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Island diskutiert Beschneidungsverbot

Das skandinavische Land könnte das erste Land Europas werden, in dem religiös begründete Zirkumzisionen von Jungen verboten werden

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der umstrittene Vorschlag kommt nicht einmal von einer Rechtsaußenpartei, sondern von Links und aus der Mitte. Island könnte das erste Land Europas werden, in dem die Zirkumzision, die Beschneidung von Jungen aus nicht medizinischen Gründen verboten und mit Haftstrafen von bis zu sechs Jahren geahndet wird. Das ist die gleiche Haftstrafe, die in Island bereits für die Genitalverstümmelung von Mädchen gilt.

Neun Abgeordnete aus einem breiten Spektrum der Parlamentsparteien haben einen entsprechenden Gesetzentwurf angestoßen. Darunter Mitglieder der regierenden Linksgrünen und der mitregierenden rechtsliberalen Fortschrittspartei. Aus der Opposition haben zudem Mitglieder der auf Island starken Piratenpartei und der Volkspartei den Entwurf unterzeichnet. Sie argumentieren mit dem Recht des Kindes auf Unversehrtheit. Trotz seiner uralten Tradition verstoße die Beschneidung von Jungen gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Dabei wird auch eine Parallele zur in den meisten europäischen Ländern verbotenen genitalen Verstümmelung von Mädchen gezogen.

Es wird auch argumentiert, dass Beschneidungen von Jungen oft ohne Betäubung durchgeführt werden und «in einer Umgebung, die nicht steril ist, und nicht von Ärzten, sondern religiösen Führern. »Unter solchen Umständen besteht ein hohes Infektionsrisiko, das zum Tod führen kann«, heißt es unter anderem. Auch wenn Eltern das Recht haben, ihre Kinder religiös zu leiten, dürfe dieses Recht nicht vor der Unversehrtheit des Kindes stehen. Das Verbot soll solange gelten, bis die Jungen alt genug sind, um selbst die Konsequenzen einer Beschneidung beurteilen zu können.

Laut dem öffentlich-rechtlichen isländischen Fernsehen RUV haben inzwischen über 400 isländische Ärzte eine Petition unterschrieben, die das Verbot unterstützt. Die Ärzte beziehen sich auf einen Artikel der American Academy of Pediatrics von 2013, der die Erkenntnisse mehrerer wissenschaftlicher Studien zusammenfasst. Er kommt zum Schluss, dass Beschneidungen in westlichen Ländern keine signifikanten Gesundheitsvorteile haben, Schmerzen verursacht und zu langfristigen Komplikationen führen können. Zwar gebe es Theorien, nach denen die Beschneidung etwa die Ansteckung mit Krankheiten wie HIV/AIDS erschwere, aber die seien zu schwach belegt, heißt es im Artikel. Der Eingriff sei in den meisten Fällen medizinisch unnötig.

Der nun im Parlament debattierte Gesetzentwurf stößt auf heftige Kritik bei jüdischen und muslimischen Gemeinden in ganz Europa. »Die Beschneidung ist ein wesentlicher Teil jüdischen Lebens, und keine Instanz in der Welt kann Juden verbieten, sie auszuführen«, heißt es von der Europäischen Rabbinerkonferenz laut dem israelischen Nachrichtenportal Ynetnews. Rabbiner aus den anderen nordischen Ländern befürchten, dass das Verbot, sollte es durchkommen, andere Länder dazu bringen könnte, ähnliche Gesetze zu erlassen. Ähnliche Kritik kommt von muslimischen Gemeinden. Auch die isländische Landesbischöfin Agnes Sigurðardóttir sprach sich deutlich dagegen aus.

Erstaunlich ist, dass ausgerechnet in Island ein solches Gesetz so breit unterstützt wird. In dem Land mit nur 336.000 Einwohnern leben laut Schätzungen nur rund 250 Juden und 1500 Muslime. Die Hauptinitiatorin des Gesetzesentwurfs, Silja Dögg Gunnarsdóttir von der mitregierenden Fortschrittspartei, versteht die Aufregung nur bedingt. »Wir haben seit 2005 ein Verbot für die Beschneidung von Mädchen. Warum sollten wir nicht auch eins für Jungen haben?« Die Rechte von Kindern kämen vor dem Recht auf Religionsfreiheit.

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