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Mit Teetasse

Doku: »Songwriter«

Ed Sheeran ist ein britischer Schlagersänger. Die seichte Unterhaltungsmusik, für deren Verbreitung er die Hauptverantwortung trägt, zeigt einerseits die Unbedarftheit und Einfalt ihres Erzeugers und muss andererseits als totale Affirmation des Bestehenden gelesen werden. Sheerans prinzipienloser, schematisch-gleichförmiger, teils schwülstiger, teils larmoyanter Wohlfühl- und Erbauungspop ist so erfolgreich, weil er die Musik der Jetztzeit ist, ein von jeder Spur eines Gedankens oder einer Idee bereinigter, hochglanzpolierter Kulturindustrieabfall, die Musik einer Generation, die nichts weiß, nichts denkt, der der Begriff der Kritik fremd ist und die ihre eigene radikale Angepasstheit und Stromlinienförmigkeit als individuelle Entfaltung missversteht.

Nun gibt es einen Film mit dem Titel »Songwriter«, der Ed Sheeran 84 Minuten lang beim Herumsitzen, Gitarrezupfen, »Komponieren«, Schnulzensingen, Wimmern und Summen zeigt: Sheeran auf dem Weg von der Bühne in seine Garderobe. Sheeran in Schlafanzughose und mit Hausschuhen. Sheeran mit seinem ihn meist begleitenden Freund und Produzenten beim Austauschen von Nichtigkeiten. Sheeran zusammen mit anderen totalkonformen Endzwanzigern und Mittdreißigern, die ihm beim »Komponieren« helfen. Sheeran und die Konformisten auf dem Sofa in einem Garten. Sheeran mit Akustikgitarre auf dem Bett liegend. Sheeran am Laptop. Sheeran im Tourbus. Sheeran im Studio. Sheeran auf dem Rasen vor dem Studio. Sheeran mit irischer Volksmusikcombo. Sheeran mit Streichorchester. Sheeran in den Abbey-Road-Studios. Sheeran bei der Mythologisierung seiner selbst (»Es ist, als ob mein Song aus dem Nichts entsteht«). Sheeran mit Baseballkappe. Sheeran ohne Baseballkappe. Sheeran mit Teetasse. Sheeran ohne Teetasse. Sheeran mit seinem Vater. Sheeran mit seiner Freundin.

Zwischendurch dann eine Reihe hintereinandermontierte Standbilder: Urlaubs- und Ausflugsschnappschüsse, die einen mal lachenden, mal nachdenklich guckenden Sheeran vor diversen Naturkulissen zeigen. Dann wieder Sheeran abgefilmt: Sheeran auf einem Schiff, öde Gespräche mit seinem Produzenten führend. Sheeran in den Räumen seiner Plattenfirma. Sheeran beim Joggen. Sheeran beim Autofahren. Sheeran beim Telefonieren. Sheeran bei Konzertproben. Sheeran beim Singen von Banalitäten. Sheeran beim Singen von Lautfolgen (»Da-da-dap-da-Ba-rap-bap-ba-ba!«). Sheeran beim Singen von halbfertigen Liebesliedversen. Sheeran in seinem britischen Herkunftskaff beim Zeigen auf eine Urkunde, die er als Schüler bekommen hat. Sheeran beim Sprechen in die Kamera (»Ich mochte es schon in der Schule, Gitarre zu spielen und Lieder zu schreiben«). Sheeran beim Sprechen darüber, wie es ist, ein Lied zu schreiben (»Es fühlt sich magisch an«).

Während des ganzen Films fallen keine drei Sätze, die auch nur annähernd von Belang wären. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass der Regisseur und Produzent dieses Films, Murray Cummings, bei dem es sich um den Cousin des porträtierten Künstlers handelt, die langweiligste Musikdokumentation der Welt gedreht hat. Fans von Sheeran werden das aber gewiss anders sehen.

»Songwriter«, 24.2., 18 Uhr (Cu᠆bix 8), 25.2., 12 Uhr/22.30 Uhr (Friedrichstadtpalast), 15.30 Uhr (Zoo-Palast 1)

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