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Turmuhr zeigt nun im Glaskubus die Zeit an

Ruhlaer Förderverein setzten dahinrostendes Uhrwerk wieder in Gang

Ruhla. Rund 130 Jahre hat die Turmuhr der Concordia-Kirche in Ruhla (Wartburg-Kreis) den Menschen die Zeit angezeigt, bis sie 1992 durch eine funkgesteuerte Uhr ersetzt wurde. Das alte traditionelle Uhrwerk verrostete inzwischen auf dem Dachboden - bis sich traditionsbewusste Ruhlaer daran erinnerten. Ein funktionsloses Uhrwerk ausgerechnet in der Uhrenstadt Ruhla ging ihnen gegen den Strich, daher setzten sie seit 2013 alle Hebel in Bewegung, die technische Besonderheit wieder zum Laufen zu bringen.

Am 27. Februar soll das restaurierte Meisterwerk nun wieder eingeweiht werden. Aber nicht im originalen Kirchturm, sondern als Schauobjekt in einem Glaskubus vor dem Kulturhaus - zur Freude der Einwohner und als ein Anziehungspunkt für Urlauber. Es soll damit auch für die 155 Jahre alte Tradition des Uhrenbaus in der Kleinstadt im Thüringer Wald geworben werden.

Das Uhrwerk ist etwas Besonderes, erklärte der Vorsitzende des Fördervereins Uhrentradition Ruhla, Arthur Kamp. Angefertigt hat es der Weimarer Großherzogliche Hofuhrmacher Johann Jacob Auch. Er entwickelte ein neues Funktionsprinzip im Turmuhrenbau. Danach lösen Auch-Uhren den Viertelstundenschlag und den Stundenschlag nicht mit einem mehrstufigen Zahnrad-Räderwerk, sondern mit Schneckenrad und Schnecke aus.

Das Erstaunliche sei die Präzision der Getriebeteile, sagte Kamp. Das 3,60 Meter lange Pendel wurde außerhalb des Uhrwerkes befestigt. Es sorgt damit für eine hohe Genauigkeit des Uhrwerkes mit einer Abweichung von nur wenigen Sekunden in 24 Stunden. Nach Recherchen des Vereins gibt es mindestens acht weitere originale Turm-Uhren von Auch. Funktionstüchtig seien unter anderem die Uhrwerke im Erfurter Dom und im Schloss Wilhelmsthal bei Eisenach. Kirchengemeinde, Gewerbeverein, Förderverein, viele Ruhlaer sowie die zwei Ministerien für Landwirtschaft und Kommunales unterstützten das Projekt. Rund 115 000 Euro und 1500 Stunden gemeinnütziger Arbeit waren notwendig, um das technische Denkmal instandzusetzen und an seinen neuen Standort anzupassen. Der Verein steuerte nach eigenen Angaben allein 45 000 Euro bei.

Die Glockenschläge werden durch kleine, sanft klingende Schiffsglocken simuliert. Zeitanzeige mit Zifferblatt, Zeiger und Uhrenwerk mussten ergänzt werden. Alte Mechanik und moderne Funksteuerung ergänzen sich und machen das Uhrwerk noch präziser, wie Kamp sagte. dpa/nd

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