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Ein einfaches »Sorry« reicht nicht

Australische Aborigines warten auf Taten und fühlen sich noch immer diskriminiert

  • Von Barbara Barkhausen, Sidney
  • Lesedauer: 3 Min.

Als ein Flugzeug vor zehn Jahren »Sorry« an den Himmel über Sydney schrieb, war der Jubel groß. Wenige Wochen später ging eine Rede des damaligen australischen Premiers Kevin Rudd in die Geschichtsbücher ein. Damals, am Morgen des 13. Februar 2008, entschuldigte sich der Sozialdemokrat im Parlament in Canberra für alles Unrecht, das den Ureinwohnern widerfahren ist. Doch konkrete Taten fehlen seitdem weitestgehend.

»Heute ehren wir die indigene Bevölkerung dieses Landes, die älteste fortlebende Kultur in der Geschichte der Menschheit«, sagte Rudd damals. »Wir reflektieren ihre Misshandlung in der Vergangenheit, wir reflektieren vor allem die Misshandlung, die die erfahren mussten, die zur gestohlenen Generation gehörten - diesem befleckten Kapitel in der Geschichte unserer Nation.« Diese »gestohlene Generation« waren etwa 100 000 Kinder, die in der Zeit von 1900 bis in die 70er Jahre ihren indigenen Familien gewaltsam weggenommen wurden und bei Pflegefamilien, in Waisenhäusern oder ähnlichen Institutionen aufwachsen mussten und dort oftmals misshandelt wurden.

Mit der damaligen Entschuldigung sollte auch die Annäherung an den Lebensstandard der restlichen Bevölkerung in Angriff genommen werden, die »Lücke geschlossen« werden. Doch der zehnte »Closing the Gap«-Bericht zeigte am Montag nach wie vor große Diskrepanzen, auch wenn er einige Erfolge verbuchen konnte.

So sterben heute deutlich weniger indigene Kinder, bevor sie das Grundschulalter erreichen. Zwischen 2011 und 2014 starben Aborigine-Kinder zwischen null und vier Jahren noch doppelt so häufig wie nicht-indigene Kinder. Außerdem werden inzwischen mehr indigene Kinder in Kindergärten eingeschrieben und deutlich mehr Aborigines schaffen ihren Schulabschluss.

Drei Ziele konnten somit erreicht werden oder sind zumindest auf dem richtigen Weg. Doch andere zeigten die nach wie vor eklatante Kluft zwischen der indigenen und der restlichen Bevölkerung des Landes. So gehen die Kinder der Ureinwohner nach wie vor nicht ebenso regelmäßig zur Schule wie andere Kinder in Australien und erreichen nicht die gleich guten Ergebnisse bei standardisierten Lese- und Mathematiktests. Auch das Ziel, die Arbeitslosenquote von Aborigines zu verringern, wurde nicht australienweit erfüllt. Die Lebenserwartung der Ureinwohner ist nach wie vor geringer als im restlichen Australien.

Rudd, der die »Closing the Gap«-Strategie 2008 einst eingeführt hatte, äußerte sich in australischen Medien trotzdem einigermaßen zufrieden mit den Ergebnissen, die die derzeitige konservative Regierung unter Malcolm Turnbull erreicht hat. Die ursprünglichen Ziele zu erreichen, sei nie leicht gewesen, denn »200 Jahre Benachteiligung zu überwinden ist eine verdammt harte Sache«, sagte er im Interview mit dem Sender Sky News.

Michael Anderson, ein Aborigine-Führer der Euahlayi-Nation und das letzte überlebende Gründungsmitglied der Zelt-Botschaft der Aborigines in Canberra, nannte die »Closing the Gap«-Strategie und die Entschuldigung jedoch einen »Tropfen auf den heißen Stein«. In einer Pressemitteilung schrieb der Aktivist, dass das weit entfernt von einem Vertrag und einer Dekolonialisierung sei, für die er kämpfe.

Bereits im Mai 2017 hatten sich 250 Vertreter der australischen Ureinwohner bei einem historischen Treffen am Uluru - besser bekannt als »Ayers Rock« - für einen Vertrag ausgesprochen, wie dies andere indigene Nationen vor ihnen bereits getan haben. Außerdem verlangten sie eine in der Verfassung verankerte Stimme im Parlament. Turnbull hat letzteres kategorisch abgelehnt. Auch ein Vertrag wird derzeit nicht diskutiert.

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