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Bald nur einstellig?

Tagungsnotizen

  • Von Arthur Struthahn, New York
  • Lesedauer: 2 Min.

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»Die Sozialdemokraten kommen bald nur noch auf einstellige Wahlergebnisse«, sagte Leo Panitch, kanadischer Professor für Politikwissenschaft, zu Beginn einer zweitägigen Konferenz in New York. Da sie nicht mehr die Interessen ihrer Wähler vertreten würden, sei die Stunde der rechten Populisten gekommen. Neben politischer Klarsicht helfe auch historisches Wissen über die Arbeiterbewegung, solchen Desorientierungen zu begegnen.

Am 23. und 24. Februar stellte sich das Promotionskolleg der Rosa-Luxemburg-Stiftung an der New School for Social Research und in den Räumen des Stiftungsbüros mit einer gut besuchten Veranstaltung einem zumeist amerikanischen Publikum vor. Das Kolleg vereint unter dem Thema »Jenseits von Sozialdemokratie und Parteikommunismus« vier Doktoranden, darunter zwei Frauen, und einen Habilitanden. Ihre akademischen Qualifikationsarbeiten gelten linken Parteien und Organisationen, die außerhalb der etablierten Großorganisationen der Arbeiterbewegung in Deutschland und darüber hinaus wirkten.

Das von den Professoren Stefan Berger (Ruhr-Universität Bochum) und Mario Kessler (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) geleitete Kolleg nahm seine Arbeit im Jahre 2015 auf. Nach drei Tagungen in Bochum bzw. Potsdam war es an der Zeit, die in der Endphase befindlichen Dissertationen nun international zu präsentieren.

Julia Ehms und Richard Stoenescu forschen zu anarchistischen Bewegungen in Deutschland bzw. in den USA vor dem Zweiten Weltkrieg, Sarah Langwald schreibt über Proteste gegen staatliche Repression und Überwachung vor 1968, und David Bebnowskis Thema ist die Rolle der Zeitschriften »Prokla« und »Das Argument«, zwei Schlüsselpublikationen der Westberliner Studentenbewegung. Das Habilitationsprojekt von Ralf Hoffrogge wiederum untersucht Krisendeutungen und Krisenpolitik deutscher und britischer Gewerkschaften seit 1929.

Die übergreifende Bedeutung aller Themen liegt, so Stefan Berger, erstens in der Suche nach einer politischen Traditionslinie für die Partei DIE LINKE nach dem Zerfall des Staatssozialismus, zweitens im Bestreben, vergessenen, verkannten und verleumdeten Akteuren der Arbeiterbewegung historische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und drittens in der Frage, was aus diesen Traditionen und historischen Erfahrungen heute noch für die Linke in all ihren Spielarten brauchbar ist.

Nach fast drei Jahrzehnten der Marginalisierung der Arbeitergeschichte nimmt, wie auch diese Tagung zeigte, das Interesse an der Arbeiterbewegung als einer politischen, sozialen und geistig-kulturellen Kraft in Geschichte und Gegenwart in den USA wieder zu. Wann wird man dies für die Bundesrepublik Deutschland sagen können?

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