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Ohne Zuwanderung keine Mark

Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte gestaltete eine Online-Ausstellung zur Integration

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Integrationsbeauftragte Doris Lemmermeier wirbt für mehr Gelassenheit in der Frage von Zuwanderung und Flucht. Leider tue sich auch Brandenburg damit schwer, sagte sie im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte angesichts einer aufgeheizten und aufgeregten Debatte im Bundesland. Lemmermeier trat dafür ein, sich »die Dinge entwickeln zu lassen«. Es gebe viele Maßnahmen, deren Wirkung man abwarten müsse.

Anlässlich der Freischaltung einer Online-Ausstellung unter dem Motto »Heimatkunde - Flucht, Vertreibung, Integration in Brandenburg« erinnerte Lemmermeier daran, dass Brandenburgs Bevölkerung einen sehr hohen Altersdurchschnitt aufweise. Im Jahr 2030 werde das Land zu den ältesten Regionen der Erde gehören - mit einem Altersdurchschnitt von 53 Jahren. Da könne die Zuwanderung durch junge Menschen abfedernd wirken.

Die Landesregierung habe unter anderem Angeboten im Sport auf die hohe Zahl der Geflüchteten reagiert, die innerhalb der vergangenen drei Jahre nach Brandenburg gekommen sind. Nun kommen auch Kulturangebote hinzu, freute sich die Integrationsbeauftragte. Erfahrungsgemäß sei es ein Unterschied, ob die Asylbewerber in Potsdam leben oder in den Landkreisen Prignitz und Elbe-Elster, wo es »ganz andere Konstellationen« gebe und auch keine Tradition der Zuwanderung, an die sich dort lebende Menschen noch erinnern können.

Tatsächlich aber war Zuwanderung immer ein Bestandteil der brandenburgischen Geschichte, sagte Lisa Barthelmes, die das Heimatkundeprojekt betreut hat. Immer seien es »fleißige Neubürger« gewesen, die in der Geschichte Impulse für die alteingesessenen Menschen gegeben haben.

Auch Museumsdirektor Kurt Winkler erinnerte daran, dass die Mark Brandenburg in ihrer Geschichte mehrere Wellen von Zuwanderung erlebt habe, die prägenden Einfluss auf die »brandenburgische Mentalität« ausübten.

In der nunmehr freigeschalteten Online-Ausstellung wird der Stand der gegenwärtigen Integrationsprozesse dokumentiert, es kommen Geflüchtete wie auch Einheimische zu Wort. Geprägt ist der Internetauftritt, der unter Mitarbeit von Migranten entstanden ist, von der Tatsache, dass sich die Integration im Flächenland dezentral vollziehen muss, vielfach in nur mittelgroßen und kleinen Städten. Es wird der Frage nachgegangen: Können sich aus der Migration neue Perspektiven für die Entwicklung ländlicher Räume entwickeln? Museumschef Winkler sagte: »Mit dem Projekt betritt unser Haus Neuland. Erstmals realisieren wir eine Ausstellung in digitaler Form.« Das Projektteam recherchierte dazu im vergangenen Jahr in verschiedenen brandenburgischen Kommunen, führte Gespräche mit politisch Verantwortlichen und Vertretern von Initiativen vor Ort. Betrachtet werden kann nun eine Dokumentation aus Interviews, Fotos, Videos und Kurztexten. Die Präsentation ist in Deutsch, Englisch und Arabisch anzuschauen beziehungsweise anzuhören.

Nicht zuletzt sollen durch die Ausstellung positive Beispiele gelungener Integration bekanntgemacht werden. In einer Zeit, in der Fremdenhass und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge Konjunktur haben, sei eine solche Initiative sehr wichtig, sagte Susanne Krause-Hinrichs von der Flick-Stiftung, die für die Online-Ausstellung Geld zur Verfügung gestellt hatte. Jeder könne sich die Ausstellung an seinem Computer ansehen, es sei keine umständliche Reise notwendig, erklärte Krause-Hinrichs. Diese Form gestatte die Hoffnung, dass viele junge Menschen sich diese Ausstellung ansehen.

Gelingen werde die Integration nur dann, »wenn wir es schaffen, dass diese Menschen freiwillig bei uns bleiben«, fügte die Integrationsbeauftragte Lemmermeier hinzu. Sie sei nicht für Wohnsitzauflagen, bekräftigte sie.

heimatkunde-brandenburg.de

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