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»Die Vögel« greifen an

Wolfgang Rumpf inszenierte den Thriller mit gefährlichen Flugwesen fürs Kriminaltheater

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Der Schrecken ist jedes Mal gegenwärtig. Die künstlerische Arbeit jedoch unterscheidet sich augenfällig. In der ursprünglichen Kurzgeschichte »Die Vögel« von 1952 konzen-trierte sich die Schriftstellerin Daphne du Maurier beim unerklärlichen Angriff gefiederter Wesen auf das Schicksal der Familie des Landarbeiters Nat Hocken. Es heißt, sie hätte sich beim Beschreiben des Vogelkrieges an die Attacken deutscher Bomber auf England erinnert.

Alfred Hitchcock erschuf 1963 mit der Verfilmung der Story den Klassiker des Horrorfilms, für den er neue Personenkonstellationen erfand. Er hatte von der Autorin bereits »Rebecca« nach dem gleichnamigen Roman verfilmt, was beiden großen Erfolg brachte. Der erst 1971 geborene irische Dramatiker Conor McPherson schrieb schließlich eine »Vögel«-Bühnenfassung mit neuen Zusammenhängen, der nun Regisseur Wolfgang Rumpf im Kriminaltheater mit eigenen Intentionen folgt.

Er belässt es auch nicht bei der Frage, warum sich Vögel plötzlich Menschen als Opfer herauspicken. In seiner Inszenierung gibt es die mögliche Antwort, dass es die Rache dafür sei, wie verbrecherisch rücksichtslos der Mensch mit der Natur umgeht, weil er vergaß, dass er dazugehört. Vor allem interessiert Rumpf das Verhalten von aufeinander Angewiesenen angesichts tödlicher Gefahr. Entsetzen entsteht in seiner Inszenierung nicht durch Effekte, sondern durch Verhalten. Er konzentriert sich auf drei Leute, die zu allem Überfluss ihre Probleme mitbringen. Tierney, ein Nachbar, der längst seine Familie verloren hat, taucht als Vierter nur kurz auf.

Alles spielt sich in einer einfachen Hütte an der englischen Küste ab. Hier sucht die Schriftstellerin Diane Schutz vor den Gefiederten, die auf sie losgingen. Nun macht Diane, was sie am besten kann: Sie schreibt, dokumentiert die Ereignisse. Zaghafte Vorstöße der gefiederten Feinde sind längst vorbei. Sie sammeln sich regelmäßig, greifen bei Flut an. Dazwischen herrscht gespenstische Stille.

Gerade hörte Diane eine Talkrunde von Spezialisten im Radio, in der es um Ursachen der gefährlichen Situation und nationalen Notstand geht, da rettet sich der unter Schock stehende, verletzte Nat zu ihr unters Dach. Später taucht die etwas flatterhaft scheinende junge Julia auf. Eine Dreierkonstellation unter ex-tremen Bedingungen, unter denen aus Unterkünften bereits Getöteter in angriffsfreien Stunden, Lebensmittel herangeschafft werden müssen. Das bringt Komplikationen mit grausamen Folgen. Alle Beteiligten sind nervlich kurz vorm Durchknallen.

Bei der Premiere gab es dennoch vom Publikum als komisch empfundene Momente. Etwa, wenn im Stück dazu aufgefordert wird, etwas Aufmunterndes aus der Bibel vorzulesen. Oder bei der Regelung, sich doch bitte vor der Hütte und nicht drin die Zigarette anzuzünden. Rauchen kann tödlich sein. Schwarzer Humor. Rumpf besitzt Hintersinn.

Man sieht die Enge, riecht das Holz der Hütte. Ausstatter Manfred Bitterlich fand eine geschickte Lösung, den Raum einzugrenzen, ohne die Bühne zu verbauen. Was man für den Alltag braucht, schaffte er mit Unterstützung des Technikchefs Sven Seemann heran - bis hin zu fließendem Wasser. Kein Bühnenbildwechsel im Kammerspiel. Rumpf taucht - den Verlauf so mehrfach unterbrechend - die Bühne ins Dunkel. Dann wird von den Schauspielern auch umgeräumt. Mitunter wirkt das störend, könnte nebenbei im Licht geschehen.

Susanne Meyer, die schon in zwei Stücken an der Friedrichshainer Bühne mitwirkt, spielt Diane. Sie meistert die der Rolle zugeschriebene Hysterie wie die Beherrschtheit, die mit tragischer Folge in Hass umschlägt. Der schon länger hier engagierte Mario Krüger musste sich bei der Premiere in der kurzen Rolle als Nachbar Tierney beweisen. Kein Problem für ihn. Ihr überzeugendes Debüt am Kriminaltheater gaben Claudia Rippe und Jean Maesér, sie als Julia, er als Nat. Beide passen gut ins Ensemble.

Nächste Vorstellung am 28. Februar im Berliner Kriminaltheater, Palisadenstraße 48, Friedrichshain.

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