Werbung

Berlin im Vorteil, Brandenburg abgehängt

Online-Lebensmitteldienste im Stadt-Land-Vergleich

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Marktcheck der Verbraucherzentralen Berlin und Brandenburg zum Online-Einkauf von Lebensmitteln zeigt große Unterschiede zwischen der Hauptstadt und den ländlichen Regionen. Die beiden Verbraucherzentralen wählten für den Test die Anbieter AllyouneedFresh, myTime sowie einen lokalen EDEKA-Händler (nur für Berlin möglich) aus. Insgesamt elf Testhaushalte (fünf in Berlin, sechs in Brandenburg) bestellten je einen standardisierten Warenkorb aus haltbaren, frischen und tiefgekühlten Produkten. Dazu wurde der neue Anbieter AmazonFresh für je eine Adresse in Berlin und Potsdam getestet.

Während Berliner Verbrauchern nahezu alle Online-Lebensmittelhändler zur Verfügung stehen, haben Verbraucher in Brandenburg nur eine geringe Auswahl. Die Online-Verfügbarkeit der großen Supermarktketten endet oft am Rand des Berliner Speckgürtels. »Wir konnten in der Fläche Brandenburgs daher nur überregional agierende Online-Supermärkte in unseren Test einbeziehen«, erklärt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). Lokal ansässige Einzelhändler bieten zwar auch in Brandenburg vereinzelt einen Lebensmitteleinkauf über das Internet an, die für den Marktcheck ausgewählten Orte (so in den Landkreisen Elbe-Elster und Prignitz) waren davon jedoch ausgeschlossen.

Anders als in Berlin und Potsdam konnte im ländlichen Raum Brandenburgs nur eine Zustellung per Paketservice ausgewählt werden. Das bedeutet zum Teil sehr große Mengen an Verpackungsmüll und zudem lange Lieferzeitfenster von zehn Stunden, in denen jemand zu Hause auf den Paketdienst warten muss. Da gefrorene, gekühlte und nicht gekühlte Produkte im Test in bis zu zwei einzelnen Lieferungen verschickt wurden, mussten die Testverbraucher für die Annahme einer Lebensmittelbestellung sogar an mehreren Tagen zu Hause sein. »Für Berufstätige ist dieser Service praktisch nicht nutzbar«, so Reinke.

Die Qualität und der Zustand der Lebensmittel wie Tomaten, Salat, Milch, Eier, frisches Schweinefleisch, frischer oder tiefgekühlter Fisch sowie tiefgekühlte Erbsen und Himbeeren waren überwiegend gut - nur leider nicht ausnahmslos. So gab es Abstriche bei der Qualität von Obst und Gemüse, das im Paket nur lose zwischen anderen Lebensmitteln verpackt war. Der in einem Fall mit fünf Tagen Verspätung angelieferte »frische« Fisch war nicht mehr zum Verzehr geeignet, sein Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten.

»Händler müssen geeignetere Verpackungen für empfindliche Lebensmittel finden und ihre Transportunternehmen für die Beförderung von Lebensmitteln stärker sensibilisieren «, so Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin.

Vor allem der kleinere Einzelhändler der EDEKA-Gruppe ließ Sorgfalt und Professionalität vermissen. Die Lebensmittel wurden zwar fast verpackungsfrei in Mehrwegkisten transportiert, allerdings ohne geeignete Kühlvorrichtungen. So überschritten die tiefgekühlten Lebensmittel die zulässige Temperatur von minus 18 Grad Celsius deutlich, in einem Fall lagen sie sogar 2 Grad über dem Gefrierpunkt. Die Sicherheit der Lebensmittel kann so nicht gewährleistet werden.

Die Verbraucherzentralen überprüften ebenfalls Vertragsgestaltung und Widerrufsbelehrung. Die überregionalen Anbieter informieren zwar über das Nichtbestehen eines Widerrufsrechtes für schnell verderbliche Ware, allerdings sind die Informationen für Verbraucher wenig hilfreich. Hier sollte verdeutlicht werden, welche Produkte vom Widerruf ausgeschlossen sind.

Beim EDEKA-Händler wird der Vertrag erst an der Tür geschlossen. Eine Service-Pauschale muss der Verbraucher aber auch zahlen, wenn er sich an der Haustür gegen den Kauf entscheidet. Das ist beim Bestellprozess für den Verbraucher aber nicht zu erkennen. Deshalb mahnte die Verbraucherzentrale Berlin EDEKA Christ mit Erfolg ab: Der Anbieter wird nun die Kostenpflicht kennzeichnen.

Fazit: Lebensmittel online zu bestellen ist insbesondere für Menschen außerhalb der Großstadt noch keine alltagstaugliche Alternative. Wer in guten Liefergebieten wohnt, kann aber durchaus davon profitieren. Insgesamt bieten die getesteten Lebensmittelhändler einen guten Service, hochwertige Produkte und halten sich an die gesetzlichen Spielregeln. Verbesserungsbedarf gibt es für kleine Händler sowie bei der Qualität und Logistik. VZB/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken