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Gegen Gewalt im Naturparadies

Frauen in Surinam setzten sich für Selbstbestimmung ein

  • Von Freddy Dutz, Paramaribo
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im tropischen Naturparadies Surinam bewegt sich etwas. Kirchen, Ministerien und Unternehmen ergreifen Partei in dem südamerikanischen Land. Zu lange sei man nachsichtig mit Männern gewesen, die ihre Frauen und Kinder schlagen, erklärt Margo Bean, Direktorin der Stiftung »Stop Geweld Tegen Vrouwen« (Stoppt Gewalt gegen Frauen). Doch nun gehe die Gesellschaft dagegen vor. Die Kooperation überspringt religiöse und ethnische Grenzen in Surinam, aus dem die Lieder und Texte für den diesjährigen christlichen Weltgebetstag der Frauen am 2. März kommen.

»Wir sind Anlaufpunkt für Frauen und Mütter, die aus dem Teufelskreis von Schlagen-Vergeben-Wieder-Schlagen herauswollen«, sagt Bean. »Und für Männer, die so erschreckt sind über die eigene Brutalität, dass sie lernen wollen, ihre Aggressionen anders auszuleben.« Mittlerweile schule die Organisation Lehrer und Polizisten, damit sie den richtigen Umgang mit Opfern und Tätern finden.

Häusliche Gewalt ist unter den 550 000 Einwohnern Surinams, von 1667 bis 1975 niederländische Kolonie, kein Arme-Leute-Problem und auch nicht auf bestimmte Glaubensgemeinschaften beschränkt. Obwohl langsam ein Umdenken einsetzt, ist die Realität oft schwierig. »Wenn junge Frauen vom Lande, egal welcher ethnischen Herkunft, in der Schule oder Ausbildung in der Stadt lernen, dass sie die Gewalt ihrer männlichen Verwandten oder Bekannten nicht erdulden müssen, gibt es in den Dörfern Ärger«, sagt Bean. »Viele bleiben dann in der Stadt, weil sie gleichberechtigt leben wollen.«

Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist für Frauen in Surinam oft schwer. Jedes fünfte Mädchen wird schwanger, bevor es 17 Jahre alt ist, und die Zahl der Teenagermütter steigt. Den Mädchen mangelt es an Aufklärung und vielfach an Selbstbewusstsein, wenn die Jungs allzu drängend werden. Der katholische Bischof Marinus Choennie beklagt, dass verantwortungsvolle männliche Rollenbilder fehlten: »Wir müssen die Familien unterstützen, vor allem die vielen ›vaterlosen‹ Kinder, die hier geboren werden.« Das fängt bei den Schulen an. Die Kirchen versuchen, die großen Lücken im staatlichen Bildungssystem zu füllen.

In der Herrnhuter Brüdergemeinde, der größten evangelischen Kirche in Surinam, engagieren sich Christinnen für die Gleichberechtigung. Viele Frauen hätten beruflich Erfolg, fänden nun aber keinen Partner, weil die Männer den Anschluss verpasst hätten, berichtet Muriel Held, Biologin und Koordinatorin eines kirchlichen Bildungsprojekts, das sich an beide Geschlechter wendet: »Wir müssen auch die Jungs mitnehmen.«

Viele junge Männer und Frauen finden trotz guter Ausbildung keine Arbeit und ziehen in die frühere Kolonialmacht Niederlande oder in die USA, wo jetzt schon 350 000 Surinamer leben. Von dort schicken viele Geld nach Hause - ohne die Überweisungen aus dem Ausland käme manche Familie kaum über die Runden.

Surinam ist hoch verschuldet. Der Abbau und Export des Aluminiumerzes Bauxit, lange eine der wichtigsten Einnahmequellen, geriet ins Stocken. 2016 schrumpfte die Wirtschaft um zehn Prozent. Neue Investoren fehlen. Der Staat zahlt seinen Bediensteten oft monatelang keine Löhne, während die Teuerungsrate immer noch etwa neun Prozent beträgt. Trotz der Wirtschaftsprobleme leben in Surinam Menschen mit amerikanischen, europäischen, afrikanischen und asiatischen Wurzeln im Frieden miteinander.

Große Hoffnungen setzt Surinam auf den Naturtourismus. Die Vielfalt der Flora und Fauna faszinierte vor 300 Jahren schon die Frankfurter Forscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian, die 1699 nach Surinam reiste, damals Niederländisch-Guyana. Die Ananas schmecke wie eine Mischung aus Aprikosen, Trauben, Äpfeln und Beeren, schrieb Merian. Auch heute wissen die Christinnen des Landes um die Bedeutung der Natur. »Gottes Schöpfung ist sehr gut!« setzten sie als Titel über die Liturgie für den Weltgebetstag. epd/nd

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