Werbung

Ägypten will Kontrolle über Sinai zurück

Operation gegen Islamisten fünf Wochen vor der Wahl soll Stärke der Regierung demonstrieren

  • Von Jacob Wirtschafter, Kairo
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Ägypten hat mit der »Operation Sinai« 2018 eine massive Militäraktion gestartet, die alle Waffengattungen der Armee und die bewaffneten Kräfte des Innenministeriums in Anspruch nimmt. Der Einsatz richtet sich nicht nur gegen Terrorzellen und kriminelle Organisationen auf der Halbinsel Sinai, sondern vor allem gegen Islamisten im Niltal und in der Wüste im Westen des Landes. Die Streitkräfte hätten mehrere Orte in Zentral- und Nordsinai gleichzeitig angegriffen, sagte der Sprecher der Streitkräfte, Tamer el-Refai.

Die Operation folgt auf das Versprechen von Präsident Abdelfattah al-Sisi im November, »Terrorelemente innerhalb von drei Monaten auszurotten« - gegeben nach dem Massaker in einer Moschee im Dorf Al-Rawdah im unruhigen nördlichen Teil der Halbinsel. Laut der Armee wurden allein am Samstag in der Stadt Bir el-Abd, dem Ort des Anschlags, 20 Personen getötet. Ägyptens Marine hat unterdessen ihre Patrouillen an der Nordküste der Halbinsel verstärkt, um Versorgungslinien der Terroristen zu kappen. Präsident Sisi erklärte sich zufrieden mit dem Beginn der Operationen.

Erste Hinweise auf die Offensive gab es bereits vorige Woche. Das Gesundheitsministerium hatte den Krankenhäusern in der Nähe des Suezkanals befohlen, die Anzahl der Ärzte pro Schicht in den Notfallstationen zu verdoppeln und Blutkonserven bereitzuhalten. Am Freitag dann wurden die Internetverbindungen zur Halbinsel gekappt und der Ahmed-Hamdi-Tunnel unter dem Suezkanal für den Privatverkehr gesperrt.

Kairo will die Kontrolle über das Land zurückgewinnen, um die Bevölkerung für die Präsidentschaftswahlen vom 26. bis 28. März zu mobilisieren. Mehr als sechzig Millionen Stimmzettel sind bereits gedruckt. Würden sie alle verwendet, verdoppelte sich die Wahlbeteiligung im Vergleich zur Abstimmung von 2014. Damals gingen 24,5 Millionen Wählerinnen und Wähler an die Urnen.

Kritiker der Politik der harten Hand von Amtsinhaber Sisi sagen, dass das Vorgehen des Militärs Zivilisten in Gefahr bringt. »Seit 2013 hat die Politik der kollektiven Bestrafung und der Gleichgültigkeit gegenüber Kollateralschäden keinerlei Erfolg gehabt«, sagt Mohammad Sabry, Autor des Buches »Sinai: Ägyptens Dreh- und Angelpunkt, Gazas Lebensader, Israels Alptraum.« Hunderte Zivilisten seien bei diesen Operationen getötet worden, darunter Männer und Kinder. Fast ein Dutzend Dörfer seien teilweise oder vollständig vom Militär zerstört worden, fügte Sabry hinzu.

Der Regierung nahestehende Kreise weisen eine Koordinierung der Offensive mit Aktivitäten Israels zurück. Westliche Medien hatten zuvor berichtet, dass Israels Luftwaffe im Auftrag des ägyptischen Militärs Ziele im Sinai bombardiert habe.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken