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Damit die Natur nicht in die Röhre schaut

Naturschutzbund Deutschland klagt gegen neue Ostsee-Gaspipeline

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

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Fernseh- und Fotokameras richten sich am 8. November 2011 in Mecklenburg-Vorpommerns Ostseebad Lubmin auf ein dickes weißes Rohr. Hinter ihm stehen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew und weitere Politiker. Gemeinsam drehen sie am Rad, das im Rohr ein Ventil öffnet und dem Erdgas aus Sibirien den Weg frei gibt durch die Ostseepipeline. Durch die 1224 Kilometer lange Leitung können jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland fließen.

Schon seit Jahren plant die »Nord Stream 2 AG« eine weitere Pipeline durch die Ostsee im Bereich von Russland, Finnland, Dänemark und Deutschland. Sie soll zusätzliche 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in das Gebiet der Europäischen Union transportieren können und nach Ansicht seiner Befürworter dazu beitragen, dass keine Versorgungslücken entstehen. Etwa acht Milliarden Euro wird das Projekt kosten, lauten bisherige Schätzungen.

Im Mai 2018 soll mit dem Bau der Pipeline begonnen werden, gegen die sich der Naturschutzbund Deutschland (NABU) jetzt mit einer Klage wehrt. Am Montag will er sie beim Oberverwaltungsgericht Greifswald einreichen. Dabei wird die Organisation vom WWF fachlich und finanziell unterstützt. Vor Gericht ziehen die Naturschützer, so informieren sie, »damit Nord Stream keine Tatsachen schafft, die unsere Meeresumwelt irreparabel schädigen«. Das neue Rohrsystem werde sich schädlich auf die Umwelt auswirken, unter anderem auf Vogelschutzgebiete.

In den deutschen Gewässern würde die Pipeline vollständig durch Meeresschutzgebiete des Netzwerks Natura 2000 laufen, gibt der NABU zu bedenken und warnt: Der Meeresboden würde für die Leitung im Küstengewässer bis zu 80 Meter breit aufgebaggert. Geschützte Lebensräume wie etwa Steinriffe würden zerstört, bedrohte Schweinswale, Flussneunaugen und Meeresenten gefährdet und vertrieben. Im Verlauf der Arbeiten würden allein im Greifswalder Bodden 254 Tonnen bioverfügbaren Phosphors freigesetzt, das hieße: noch mehr Nährstoffe für die ohnehin stark überdüngte Ostsee.

»Durch ein verstärktes Algenwachstum und notwendige Abbauprozesse können sich dadurch sauerstoffarme Todeszonen am Meeresboden ausbreiten«, so der Naturschutzbund. Er stützt seine Klage auch auf das Argument, die Umweltverträglichkeitsprüfungen zur geplanten Pipeline seien lückenhaft, auch habe es grobe Verfahrensfehler gegeben.

Umstritten ist die zweite Pipeline auch auf der politischen Ebene. So gab es schon 2015 aus den Reihen der Europäischen Union Kritik, etwa vom polnischen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk. Er meint, die neue Leitung könne die Abhängigkeit vom russischen Erdgas erhöhen.

Unbeirrt von solchen Bedenken laufen Vorbereitungen für die Ostseepipeline weiter. So wurden bereits Rohre angeliefert, und inzwischen sei auf der gesamten 1200 Kilometer langen Route durch die Ostsee jedes Detail des Meeresbodens untersucht worden, wie der Nord-Stream-2-Webpräsenz zu entnehmen ist. Dabei sei es auch um die Identifizierung ökologisch sensibler Gebiete gegangen, »um Umweltbelastungen zu minimieren und den sicheren Betrieb der neuen Erdgaspipeline zu gewährleisten«.

Umweltverträglich werde die Pipeline gebaut, betont das Unternehmen, das sein neues Projekt bis Ende 2019 verwirklichen möchte. Jene Firma, in deren Verwaltungsrat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder den Vorsitz innehat, ist Tochter des russischen Konzerns »Gazprom«, des weltgrößten Förderers von Erdgas.

Damit für diesen Energieträger nicht auch noch eine zweite Pipeline durch die Ostsee verlegt wird, klagt der NABU nun gegen den Planfeststellungsbeschluss, mit dem das Bergamt Stralsund im Januar grünes Licht für den Leitungsbau im Bereich der Bundesrepublik gegeben hatte. Mit einem Eilantrag in dieser Sache wollen die Naturschützer zudem erreichen, dass das Gericht den Pipelinebau noch vor dessen geplantem Beginn im Mai stoppt.

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