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»Pegida des Westens«

Nach dem Tod einer 15-Jährigen im südpfälzischen Kandel versucht sich die rechte Szene dort festzusetzen

  • Von Niklas Noack
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Das sind sächsische Verhältnisse«, stellt eine junge Frau der Gegendemonstration fest, die ihren Blick auf die Menschenmassen ihr gegenüber richtet. Ein Verkehrskreisel und Polizisten trennen die 400 Protestierer von 4000 Menschen, die mit Deutschlandflaggen und teilweise in Farben des alten deutschen Kaiserreichs gegen Merkels Flüchtlingspolitik demonstrieren.

Auslöser der Demonstration war der Tod eines 15-jährigen Mädchens, das am 27. Dezember 2017 von einem afghanischen Geflüchteten in einem Drogeriemarkt erstochen wurde. Neben einigen kleineren Kundgebungen ist die Demonstration bereits der dritte rechte Aufmarsch seit der Gewalttat.

Die Demonstranten kommen aus ganz Deutschland und die Organisatoren der Proteste sind keine Unbekannten. Der Aufmarsch am Samstag wurde durch das AfD-nahe Bündnis »Kandel ist überall« und dem »Kandeler Frauenbündnis« angemeldet. Hinter Letzterem soll die stellvertretende Landesvorsitzende der AfD in Baden-Württemberg, Christina Baum, und als Hauptinitiator der aus Mannheim stammende Marco Kurz stehen, der für seine Kontakte in die rechte Szene bekannt ist. 2017 besuchte er die Thügida, die man als rechten Ableger der Pegida-Bewegung bezeichnen kann. Kurz war auch der Verantwortliche für eine Demonstration Ende Januar in Kandel, bei der 1500 Rechte im Namen des »Kandeler Frauenbündnis« auf die Straße gingen. Darunter waren auch 200 gewaltbereite Hooligans.

Die ersten Proteste in der südpfälzischen Kleinstadt unweit von Karlsruhe begannen bereits am zweiten Januar, mit einem sogenannten Schweigemarsch, bei dem 400 Demonstranten mitliefen. Die Route dieses Marschs führte am Ort der Gewalttat vorbei. Dort angekommen kam es zu kleineren Rangeleien mit einigen wenigen Kandler Bürgern, die der Verstorbenen gedachten und den Rechten bunte Regenschirme als Zeichen des Protests entgegenhielten. Diese reagierten mit Beschimpfungen und Drohungen. Als sie abzogen, waren »Merkel-Raus«-Chöre und das Singen des Deutschlandlieds zu hören.

Die Entwicklung von rechten Strukturen im Raum Karlsruhe beobachtet der Kreisvorstand der Karlsruher Grünen, Peter Ballhausen, schon länger. Er spricht von starken rechten Netzwerken in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg: »Die haben nur darauf gewartet, um solch ein Geschehnis wie in Kandel auszunutzen.« Von sächsischen Verhältnissen will er nicht sprechen: »Es ist keine Volksbewegung«, so Ballhausen.

Der linke Aktivist Kim Schmitt widerspricht ihm: »Es sind die gleichen Leute wie bei Pegida. Es wird bundesweit mobilisiert: Bei der Frauendemonstration in Berlin rief Lutz Bachmann dazu auf, nach Kandel zu reisen.« Schmitt warnt vor einer Etablierung einer »Pegida des Westens«. Er stellt fest, dass die Bewegung nicht nur aus der Umgebung und dem Südwesten Deutschlands kommt, sondern bundesweit agiert. Dafür sprechen deutschlandweite Aufrufe und Verabredungen von Mitfahrgelegenheiten in den Sozialen Netzwerken, so Schmitt.

Der Ausdruck »Pegida des Westens« ist dem Vertreter des Bündnisses »Karlsruhe gegen Rechts« Jakob Wolfrum noch zu viel. Seiner Meinung nach ist es nicht abzusehen, ob sich die Bewegung etabliert, die Gefahr sieht er allerdings auch: »Es kommt jetzt drauf an, wie die emanzipatorische Zivilgesellschaft reagiert.«

Auch die Rechte selbst sieht das Potenzial in der Größe der Demonstration. Eine Rednerin am Samstag spricht vom »Durchbruch im Westen«. Kurz, der Organisator des »Kandeler Frauenbündnis«, hat jedenfalls für den siebten April den nächsten rechten Aufmarsch im südpfälzischen Kandel geplant.

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