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Wachsende Ungleichheit

Berlin boomt, doch die Armut wächst - der Sozialbericht erläutert den Zusammenhang

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Die Ergebnisse des Sozialberichts verwundern nicht, sie bestätigen vielmehr die Begleiterscheinungen einer wachsenden Metropole. Auf der einen Seite gibt es viele Bezirke, in denen deutlich weniger Menschen auf eine Mindestsicherung angewiesen sind. Besonders in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow sanken die Zahlen. Auf der anderen Seite steigt die relative Armut in Berlin rapide an. Wie passt das zusammen?

Susanne Gerull, Professorin an der Alice Salomon Hochschule und Mitglied der Landesarmutskonferenz, konstatiert bei der Vorstellung regionalen Sozialberichts am Mittwoch, dass die Bevölkerung in Berlin zunehmend ungleicher werde. Es gebe Bezirke, in denen sich die Bevölkerung zunehmend austausche, Wohlhabende zögen dorthin, während Ärmere weichen müssten.

Insgesamt wachsen die Einkommensunterschiede in der Stadt. So stieg die relative Armut - Sozialwissenschaftler sprechen von einer Gefährdung, wenn einer Person weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung steht - im Jahr 2016 auf einen Anteil von 16,6 Prozent der Bevölkerung. In Brandenburg ist die Armutsgefährdungsquote im Vergleich niedriger, sie liegt bei 13,4 Prozent.

Insbesondere Kinder sind die Leidtragenden dieser Entwicklung. Beinahe jedes vierte Kind wächst in Berlin in relativer Armut auf (22,7 Prozent). Auch ältere Menschen sind zunehmend gefährdet, 10,2 Prozent der über 65-Jährigen sind davon mittlerweile betroffen. Ebenso Alleinerziehende, beinahe jede dritte war 2016 armutsgefährdet (30,3 Prozent) sowie Eltern mit drei oder mehr Kindern (30,9 Prozent).

Gerade diese Zahlen offenbaren einen Zusammenhang zwischen Arbeit und Armut. Wer nämlich in Teilzeit arbeitet - was bei Eltern mit Kindern oft der Fall ist -, ist deutlich häufiger armutsgefährdet. Ihr Anteil stieg 2016 in Berlin auf 17,8 Prozent an.

Gerull betont die Bedeutung von solchen detaillierten Untersuchungen, die auf den Daten des Mikrozensus basieren, um einen ganzheitlichen Blick auf die Armut und die soziale Benachteiligung zu bekommen. Solche Erhebungen seien die Grundlage dafür, um Armut effektiv bekämpfen zu können, erläutert die Sozialwissenschaftlerin.

Ein weiteres offensichtliches Problem in Berlin sind die stetig steigenden Mieten. Immer mehr Menschen müssen bereits mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Berlinweit waren es 2016 insgesamt 14,5 Prozent. Weinig verwunderlich: Der Anteil der Armutsgefährdeten ist hierbei besonders hoch. Beinahe jede zweite armutsbedrohte Person muss mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben (46,2 Prozent). Dabei sind die Mieten bei Empfängern von Arbeitslosengeld II bereits durch die Angemessenheitsprüfung der Jobcenter gedeckelt.

In Brandenburg ist der Anstieg der Mieten im Vergleich zu Berlin etwas geringer. 38,5 Prozent der Armutsgefährdeten mussten in dem Flächenland mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für ihre Wohnung aufbringen. Entspannt ist die Situation dort auch nicht.

Die Sozialwissenschaftlerin Gerull konstatiert folglich, dass die Armutsbekämpfung in Berlin und Brandenburg bislang kaum Erfolge vorzuweisen habe. Im bundesweiten Vergleich stagniere die Hauptstadt seit Jahren auf dem viertletzten Platz, sagt sie. Natürlich seien die steigenden Mieten problematisch, weil dadurch der Bevölkerungsaustausch fortschreite. Auch griffen Maßnahmen nicht, um Alleinerziehende in den Job zu bringen. »Zu oft passen die Arbeitszeiten nicht zu den Öffnungszeiten der Kita«, gibt sie zu bedenken. Ebenso verpufften Vorkehrungen gegen Kinderarmut. »Wenn ein steigendes Kindergeld mit dem Arbeitslosengeld II verrechnet wird, kommt es bei den Betroffenen nicht an.« Wirkungslos seien auch die Konzepte zur Bekämpfung der Altersarmut. Gerulls Fazit fällt denkbar schlecht aus.

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