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Risikofaktor Wurststulle

Notfallpläne gegen Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest sollen in Grenzregionen geprobt werden

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Hauptübertragungsweg der Afrikanischen Schweinepest liegt laut dem geschäftsführenden Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt beim Menschen: weggeworfene Wurststullenreste oder verseuchte Tiertransporter seien die größte Gefahr, denn so kann die für Menschen ungefährliche Seuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken und rasch auch Deutschland treffen.

Deshalb setzt der CSU-Politiker auf Aufklärung: Mehrsprachige Informationstafeln an verstärkt und besser eingezäunten Autobahnraststätten sollen Reisende und LKW-Fahrer sensibilisieren, die Betreiber selbst werden aufgefordert, geschlossene Müllbehälter aufzustellen und diese häufiger zu entsorgen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßte die Maßnahmen, kritisierte aber, dass diese »leider noch nicht flächendeckend für die Bundes- und Landesstraßen« umgesetzt werden. Zudem fordert der DBV »risikobasierte Kontrollen auf Lebensmitteleinfuhren« an den Grenzkontrollstellen von Flughäfen, Bahnhöfen und Häfen sowie für Pkw-Reisende. Auch Schweinehalter sind aufgerufen, die bestehenden Hygienemaßnahmen besonders penibel zu berücksichtigen.

Schmidt hatte am Montag zu einer nationalen Präventionskonferenz eingeladen, Bund, Länder und Verbände wollen ihre Maßnahmen besser koordinieren. Sollte trotz aller Prävention die Afrikanische Schweinepest in Deutschland festgestellt werden, sei ein unverzügliches und koordiniertes Eingreifen zur Vermeidung einer Weiterverschleppung notwendig. Unter anderem sind in den kommenden Tagen Übungen mit Polen und den angrenzenden Bundesländern geplant, bei denen Notfallpläne für den Fall eines Ausbruchs durchgespielt werden sollen. »Beim ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Wildbestand muss dieses Gebiet sofort abgeschottet werden können«, sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU).

Zwar stellt der Mensch das größte Risiko dar, für Wildschweine brechen jedoch ungemütliche Zeiten an. Bereits vergangene Woche hatte das Kabinett beschlossen, die Schonzeit auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Schwarzwild hat sich in den vergangenen Jahren besonders wegen der vielen Maismonokulturen ausgebreitet und bereitet den Landwirten auch jetzt schon hohe finanzielle Schäden.

Um den Abschuss zu erleichtern, sollen Landwirte zudem sogenannte Bejagungsschneisen im Mais anlegen, forderte der DBV gemeinsam mit dem Jagdverband. Einige Bundesländer haben diese Maßnahme laut DBV bereits erfolgreich umgesetzt. Die Verbände fordern zudem eine Aufhebung der Jagdverbote in Naturschutzgebieten. Um den Anreiz zu erhöhen, wurden die Prämien für Jäger erhöht, gleichzeitig jedoch fällt der Preis für Wildscheinfleisch. Das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Löffler-Institut sieht darin jedoch nur »flankierende Maßnahmen«. Entscheidender seien Informationskampagnen und etwa Maßnahmen an Rastplätzen.

Doch es geht in erster Linie um mögliche Verluste der Schweinehalter. Wenn infizierte Wildschweine auftauchen, drohen empfindliche Handelsbeschränkungen. »Ein Ausbruch hätte erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen«, sagte Schmidt am Montag. Auch der Bauernverband warnte, im Falle eines Ausbruchs sei die deutsche Schweinewirtschaft neben einem »dramatischen Preisverfall« in Milliardenhöhe in hohem Maße von Exportbeschränkungen und Vermarktungsschwierigkeiten betroffen.

Um den wirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten, will Schmidt innerhalb der EU für eine gezielte Regulationsstrategie werben. Damit soll verhindert werden, dass der Marktzugang für ganze Mitgliedstaaten gesperrt wird, sondern Exportbeschränkungen nur für regional betroffene Krisengebiete gelten. Darüber sei sein Ministerium in Gesprächen mit einzelnen Importländern. Allein nach China exportierten die EU-Länder 2016 rund 1,86 Millionen Tonnen Schweinefleisch, rund eine Million davon kam aus Deutschland.

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