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Überraschend bis zum Schluss

Die Olympischen Winterspiele boten einige Sensationen - und ein Trippel-Dobbel

  • Von Oliver Kern, Pyeongchang
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Spiele der Überraschungen sind vorüber. Olympia bietet sich immer für Erfolge von Außenseitern an. Einmal in vier Jahren über sich hinauswachsen, und schon ist man Olympiasieger. Die 23. Winterspiele in Pyeongchang schrieben so einige märchenhafte Geschichten. Die von David Gleirscher zum Beispiel: Österreichs Rodler hatte vor seiner Goldfahrt im Weltcup ebenso nie auf dem Podium gestanden wie Schwedens Biathletin Hanna Öberg oder die niederländische Eisschnellläuferin Esmee Visser. Doch sie alle nutzten die Gelegenheit des Ruhms.

Den meisten Ruhm strichen die Norweger ein. Ganz oben im Medaillenspiegel duellierten sie sich bis zum Schluss mit Deutschland um den Platz an der Spitze. Die 39 Medaillen der Skandinavier waren am Ende Rekord für Winterspiele. Noch nie zuvor hatte es ein Land geschafft, bei Gold, Silber und Bronze jeweils zweistellige Werte zu erzielen. Die US-Amerikaner nennen so etwa ein Triple-Double, auf Norwegisch wäre das ein Trippel-Dobbel.

Doch auch die deutsche Mannschaft hat hier durchaus Festspiele erlebt, selbst wenn das die eigene Bestmarke von 2002 in Salt Lake City (USA), als 36 Mal Edelmetall gewonnen worden war, mit 31 nicht wiederholt werden konnte. Der Tiefpunkt aber scheint durchschritten, die doch recht magere Ausbeute von 19 Medaillen in Sotschi 2014 ist fast schon wieder vergessen.

Für die größten Partys im Deutschen Haus hatten die Biathleten und Nordische Skiläufer gesorgt sowie alles, was das Olympic Sliding Centre in Pyeongchang so heruntergerast kam. Sieben Medaillen im Biathlon, fünf im Rodeln, vier im Bob, vier im Skispringen und fünf in der Kombination. Der Deutsche Skiverband sowie der Bob- und Schlittenverband fahren um einiges fröhlicher nach Hause als noch vor vier Jahren. Der deutsche Höhepunkt der Medaillenjagd war sicherlich der Dreifacherfolg in der Nordischen Kombination von der Großschanze. Der anrührendste Moment war indes wohl die Goldmedaille im Eiskunstlauf der Paare, als Aljona Sawtschenko und Bruno Massot mit einer Traumkür von Rang fünf auf eins liefen.

Die meisten dieser Erfolge waren eingeplant. Doch auch unter den deutschen Athleten gab es einige, die für Überraschungen sorgten. Die Olympiasiege von Arnd Peiffer im Biathlonsprint oder von Mariama Jamanka und Lisa Buckwitz im Bob waren so nicht zu erwarten gewesen.

Für die größte Sensation aber sorgten am Ende der Spiele die Eishockeyspieler mit Silber. Begünstigt vom Fernbleiben sämtlicher NHL-Spieler war plötzlich die Gelegenheit da mit viel Kampfgeist und Glück in die Weltspitze vorzudringen. Dass das wirklich möglich war, hatten sie sich aber selbst nicht vorstellen können. »Es ist unglaublich. Wie in einem Traum. Für uns ist es das Größte, was wir jemals erreicht haben«, sagte Torhüter Danny aus den Birken, der speziell gegen Schweden und Kanada im Viertel- und Halbfinale mit vielen wichtigen Paraden die Mannschaft im Spiel gehalten hatte. Zuvor war eine deutsche Eishockeymannschaft nie über Platz drei hinausgekommen. Da darf man den Erfolg von Pyeongchang durchaus mal historisch nennen.

Ob diese Winterspiele in Südkorea für sich in die Geschichte eingehen, wird sich allerdings erst noch zeigen. Das Ziel waren »Neue Horizonte« und »Leidenschaft«, so besagten es Motto und Vision der Spiele. Ob die Koreaner nun aber wirklich leidenschaftliche Wintersportler werden, ist eher zweifelhaft. Auch weil ihre Landsleute auf Pisten und Loipen meist zu weit hinterherliefen, um wirklich Euphorie unter jungen Menschen auszulösen. Eisschnellläufer und Shorttracker hatte das Land vorher schon genug, nun kam noch ein Skeletonpilot hinzu. Kein Sport, den Millionen Menschen einfach mal selbst ausprobieren können.

Wenn überhaupt, dann sind neue Horizonte höchstens politisch erkennbar gewesen. Für die erste Überraschung hatte schließlich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un schon gut einen Monat vor der Eröffnungsfeier gesorgt. In seiner Neujahrsansprache hatte er die Teilnahme seiner Athleten ins Spiel gebracht. Am Ende spielten sie sogar gemeinsam mit Südkoreanern Eishockey und liefen zusammen hinter der Einheitsflagge ins Olympiastadion ein.

Am Abschlusswochenende erlebte die Snowboarderin Daniela Ulbing aus Österreich dann noch eine ganz besondere Überraschung, als im Achtelfinale des Parallel-Riesenslaloms ein Eichhörnchen direkt vor ihr in den Kurs rannte. Sie schrie auf, streifte das arme Tier am Schwanz und gewann ihren Lauf trotzdem noch. Ulbing schied eine Runde danach gegen die spätere Siegerin Ester Ledecka aus. Der Erfolg der Tschechin war zwar keine Überraschung - meistens gewinnen bei Olympia dann doch die Favoriten - doch auch Ledecka hatte in Pyeongchang für eine Sensation gesorgt. Die Snowboarderin war eine Woche zuvor auf Alpinski sensationell Gewinnerin im Super-G geworden. Doppelgold auf einem und auf zwei Brettern: eine Premiere, die in der Zeit der Spezialisierung niemand mehr für möglich gehalten hatte - mit Ausnahme von Ledecka natürlich.

Ob das Eichhörnchen Schaden nahm, konnte zunächst nicht geklärt werden, es hatte sich so schnell wieder aus dem Staub gemacht wie es gekommen war. Ab jetzt gehören die Berge des Phoenix Snow Parks aber erst mal wieder ihm allein. Die in knapp zwei Wochen startenden Wettbewerbe der Paralympics werden andernorts ausgetragen.

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