Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Aufs falsche Pferd gesetzt

In Fürstenwalde ist Bürgermeister Hengst abgewählt, in Rathenow geht Daniel Golze (LINKE) in der Stichwahl

  • Von Andreas Fritsche und Sybille Gurack
  • Lesedauer: 4 Min.

Brandenburg/Havel war nach der Wende lange eine Hochburg der SPD. Doch an der Spitze der Stadtverwaltung steht weiterhin die CDU. Nachdem Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) im vergangenen Jahr in den Bundestag gewechselt war, hatte ihr Stellvertreter Steffen Scheller (CDU) den Posten übernommen. Auch im Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag bleibt es dabei.

Scheller gewann die Wahl mit 66,6 Prozent der Stimmen. Der parteilose Konkurrent Jan van Lessen - gemeinsam von SPD, LINKE und Grüne ins Rennen geschickt - kam nur auf 33,4 Prozent. Weitere Kandidaten hatte es nicht gegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 40,4 Prozent.

Ein überraschendes Ergebnis hatte am Sonntag die Bürgermeisterwahl in Fürstenwalde (Oder-Spree). Matthias Rudolph, nominiert vom Bündnis Fürstenwalder Zukunft und von den Freien Wählern, konnte sich mit 52,2 Prozent der Stimmen gleich in der ersten Wahlrunde durchsetzen. Der 41-Jährige besiegte damit den parteilosen Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst. Dieser kam nur auf 34,5 Prozent, obwohl doch SPD, LINKE, FDP und sogar auch noch die AfD dazu aufgerufen hatten, Hengst zu wählen. Die LINKE hatte ein galoppierendes schwarzes Pferd mit dem Slogan »Einen Hengst für Fürstenwalde« plakatiert. Die Partei setzte aber offensichtlich auf das falsche Pferd. Die dritte Kandidatin, Karin Lehmann (CDU), kam nur auf 13,3 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,8 Prozent.

In Rathenow (Havelland) ist noch nicht über den künftigen Bürgermeister entschieden. Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) erhielt am Sonntag 38,2 Prozent. Er muss am 11. März in die Stichwahl gegen Daniel Golze (LINKE), der 28,3 Prozent erzielte. Daniel Golze ist verheiratet mit Sozialministerin Diana Golze (LINKE). Er sei »sehr stolz« auf sein Ergebnis, sagte Daniel Golze. Er dankte den Wählern für den »Vertrauensvorschuss« und erinnerte, vor einem Jahr habe die LINKE von einer Stichwahl in Rathenow nur geträumt. »Jetzt haben wir 900 Stimmen Abstand. Und da geht noch was.« Schließlich würden die Karten vor der Stichwahl neu gemischt. »Die Zeichen stehen auf Veränderung, wenn diejenigen, die Veränderung wollen, diese Chance nutzen«, meinte Daniel Golze.

Thomas Baumgardt (SPD) schied in Rathenow mit 17,8 Prozent genauso aus wie die beiden Einzelbewerber Christian Kaiser (8,4 Prozent) und Ulf Michaelis (7,3 Prozent). Kaiser gehörte zu den Gründern des asylfeindlichen Bürgerbündnisses Havelland, auf dessen Demonstrationen in Rathenow Neonazis zu sehen und ausländerfeindliche Sprüche zu hören waren. Die Wahlbeteiligung in der Stadt lag bei 46,7 Prozent.

In der havelländischen Gemeinde Wustermark erzielte Tobias Bank (LINKE) zwar mit 25,9 Prozent das zweitbeste Ergebnis hinter dem von der SPD unterstützten Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos). Da Schreiber allerdings 52 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, also die absolute Mehrheit erreichte, kommt es in Wustermark zu keiner Stichwahl. Schreiber bleibt Bürgermeister. Die vier anderen Kandidaten landeten abgeschlagen: Oliver Kreuels (CDU) bekam zehn Prozent, die von den Grünen nominierte Katja Schönitz (parteilos) erhielt sieben Prozent, und die Einzelbewerber Roland Mende und Alexander Groh kamen auf 2,3 beziehungsweise 2,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung in Wustermark betrug 52,2 Prozent.

Knapp an der Stichwahl vorbeigeschrammt ist Sven Kindervater (LINKE) in der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin (Märkisch-Oderland). Mit 17,1 Prozent belegte er nur Platz drei hinter Ansgar Scharnke (Die Parteilosen), der mit 44,6 Prozent weit vorn lag, und Janina Meyer-Klepsch (SPD), die sich mit ihren 19,3 Prozent noch in Reichweite von Kindervater bewegte. Datum der Stichwahl zwischen Scharnke und Meyer-Klepsch ist der 18. März. Ausgeschieden sind neben Kindervater auch die CDU-Kandidatin Corinna Fritzsche-Schnick (13,9 Prozent), Robert Schulze von der Wählergemeinschaft Feuerwehr (4,1 Prozent) und Bert Kellermann (1,0 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 58,3 Prozent.

Ebenfalls auf Platz drei landete Stephan Schwabe (LINKE) mit 13,8 Prozent bei der Wahl in der Gemeinde Petershagen/Eggersdorf (Märkisch-Oderland). Er hatte allerdings einen deutlichen Abstand auf die beiden Bestplatzierten, den FDP-Mann Marco Rutter (27,9 Prozent) und die Einzelbewerberin Monika Hauser (22,9 Prozent). Die Entscheidung zwischen diesen beiden fällt bei der Stichwahl am 18. März. Ausgeschieden sind neben Schwabe auch Maik Berendt (CDU, 10,9 Prozent), Ronny Kelm (SPD, 10,6 Prozent), René Trocha (Grüne, 4,3 Prozent) und Einzelbewerber Michael Kuschel (9,5 Prozent). Die Wahlbeteiligung betrug 54,9 Prozent.

In der Stadt Strausberg (Märkisch-Oderland) hatte die LINKE erst gar keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) liegt mit 41,2 Prozent der Stimmen vorn. Bei der Stichwahl am 11. März bekommt sie es mit der Einzelbewerberin Birgit Bärmann (25,7 Prozent) zu tun. Eine Analyse der Sozialisten zur Bürgermeisterwahl in Strausberg hatte ergeben, dass Birgit Bärmann die Kandidatin ist, deren Ansichten am besten zu den Anschauungen der Linkspartei passen. Ausgeschieden sind Stephan Blumenthal (CDU, 14,9 Prozent), Patrick Hübner (parteilos, 13,1 Prozent) und Thomas Frenzel (FDP, 5,1 Prozent). Die Wahlbeteiligung in Strausberg betrug 47,1 Prozent.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln