroplastik in Hygieneprodukten bereits verboten, so etwa Großbritannien und Kanada.

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