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Der Hering ist früh dran

Für die Kutter- und Küstenfischer an der Ostsee beginnt die Saison früher als gewöhnlich

  • Von Martina Rathke, Freest
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Kutter- und Küstenfischer in Freest (Landkreis Vorpommern-Greifswald) haben den ersten Hering angelandet. Bislang seien die Mengen mit ein bis vier Tonnen pro Tag noch sehr gering, sagte der Vorsitzende der Freester Fischereigenossenschaft, Michael Schütt. Mit Testfängen von ein oder zwei Kutterbesatzungen werde zunächst die Qualität des Herings geprüft. Um höhere Preise zu erzielen, wollen die Freester Fischer den Fisch erst dann aus dem Wasser ziehen, wenn der Rogen reif ist. Dies könne bald der Fall sein, sagte Schütt. Der Rogen sei bereits gut entwickelt.

Damit könnte die Heringssaison früher als in den Vorjahren starten. Normalerweise beginnt die Heringssaison im Greifswalder Bodden - der Kinderstube des westlichen Ostseeherings - erst im März. Nicht nur die Fischer sehen Hinweise auf eine frühere Laichreife. Auch die Forscher des Thünen-Instituts für Ostseefischerei gehen davon aus, dass die Heringe in diesem Jahr früher ablaichen werden. Bei einer ersten Ausfahrt mit einem Forschungsschiff, die am Mittwoch im Greifswalder Bodden zu Ende ging, sei bereits belaichte Vegetation entdeckt worden, sagte der Vize-Chef des Instituts, Uwe Krumme. Ursache für die frühen Laichaktivitäten könnte der milde Winter sein. Die Heringe seien darauf eingestellt, bei einer Temperatur von vier Grad abzulaichen.

Bislang ist der Hering nach Angaben Schütts noch nicht massenhaft in den Greifswalder Bodden eingeströmt. »Wir warten darauf, dass das in den nächsten Tagen passiert.« Der Hering, der bislang in Freest angelandet wurde, stamme aus den Gewässern vor Rügen. Die Fischereigenossenschaft in Freest ist die größte in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach Angaben Schütts steht die Heringsfischerei in diesem Jahr vor einer schwierigen Saison. Die Quote für den westlichen Ostseehering wurde um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt. Erschwerend komme hinzu, dass die Preise nicht besonders hoch seien, da in der Nordsee die Heringsquote angehoben wurde, sagte Schütt.

Die Fischereibiologen haben den Greifswalder Bodden genau im Blick und werden in den kommenden Monaten auf Forschungsausfahrten die Entwicklung der Larven beobachten. Rund 80 Prozent des Heringsbestandes in der westlichen Ostsee haben dort nach Angaben des Instituts ihren Geburtsort. Seit 2004 produziert dieser Bestand schwächelnde Nachwuchsjahrgänge. Im Jahr 2016 registrierten die Fischereibiologen den schlechtesten Larvenjahrgang seit 1990. Auch der Folgejahrgang von 2017 sei schwach gewesen, sagte Krumme.

Fischereibiologen vermuten, dass ein Bündel von natürlichen Ursachen die hohe Sterblichkeit von Larven in einem frühen Stadium verursacht. Dies könnte durch eine klimabedingt erhöhte Wassertemperatur in der Ostsee ausgelöst worden sein. Auch wenn diese nur geringfügig sei, reiche dies aus, um die fein justierte Nahrungskette zu stören. Die Larven, so die Annahme, könnten in einem frühen Stadium verhungern. dpa/nd

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