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Die Energiewende ist unschuldig

Gutachten widerlegt, dass energetische Anforderungen an Neubauten schuld an Kostenexplosionen sind

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bezahlbarer Wohnraum wird hierzulande zur Mangelware. Grund sind die explodierenden Immobilienpreise. Laut der Onlineplattform Immobilienscout 24 stiegen die Preise für Wohnungen deutschlandweit seit 2007 um knapp 80 Prozent. Für Verfechter der Energiewende ist diese Entwicklung ein Grund, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass höhere energetische Anforderungen an Neubauten mit schuld an diesem Trend sind.

»Die künftige Bundesregierung sollte dem Bekenntnis zum Klimaschutzplan 2050 im Koalitionsvertrag auch dessen konkrete Umsetzung im Heizungskeller folgen lassen«, erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE), Peter Röttgen, am Freitag bei der Vorstellung eines Kurzgutachten zum Thema. Das zentrale Ergebnis der Arbeit, die der BEE beim Dresdner Institut für technische Gebäudeausrüstung in Auftrag gegeben hatte: Die Mindestanforderungen für Neubauten nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) sind nur für drei Prozent der Entstehungskosten eines Mehrfamilienhauses verantwortlich. Der größte Teil des Anstiegs bei den Baukosten ist dem Gutachten zufolge stattdessen auf die allgemeine Preissteigerung zurückzuführen.

Dabei gibt die EnEV an, wie viel ein Neubau höchstens an Energie für Heizung und Warmwasser verschlingen darf. Laut der Verbraucherzentrale Bundesverband sind dies maximal 50 bis 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Dies entspricht bei einem Einfamilienhaus einem Verbrauch von rund 630 Litern Heizöl.

Geht es nach den nordrhein-westfälischen Regierungsparteien, sind diese Anforderungen zu hoch. Der Landtag solle die Landesregierung beauftragen, »sich im Rahmen einer Bundesratsinitiative dafür einzusetzen, dass die Energieeinsparverordnung 2016 zunächst für drei Jahre ausgesetzt wird«, schrieben die NRW-Landtagsfraktionen von FDP und CDU vergangenen November in einem Antrag. Denn zum 1. Januar 2016 wurden die Anforderungen an Neubauten bezüglich ihres Primärenergieverbrauches um 25 Prozent verschärft. Als Begründung für ihr Ansinnen dient den beiden Parteien die Behauptung, dass die EnEV das Bauen seit der Jahrtausendwende um circa 14 Prozent verteuert habe.

Dies ist ein Argument, das die Energiewende-Protagonisten für falsch halten. »Höhere energetische Standards können sogar günstiger erreicht werden, wenn man Heizungstechnik und Gebäudegestaltung intelligent kombiniert und Fördermittel in Anspruch nimmt«, erklärt BEE-Geschäftsführer Röttgen. Die Baupraxis beweise, dass über die EnEV 2016 hinausgehende energetische Standards unkompliziert und mit marktüblichen Technologien problemlos erreichbar seien.

Stattdessen hält man beim BEE die gestiegenen Grundstückspreise für den Hauptgrund für die Explosion der Immobilienpreise. »Entscheidender Engpassfaktor für mehr bezahlbaren Wohnungsneubau ist in vielen Regionen und Städten der Mangel an geeigneten Flächen und fehlendes Baurecht für vorhandene Grundstücke«, wird das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in der BEE-Studie zitiert. Dabei gehe es sowohl um die quantitative Verfügbarkeit als auch um das vielerorts sehr hohe Preisniveau.

Auch beim Deutschen Mieterbund (DMB) glaubt man nicht, dass zu hohe energetische Anforderungen schuld an zu hohen Mieten sein sollen. »Die Immobilienpreise, die sich auf dem Markt bilden, haben nichts mit den tatsächlichen Kosten zu tun«, sagt DMB-Geschäftsführer Ulrich Ropertz. Das Einfrieren der EnEV-Standards werde keine Auswirkungen auf die Preise haben.

Trotzdem hat die künftige Bundesregierung dies vor. »Wir wollen dadurch insbesondere den weiteren Kostenauftrieb für die Mietpreise vermeiden«, heißt es im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD.

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