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Neonazis greifen nach Aufmarsch Zugreisende an

Auseinandersetzung zwischen Linksparteimitglied und Neonazis bei Abreise nach Demonstrationen in Kandel

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Die Aktivitäten der Rechten in Kandel am vergangenen Samstag beschränkten sich nicht nur auf ihren Aufmarsch durch die südpfälzische Kleinstadt. Während der Abreise sollen zwei Neonazis im Zug in Richtung Saarbrücken andere Fahrgäste angegriffen haben – darunter eine Frau und den jungen LINKEN-Politiker Gökdeniz Özcetin. Das berichtet der Betroffene am Montag.

Demnach habe ein Mann einer jungen Frau aus Eritrea ein NPD-Flugblatt gereicht. Eine andere Reisende habe ihr das Flugblatt weggenommen und es zerrissen. Daraufhin soll der Neonazi die Frau geschlagen haben. An dieser Stelle mischte sich der 17-jährige Özcetin ein. Er soll deswegen von einem anderen Mann aus der rechtsextremen Gruppe eine Kopfnuss bekommen haben. Dann griffen die anwesenden Polizisten ein.

Allerdings verließen die Beamten bereits in Homburg den Zug. Weil noch mehrere Mitglieder der Neonazi-Gruppe an Bord blieben, alarmierten Özcetin und die Frau die Bundespolizei in Saarbrücken. Die nahm sie schließlich auf dem Gleis in Empfang und hinderte die Neonazis an ihrem Fluchtversuch. Özcetin und die junge Frau erstatteten Anzeige wegen schwerer Körperverletzung.

Özcetin will sich von dem Angriff aber nicht einschüchtern lassen. »Ich werde weiterhin an Gegendemos teilnehmen, ich werde nicht zulassen, dass Parteien wie AfD und NPD den Tod dieses jungen Mädchens für ihre Propaganda ausnutzen!«, erklärte er in einer Pressemitteilung.

Özcetin hatte mit zu der Demonstration »Mein Kandel ist bunt« aufgerufen. Seit am 27. Dezember 2017 ein 15-jähriges Mädchen in Kandel niedergestochen wurde, gibt es immer wieder Demonstrationen. Am vergangenen Wochenende waren es alleine vier. Tatverdächtig ist der Ex-Freund des Opfers. Mit der Tatsache, dass der Verdächtige ein afghanischer Geflüchteter ist, macht unter anderem die baden-württembergische AfD-Politikerin Christa Baum Stimmung. Auf der von ihr ausgerichteten Demonstration wurde die »Schließung der deutschen Grenze« gefordert. Dem gegenüber verlangte das Bündnis »Wir sind Kandel«, das vor allem von Menschen vor Ort gegründet wurde, ein weltoffenes und tolerantes Land.

Wie aufgeheizt Stimmung in Kandel noch immer ist, zeigte sich bereits vor dem Wochenende. Seit Özcetin zur Demonstration »Mein Kandel ist bunt« aufrief, habe er Drohungen und Beleidigungen erhalten. nd

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