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Brandenburg setzt auf die Tram

Drei Städte wollen moderne Straßenbahnen erwerben - gemeinsam und mit Hilfe des Landes

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Für die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Brandenburg an der Havel GmbH (VBBr) war der Donnerstag ein Festtag: Bürgermeister Steffen Schel᠆ler (CDU) machte auf dem Straßenbahnbetriebshof den Weg für die Zukunft frei. Er übergab VBBr-Chef Jörg Vogler das Holzmodell einer Oldtimer-Straßenbahn - als Symbol dafür, dass die Stadt Brandenburg grünes Licht gibt für die Ausschreibung neuer Straßenbahnen.

Insgesamt 45 Niederflurbahnen wollen die kreisfreien Städte Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus gemeinsam anschaffen. Die Ausschreibung soll ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis sichern, ein einheitlicher Straßenbahntyp zu Synergien bei Wartung und Ersatzteillagerung sowie geringeren Betriebskosten führen. Die Gesamtkosten in Höhe von 120 Millionen Euro trägt zu 50 Prozent das Land.

Für die Verkehrsbetriebe der Havelstadt, die im Oktober 2017 ihr 120-jähriges Bestehen feierten, geht es um die erste Beschaffung neuer Straßenbahnen seit 1994, sagte Jörg Vogler dem »nd«. »Die neuen Straßenbahnen sollen als Ersatz für die zehn Tatra-Straßenbahnen beschafft werden, die noch aus DDR-Zeiten stammen und - wenn auch inzwischen dreimal modernisiert - zum Zeitpunkt der Ablösung um die 40 Jahre im Betrieb sein werden.«

Nach eigenen Angaben haben die VBBr 2017 mit ihren Bussen und Bahnen insgesamt 8,47 Millionen Fahrgäste befördert. Für die vier Tram-Linien stehen insgesamt 18 Triebwagen bereit, die ein 39 Kilometer langes Schienennetz mit 76 Haltestellen im Innenstadt- und Vorortverkehr befahren. Neben drei nicht barrierefreien herkömmlichen Tatra-Bahnen (Typ KT) sind auch zehn modernisierte Fahrzeuge (Typ KTNF 6), die wegen ihres nachgerüsteten Niederflur-Mittelteils als »Hängebauchschwein« verspottet werden, im Einsatz. Ihre Ablösung soll bis 2025 abgeschlossen sein. Die ersten neuen, zu 60 Prozent barrierefreien Niederflurbahnen sollen spätestens 2024 fahren. Sie dürften die Zukunft der Straßenbahn in der Stadt über 2050 hinaus sichern.

»Unsere Straßenbahnen gehören zum Stadtbild und zum Leben in unserer Stadt dazu. Sie prägen unseren ÖPNV und sind zudem effektive und erfolgreiche Elektromobilität«, sagte Bürgermeister Scheller. Das Gemeinschaftsvorhaben der drei kreisfreien Städte sei Ausdruck »hervorragender interkommunaler Kooperation«, um ihre Verkehrsbetriebe zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Dass der Straßenbahn dabei vor dem Hintergrund der Debatten um den Klimaschutz besondere Bedeutung zukomme, habe die Kommunalpolitik aufgegriffen.

Wie Stadtsprecher Jan Penkawa erinnerte, habe die Stadt im vergangenen Jahr für die Taktverdichtung im Innenstadtverkehr 250 000 Euro zusätzlich bewilligt. Im laufenden Jahr werde man weitere 220 000 Euro bereitstellen, um auch die Ortsteile - vor allem in den Abendstunden - noch besser anzubinden. Seit Jahren bereits werde der Hauptbahnhof zum Verkehrsknoten für Westbrandenburg entwickelt, an dem Bus- und Bahnlinien des VBBr mit dem Regionalverkehr der Deutschen Bahn verknüpft werden.

Im Rahmen der Gemeinschaftsbestellung haben die Verkehrsbetriebe für Brandenburg/Havel die Freigabe erhalten, Vertragsverpflichtungen in zweistelliger Millionenhöhe einzugehen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Konkret bedeutet das, dass zunächst nur vier Straßenbahnen als Festbestellung und acht weitere als (unverbindliche) Option ausgeschrieben werden können.

Die Stadt stellt nach Angaben von Sprecher Penkawa 6,1 Millionen Euro bereit, weitere 6,1 Millionen kommen aus Mitteln des Landes.

Die derzeit tatsächlich verfügbaren Mittel reichen laut VBBr nur für vier Straßenbahnen, die Gesamtkosten beliefen sich auf 25 bis 28 Millionen Euro. Das Förderprogramm des Landes mit festen Jahreszuweisungen sei gemäß ÖPNV-Gesetz zunächst bis 2022 befristet worden. VBBr-Chef Vogler vertraut auf dessen Verlängerung bis 2030. Nur so sei auch die Finanzierung der anderen Bahnen aus der Option gesichert.

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