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Curling mal ganz anders

Das Mixed-Doppel gibt dem Sport neuen Schwung, auch wenn am Ende wieder Kanada siegt

  • Von Oliver Kern, Gangneung
  • Lesedauer: 4 Min.

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Wenn es einen Trend im olympischen Sport gibt, dann den zu mehr geschlechtergemischten Teamwettbewerben. Es gibt sie mittlerweile im Rodeln, Eiskunstlauf, Ski Alpin - und beim Curling. Letzterer feierte bei den Winterspielen in Südkorea seine olympische Premiere, und das sogenannte Mixed-Doppel hat sich in vielerlei Hinsicht sogar als interessanter herausgestellt als das Original.

Ein kurzer Regelvergleich: Statt vier Personen stehen pro Team nur noch zwei auf dem Eis: eine Frau und ein Mann. Es wird weniger diskutiert: Wie schnell der nächste Stein gespielt werden soll. Wohin. Ob inward oder outward drehen. Ob Corner Guard oder Double Take Out. Einfach ran, losrutschen, wischen und rumbrüllen. Das bleibt natürlich, und es ist auch eine schöne Abwechslung, wenn Frauen mal ihre männlichen Partner zusammenschreien. Es werden weniger Steine gespielt, die Spielzeit damit von 75 Minuten auf nur noch 45 verkürzt.

Die beste Neuerung aber ist das Vorplatzieren von Steinen. Dadurch sind die Mannschaften fast gezwungen, ihre Steine möglichst immer ins Zentrum zu »legen«, anstatt wie sonst oft erst einmal Blockaden weit vor dem Ziel aufzubauen, was für Außenstehende oft nach Fehlern aussieht. Bei jedem Stein gibt es nun »Ohhhs« oder »Ahhs« von den Rängen, das Eis-Schach wird so eher zum Mensch-ärgere-Dich-nicht. Puristen des Sports mag das ärgern. Ein Schweizer Journalist bezeichnete den Wettbewerb auf der Pressetribüne als »Krawall-Curling«, aber die Zuschauer sind die ganze Zeit bei der Sache.

Eins hat sich jedoch nicht geändert. Die Kanadier dominieren auch hier. Im Finale am Dienstagabend waren Kaitlyn Lawes und John Morris den Schweizern Jenny Perret und Martin Rios überlegen. In der Vorrunde hatten die neuen Olympiasieger das erste Spiel gegen Norwegen noch verloren, danach folgten aber nur noch Siege. Im Halbfinale gelang die Revanche an den Norwegern mit 8:4. Im Finale gab dann das Schweizer Paar beim Stand von 3:10 zwei Durchgänge vor Schluss auf. Den Rückstand gegen diese starken Kanadier aufzuholen, war ganz offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit.

»Sie haben verdient gewonnen, denn sie waren das beste Team diese Woche«, sagte Rios, der im Endspiel seine schwächste Turnierleistung geboten hatte. »Ich bin so enttäuscht. Gar nicht darüber, dass wir Gold verloren haben, sondern weil Jenny heute leider gegen drei spielen musste.«

Die meisten Fans im nicht ausverkauften Gangneung Curling Centre waren froh, denn die Halle war fest in kanadischer Hand. Auch wenn der Sport aus Schottland stammt, ist er heute in Nordamerika am populärsten. 800 000 Kanadier spielen Curling, in fast jeder Kleinstadt gibt es einen Verein und eine Halle. Jedes Jahr gibt es je eine Weltmeisterschaft für Frauen und Männer, und eine davon wird immer in Kanada ausgetragen. Beim innerkanadischen Ausscheidungsturnier für Olympia hatten Lawes und Morris mehr Spiele verloren als jetzt in Korea.

Umso erleichterter war der Olympiasieger von 2010 über den nächsten Erfolg. »Die Qualifikation zu Hause ist so schwer, da weiß man nie, wie oft man überhaupt zu Olympia kommen darf. Und dann ist der Druck so groß, denn wenn du Eishockey oder Curling spielst, musst du als Kanadier immer Gold holen«, sagte Morris, der genau wie seine Partnerin - Lawes war 2014 Olympiasiegerin - zunächst im traditionellen 4er-Team die interne Olympiaqualifikation verpasst hatte und dann im Mixed einen neuen Anlauf probiert hatte.

Mittlerweile ist Morris Fan des neuen Wettbewerbs, obwohl der Weltverband damit Curling vornehmlich in anderen Ländern populärer machen will. »Beim Mixed-Doppel muss man immer offensiv spielen. Da kannst du nicht wie sonst auch mal mit einer zurückhaltenden Taktik gewinnen. Alles ist viel schneller, und es gibt viele Punkte. Das liebe ich, und es ist gut fürs Curling, denn überall dort, wo unser Sport keine Tradition hat, wirkt das frischer.«

Auch sein Finalgegner Martin Rios sieht das ganz ähnlich. »Für kleine Länder kann das vieles einfacher machen. Es braucht nur noch zwei Leute auf gutem Niveau, um mal bei großen Turnieren dabei zu sein.« Seine Spielpartnerin Jenny Perret aber zweifelt noch an dieser Entwicklung. »Ich glaube, das 4er Curling für Frauen und für Männer wird immer die Nummer eins bleiben. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass das Mixed-Doppel noch weiter gepusht wird, die Königsdisziplin wird es sicher nie werden.«

Als solche hatten die Biathleten auch einst ihren Einzelwettbewerb über 20 Kilometer bezeichnet. Heute wird er kaum noch gelaufen, weil die Fans mehr Action sehen wollen, etwa im Massenstart oder der eben in der Mixed-Staffel. Womöglich hat im Curling gerade eine ähnliche Entwicklung eingesetzt.

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