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Absolut fair, und außerdem schmeckt’s

Berliner Start-up arbeitet Hand in Hand mit ruandischen Kaffeekooperativen

  • Von Heidi Diehl
  • Lesedauer: 4 Min.

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Xaver Kitzinger und Angelique Karekezi
Xaver Kitzinger und Angelique Karekezi

Der Zufall geht manchmal seltsame Wege: 2014 lernten sich die Entwicklungs- und Klimaschutzexperten Allan Mubiru aus Ruanda und Xaver Kitzinger aus Deutschland durch die gemeinsame Arbeit in Berlin kennen. Beide verband von Anfang an nicht nur die Liebe zur gemeinsamen Arbeit, sondern auch zu gutem Kaffee. Als Xaver später in Ruanda arbeitete, genoss er den einheimischen Kaffee, den man dort in bester Qualität im Supermarkt kaufen kann, und brachte ihn auch Freunden und Kollegen mit nach Hause, die davon genauso begeistert waren wie er selbst. »Wäre das toll, wenn es diesen Kaffee auch bei uns zu kaufen gäbe«, sagten viele. Und setzten damit Xaver »einen Floh ins Ohr«. Da musste doch was zu machen sein.

Bei einem seiner nächsten Arbeitsaufenthalte in Ruanda schauten sich Allan und Xaver verschiedene Kaffeekooperativen an. Bald schon trafen sie auf »Rwashoscco«, ein Dachunternehmen, hinter dem sechs Kooperativen stehen. Deren Philosophie, die die beiden von der Leiterin des Unternehmens, Angelique Karekezi, hörten, begeisterte sie: Die Mitglieder erledigen alles gemeinsam, vom Anbau über die Ernte und Röstung bis hin zur Vermarktung ohne irgendwelche Zwischenhändler. So können die Kooperativen ein höheres Einkommen erzielen als in der Branche üblich, wo zumeist Rohkaffee verkauft wird und das große Geld von den Händlern und Röstereien im Ausland verdient wird. Wie wäre es, wenn wir den Kaffee auch in Deutschland verkaufen, fragte Xaver die resolute »Chefin«. Gewissermaßen als verlängerter Arm der Anbaukooperativen?

Schnell war man sich einig, es miteinander zu versuchen. 2015 gründeten Xaver und Allan in Berlin das deutsch-ruandische Start-up Kaffee-Kooperative.de. Xaver leitet die Geschicke in Berlin, Allan ist Vermittler vor Ort in Ruanda. Nach einem halben Jahr stand die Website, Mitte 2016 starteten die Gründer eine erste Crowdfunding-Kampagne mit dem Ziel, 500 Kilogramm Kaffee einzukaufen. »Wir waren total überrascht, wie schnell das Geld zusammen war. Denn schließlich überwiesen es die Leute ausschließlich auf das Versprechen hin, dafür irgendwann Kaffee zu bekommen. Nach nur sechs Wochen konnten wir die erste Lieferung bestellen«, erinnert sich Xaver. Bis heute fließt der gesamte Gewinn komplett in den nächsten Einkauf. Das ist auch deshalb möglich, weil sowohl Xaver als auch Allan nach wie vor einem »ordentlichen« Beruf nachgehen, von dem sie ihre Familien ernähren können.

Inzwischen hat die Kaffee-Kooperative.de rund 400 Kunden, die regelmäßig den handverlesenen, milden und aromatischen sogenannten Bourbon-Kaffee mit einem sehr geringen Säureanteil kaufen, der in den Vulkanbergen Ruandas auf fast 2000 Meter Höhe wächst.

Doch nicht das macht diesen Kaffee so einzigartig, sondern die Art und Weise seiner Produktion. Rund 13 600 Mitglieder sind unterm Dach der Firma »Rwashoscco« vereint, die sich im Jahr 2000 gründete, sechs Jahre nach dem Ende des Völkermordes. Ein Großteil von ihnen sind Frauen, deren Männer und/oder Söhne dem Genozid zum Opfer fielen und die nun zusehen mussten, wie sie ihre Familien ernähren. Gearbeitet wird im besten Sinne nach dem Musketierprinzip: einer für alle, alle für einen. Seit 2005 ist die Anbaukooperative Fairtrade International zertifiziert. Die Prüfer bestätigten regelmäßig die fairen Bedingungen und die demokratischen Entscheidungsprozesse. Gemeinsam kümmert sich die Kooperative um die Gesundheitsvorsorge, die Schulbildung der Kinder, die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder sowie die gerechte Verteilung der Einnahmen. Es werden auch Mikrokredite bereitgestellt, damit die Kaffeebäuerinnen und -bauern Investitionen tätigen können.

Mit rund 20 Euro je Kilo liegt der Kaffee natürlich weit über dem billigen »Industriekaffee«, den man in jedem Supermarkt kaufen kann. Doch dafür bekommt man nicht nur eine Spitzenqualität, sondern kann sich auch sicher sein, dass die Produzenten für ihre Arbeit gerecht bezahlt werden. Jeder Schluck schließt das gute Gewissen ein, nicht auf Kosten anderer zu genießen. Übrigens: Das deutsch-ruandische Start-up wurde gerade für die Fairtrade Awards 2018 nominiert.

Derzeit läuft eine neue Crowdfunding-Kampagne der Kaffee-Kooperative.de, bei der es darum geht, 50 000 Euro für einen ganz besonderen Kaffee zu generieren: 2000 Kilo von »Angelique’s Finest« sollen damit vorfinanziert werden, ein Kaffee, der zu 100 Prozent Made by Women ist. Bei diesem liegt die gesamte Wertschöpfungskette, vom Anbau über den Verkauf bis hin zur Entscheidung, was mit dem Erlös geschieht, ausschließlich in Frauenhand. Was so ziemlich ein Novum auf dem internationalen Kaffeemarkt ist.

www.startnext.com/angeliques-finest.

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