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Wenn Trump recht hätte, würde er erschossen

Anmerkungen zur irren Logik des US-Präsidenten zu Waffen an Schulen

  • Von Roberto J. De Lapuente
  • Lesedauer: 4 Min.

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Gleich nach dem Amoklauf an einer Schule in Florida behaupteten viele Menschen: Das hat Donald Trump verbockt. Er habe schließlich jenes Gesetz aufgehoben, das noch Barack Obama in die Wege leitete. Nach dieser Regelung durften psychisch Erkrankte keine Waffen erstehen und besitzen. Nun kann man ja Trump alles nachsagen, aber die Rücknahme dieses Passus war sicher kein Aspekt des Massakers. Denn nach jedem dieser traurigen Ereignisse befragt man die Bekannten und Nachbarn des Amokläufers. Und meist hört man folgende Sätze so oder ähnlich: »Der war eigentlich ganz normal, ein netter Kerl – wenn wir das geahnt hätten!« Selten hat einer einem Reporter gesteckt, dass der doch psychisch krank gewesen sei - alle haben es doch gewusst, »he was an insane prick«.

Vorher weiß man doch äußerst selten, ob da jemand psychisch darbt oder nicht. Erst wenn es zu spät ist, merkt man das. Es bringt also überhaupt nichts, den Waffenbesitz für psychisch Erkrankte einzuschränken. Und wie handhabt man das dann eigentlich mit Lehrern, die ab und an mal einen Termin beim Psychologen haben? Immerhin will der US-Präsident ja die Lehrerschaft aufrüsten – damit Schulmassaker verhindert werden können, versteht sich. Nur das sei nämlich eine adäquate Maßnahme dagegen. Waffenmissbrauch könne nur durch Waffengebrauch unterbunden werden.

Mit der gleichen Logik müsste nun jedes besorgte Elternteil seinen Spross mit einer Waffe in die Schule schicken. Checks and Balances halt. Jemand muss schließlich auch die Lehrer in Schach halten. Als Angestellter in der Mensa kann man da dann auch nicht mehr zurückstehen: Wenn Schüler und Lehrer sich belauern, sollte man sich auch als Küchenfee einen Holster um die Hüfte wickeln. Ebenfalls die Fahrer von Schulbussen. Und natürlich alle Autofahrer, die sich die Straße mit solchen Schulbusfahrern teilen müssen. Jeder Walmart-Angestellte und jede Tankstellen-Aushilfe sollte freilich nachziehen. Ehefrauen brauchen eine Waffe, wenn ihr Gatte eine hat. Und Priester dürften nie ohne in den Beichtstuhl. Hochrüstung als Sicherheitsfaktor: Kalter Krieg nannte man das mal an anderer Stelle.

Unter Republikanern ist diese verquere Ansicht Usus. Ben Carson, der heutige Wohnungsbauminister aus Trumps Stab (der vormals als republikanischer Kandidat für die Präsidentschaft scheiterte), legte einmal dar, dass der Holocaust nur ein Produkt strenger Waffenkontrollgesetze gewesen sei. Hätten die deutschen Juden ihre Häscher mit einer Flinte in Empfang nehmen können, wäre dieses Kapitel der Geschichte nie aufgeschlagen worden. Trump selbst argumentierte im letzten Oktober ähnlich, als ein Mann in Las Vegas von einem Fenster aus in die Zuschauermenge eines Konzertes schoss. Hätten die alle Pistolen dabei gehabt, hätten sie unkontrolliert und wild ins Dunkle ballern können und mit einem Quäntchen Dusel den Täter im 32. Stockwerk erwischt.

Bewaffnung ist für die Waffennarren ein Menschenrecht, weil es Selbstverteidigung gewährleistet. Besonders oft vernimmt man von den Befürwortern unkontrollierten Waffenbesitzes ja, dass der auch eine Kontrollmaßnahme gegen die eigene Regierung sei. Denn jeder Amerikaner habe das Recht, sich gegen tyrannische Maßnahmen seiner Regierung zu wehren. Dieses Argument kommt tatsächlich recht häufig bei dem Teil der Befürworter zur Sprache, der sich eher philosophisch wahrnimmt und schon mal ein bisschen was von John Locke und Widerstandsrechten gelesen hat. Eine Regierung, die aus dem Ruder läuft und einem tyrannisch kommt, gegen die muss man doch was in der Hand haben. Am besten ein Schnellschussgewehr. So kontrolliert man Auswüchse. Das Widerstandsrecht gehört in einen Halfter.

Genau an der Stelle wird deutlich, dass alle Rechtfertigungen platte Rabulistik sind. Eine tyrannische Regierung kontrollieren? Eine etwa, die rassistisch auftritt, elitäre Steuerbegünstigungen durchboxt, emanzipative Rechte auflöst, hetzt und verunglimpft, die USA in der Welt isoliert, voller Lobbyisten steckt, Vorurteile nährt und Privatisierungen begünstigt? Aber genau eine solche Regierung ist doch noch immer da. Trotz Millionen von Schusswaffen, die in den Vereinigten Staaten im Umlauf sind. Hätte Trump recht und Waffen würden Kontrolle garantieren, dann wäre er gar nicht mehr da, um recht haben zu können.

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