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Ollis Olympia

Oliver Kern ist nicht von jeder technischen Erfindung begeistert

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ende der 90er, ich war noch kein Journalist, aber der Berufswunsch war offenbar schon formuliert. Die Verwandtschaft schenkte mir jedenfalls Heinz Florian Oertels Autobiografie. Viel ist nicht im Gedächtnis geblieben, die DDR-Reporterlegende war wohl doch ein besserer Redner als Schreiber. An eine Anekdote aber erinnere ich mich: 1964 staunte Oertel über die vielen technischen Neuerungen bei den Spielen in Tokio.

54 Jahre später wollen auch die Südkoreaner »Neue Horizonte« aufzeigen. Und dieses offizielle Motto soll durchaus technologisch verstanden werden. Fast überall gibt’s hier verlässlich schnelles W-Lan, egal ob im Bus oder im Zug. Alles kostenlos, kein Zwang, sich bei der Telekom anzumelden, oder sonst irgendeine Schikane.

Wer als Journalist auf der Busfahrt von einem Wettkampfort zum anderen nicht auf Laptop, Tablet oder Handy starren will, den berieselt der riesige Fernsehbildschirm, der je nach Laune des Busfahrers Eiskunstlauf, Curling oder die neueste Folge einer hier beliebten Telenovela zeigt. Im Curlingstadion braucht man gar keine großen Leinwände mehr an der Hallendecke. Die Eisfläche wird in Gangneung zum selbst leuchtenden Big Screen, wenn in der sonst abgedunkelten Arena die Teams vorgestellt werden.

Roboter fehlen natürlich auch nicht. Im Medienzentrum fuhr mir jüngst ein bauchhoher über den Weg. »In Deutschland habe ich schon viel kleinere vollautomatische Staubsauger gesehen«, sagte ich seinem menschlichen Aufpasser. Doch der junge Mann schüttelte den Kopf: »Das ist ein Zustell-Bot.« Der bringe Dinge. »Aha, was hat er denn dabei?«, fragte ich. Enttäuschung machte sich breit, als sich die Ladeluke öffnete: da waren nur ein paar kleine Wasserflaschen drin. Die kann ich auch selbst noch holen. Neue Technik öffnet eben doch nicht immer neue Horizonte.

Auf der Heimfahrt fiel dann auch noch das W-Lan aus. Klappt eben nicht immer alles. Und da der Busfahrer auch keine Lust mehr hatte, den Fernseher einzuschalten, fand ich meinen eigenen neuen Horizont: Einfach mal rausgucken. Berge und Meer sehen. Kann auch schön sein.

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