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Donald Trump will Lehrer bewaffnen

Kritik am US-Präsidenten

Donald Trump will den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Nach den tödlichen Schüssen in einer Schule von Parkland denkt der US-Präsident tatsächlich daran, Lehrer künftig verdeckt Waffen tragen zu lassen, um Amokläufer abzuschrecken. Wie er am Mittwoch (Ortszeit) bei einem live im Fernsehen übertragenen Treffen mit betroffenen Jugendlichen und Eltern von Schulmassakern erklärte, wolle er entsprechende Vorschläge unterstützen. Zuletzt warb seine Bildungsministerin für diese groteske Idee. Der durchschnittliche Amoklauf an einer US-amerikanischen Schule dauere drei Minuten, die Polizei habe jedoch eine Reaktionszeit von fünf bis acht Minuten, argumentiert Trump. Bewaffnete Lehrer, auch Hausmeister oder Verwaltungsmitarbeiter, könnten einen Amokläufer also schneller ausschalten; etwa 20 Prozent der Lehrer kämen für ein solches Waffentraining in Frage. Ganz davon abgesehen, dass sich dann potenzielle Schützen zweimal überlegen würden, ob sie die Tat wirklich begehen wollten. »Eine waffenfreie Zone ist eine Einladung für einen Irren wie in Parkland«, behauptet Trump. Sein Vorschlag könne »das Problem lösen«, so der US-Präsident. Er passt in sein Weltbild. Schon nach dem Terroranschlag auf ein Pariser Konzerthaus 2015 wusste er: Hätten die Besucher dort Waffen gehabt, wäre das eine »völlig andere Situation gewesen«.

Nicht nur Schüler beim Treffen im Esszimmer des Weißen Hauses für Staatsgäste hielten wenig von diesem Vorschlag. Der demokratische Senator Richard Blumenthal nannte ihn schlichtweg »abscheulich«. Scott Israel etwa ist als Sheriff für Parkland sicherheitstechnisch verantwortlich und weiß, wovon er spricht. Er sei durchaus für den bewaffneten Schutz von Schulen. In Lehrerhände aber gehörten Waffen auf keinen Fall, Lehrer sollten unterrichten, erklärte er unter Beifall in einer Diskussionsrunde beim Nachrichtensender CNN. »Schrecklich« nannten denn auch Überlebende des jüngsten Massakers an der Marjorie Stoneman High School Trumps Idee, so wie selbst der republikanische Senator Marco Rubio aus Florida. Das Repräsentantenhaus seines Bundesstaats allerdings betete in dieser Woche zwar für die Opfer des Amoklaufs, um dann aber trotzdem gegen eine Verschärfung des Waffenrechts zu votieren - während man sich einig war, dass Pornos ein Risiko für die Gesundheit darstellten.

Teilnehmer der Trump-Inszenierung im Weißen Haus dagegen sprachen sich nachdrücklich für eine bessere Waffenkontrolle aus. »Ich verstehe nicht, warum ich immer noch in den Laden gehen und so einfach eine Kriegswaffe wie die AR-15 kaufen kann«, fragte Samuel Zeif unter Tränen. Er hatte in Parkland seinen besten Freund verloren, erschossen mit eben solch einem Sturmgewehr. Trump ging darauf mit keinem Wort ein und sinnierte lieber über gründlichere »Background Checks«, besonders mit Blick auf die geistige Verfassung der Waffenkäufer. Auch die sind notwendig, nur sind Geistesgestörte nachweislich nicht das Hauptproblem, wie Täteranalysen zeigen. Aber der Präsident hat ja in der handverlesenen Runde auch viel Lob für seine Politik erfahren. Und vor allem: Er darf es sich nicht mit seiner Wählerschaft und mit der Waffenlobby verscherzen. Die National Rifle Association of America füllte seine Wahlkampfkassen mit 30 Millionen Dollar und wird auch bei den Zwischenwahlen zum Kongress im November wieder eine große Rolle spielen. Waffengewalt an Schulen mit Waffen bekämpfen - das dürfte ihr und den Herstellern sehr gefallen.

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