Werbung

Oxfam steht wegen Sexpartys unter Druck

Britische Regierung erwägt öffentliche Mittel für die Hilfsorganisation zu streichen

  • Von Peter Stäuber, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Unterstütze das nd mit einem monatlichen Beitrag

Minimum 2,50 Euro/Monat

...oder einem Abo oder einer Spende:

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Vielleicht später...

Die britische Hilfsorganisation Oxfam kommt aufgrund von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens immer stärker in Bedrängnis. Entwicklungsministerin Penny Mordaunt sagte am Sonntag, dass die staatlichen Finanzierungsmittel für die Organisation möglicherweise gestrichen würden. Am Freitag waren Berichte ans Licht gekommen, laut denen Mitarbeiter nach dem Erdbeben in Haiti 2010 Sexpartys mit Prostituierten veranstaltet hatten. Seither sind weitere Vorwürfe erhoben worden.

Die Hilfsorganisation hatte zwar eine interne Untersuchung zu den Vorwürfen von 2010 eingeleitet, aber der Bericht, den sie der Charities Commission übergab, enthielt keinerlei Hinweise auf Fälle von Missbrauch. Die »Times« kam jedoch an Dokumente heran, die ein anderes Bild zeichnen: Leitende Mitarbeiter der Operation in Haiti hätten regelmäßig die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen und in einer von der Stiftung gemieteten Villa Sexpartys veranstaltet; einige der Prostituierten waren möglicherweise minderjährig. Auch berichtete ein Tippgeber von der Einschüchterung anderer Angestellter. Die Ereignisse führten dazu, dass vier Mitarbeiter entlassen wurden und drei weitere ihre Kündigung einreichten, darunter auch der Programmleiter in Haiti, Roland van Hauwermeiren.

Aber Oxfam unterließ es nicht nur, die Regierung - von der sie im vergangenen Jahr 34 Millionen Pfund (rund 38 Millionen Euro) an Zuwendungen erhielt - von diesen Vergehen in Kenntnis zu setzen; sie verschwieg van Hauwermeirens Verhalten auch gegenüber seinem späterem Arbeitgeber. Am Sonntag weitete sich der Skandal aus: Der »Observer« berichtete, dass Angestellte der Organisation auch im Tschad 2006 wiederholt Prostituierte in ihr Quartier eingeladen hätten. Oxfam ist nicht allein: Laut Medienberichten sind im vergangenen Jahr über 120 Hilfsmitarbeiter des sexuellen Fehlverhaltens beschuldigt worden.

Entwicklungsministerin Mordaunt reagierte am Sonntag mit deutlichen Worten: Das Verhalten der Mitarbeiter stelle einen »völligen Verrat der Leute dar, denen Oxfam helfen sollte«. Sie werde bei einem Treffen überprüfen, ob die Leitung der Stiftung über die nötige »moralische Führungsstärke« verfüge - wenn nicht, dann könne Oxfam in Zukunft kein Partner der Regierung mehr sein. Haiti hat unterdessen die Organisation aufgefordert, die Namen der betreffenden Mitarbeiter bekanntzumachen, damit sie strafrechtlich verfolgt werden können.

Der Skandal kommt zu einer Zeit, in der Hilfsorganisationen in Großbritannien bereits unter Druck sind. London hat sich verpflichtet, Entwicklungsgelder in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts auszugeben - so wie von der UNO empfohlen. Aber konservative Politiker beklagen sich, dass Geld, das an ärmere Länder geht, besser in Großbritannien ausgegeben werden sollte. Vergangene Woche überreichte der Tory-Abgeordnete Jacob Rees-Mogg der Premierministerin eine Petition von Lesern des rechten Klatschblatts »Daily Express«, in denen sie für eine Kürzung der Hilfsgelder plädieren. Dass gerade konservative Politiker mehr Investitionen in die heimische Wirtschaft fordern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Schließlich ist es die Tory-Regierung, die seit bald acht Jahren eine Sparpolitik verfolgt und den Sozialetat an allen Ecken und Enden kürzt.

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen