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Verlieben

Paula Irmschler über romantische, abgedroschene Zwei-Personen-Liebe und was die mit Esoterik zu tun hat

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Letzte Woche haben sich einige Linke über einen Text von Hengameh Yaghoobifarah, namens »Mein Horoskop ist wichtiger als Deutschland« aus dem »Missy Magazine«, echauffiert. Zu Recht, denn er handelt vom progressiven Potenzial von Astrologie und das kann man nur kritisch beäugen. Schließlich will man im Dienste der Aufklärung gegen Ideologien angehen. Linkssein muss bedeuten, Esoterik und Spiritualität zu bekämpfen, wenn sie institutionalisiert oder als Form von Wahrheit ins Spiel gebracht wird. Klar, vollkommen einleuchtend, wichtige Strategie, gute Diskussion, Adorno.

Am vergangenen Wochenende jedoch unterhielt ich mich mit Freunden, die auch total links sind, und wir redeten über Liebe, konkret die romantische, abgedroschene Zwei-Personen-Liebe, bekannt aus Filmen, Songs und Serien. Heißt: Jemand ist in jemanden verschossen, dreht total ab, denkt an nichts anderes als an diesen einen Menschen, imaginiert Zukunftswahnsinn, isst nichts mehr, flattert durch die Gegend, schmeißt sich zwölf Kaffee am Tag rein und raucht wie ein Schlot. Wenn es gut läuft! Wir sagten allerlei Unfug zueinander, wie: »Hör auf dein Herz, lass es zu, es wird sich schon fügen, wenn es sein soll, wird es klappen.« Ja, sind wir denn vollkommen bescheuert? Aber ja! Der Glaube an diese Form von Liebe ist der Glaube, den sich auch wir sonst so vermeintlich rational Agierenden allzu gern gönnen. Selbstverständlich wissen wir es besser.

Nun kann man sagen, das alles sei ja nicht zu vergleichen mit Esoterik und Spiritualität, denn wir Liebesirren fordern nichts und niemand leidet unter uns. Na, aber sicher doch. Wer sich schon mal dabei erwischt hat, besoffen vor Wut auf Mülltonnen einzutreten, das Handy in die Ferne zu schmeißen und dann wieder heulend zusammenzusetzen, »Wicked Game« in Dauerschleife zu hören, wirklich jedem davon zu erzählen, was die auserkorene Person gerade geschrieben oder mal wieder nicht geschrieben hat, oder Kolumnen über pubertäre Themen wie »Verlieben« zu schreiben, weiß, dass der Schaden für alle Beteiligten und Unbeteiligten immens ist.

Wahr und sinnvoll wäre doch, in einem solchen Fall der verliebten Person zu sagen: »Beruhige dich. Das, was gerade mit dir abgeht, hat mit Dopamin, Testosteron, Oxytocin, dem Mangel an Serotonin, sonstigem neurobiologischen Scheiß und den drei Moscow Mule, die du dir gerade einverleibt hast, zu tun. Fokussiere dich lieber auf dein Leben, auf dich und was du magst, auf deine Freunde und Sport, begreife, dass deine Sehnsucht vermutlich projektiv ist, beende das Suchtverhalten, denn es ist falsch.« Stattdessen beschwören wir Magie, Chemie, Kribbeln und Telepathie. Dass wir an nichts glauben, stimmt also schlichtweg nicht. Aber ich muss jetzt an dieser Stelle leider aufhören, denn er schreibt mir gerade.

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