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Weil Sand nicht gleich Sand ist

Einzigartige Sammlung in Halle mit Material aus 80 Gruben

  • Von Thomas Schöne, Halle/Saale
  • Lesedauer: 3 Min.

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Viele kleine Plastikdosen stapeln sich in einer Schrankwand. Ihr Inhalt: Sand in unterschiedlicher Färbung. Da gibt es schwarzen, weißen und ockerfarbenen Sand sowie Dosen mit vielen Brauntönen. »Herr des Sandes« ist Matthias Zötzl. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) verwaltet er in Halle das Sandkataster der beiden Bundesländer. Die IDK-Arbeitsstelle in Dresden verfügt zur Ansicht über die gleichen Proben.

Sand ist nicht gleich Sand, sondern unterscheidet sich in seiner Körnung und chemischen Zusammensetzung. Zu jeder der mittlerweile 260 Proben gibt es ein Datenblatt mit genauer Zusammensetzung und Herkunft. »Je nach Region können die Unterschiede enorm sein«, weiß Zötzl. »Das Material stammt aus 80 Sandgruben, etwa zur Hälfte aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.«

Und wozu der Aufwand? »Die Kenntnis der speziellen Sandsorten spielt bei der originalgetreuen Rekonstruktion historischer Mörtel- und Putzrezepturen eine wichtige Rolle. Das Sandkataster fungiert hier wie ein großer Musterkasten«, sagt der Experte. Die Sammlung umfasst hauptsächlich ungewaschene, natürliche Sande und Kiese. Sie werden im Trockenabbau gewonnen und sind damit reich an Feinanteilen, die für die Mörtel- und Putzfarbgebung von entscheidender Bedeutung sind.

Ein aktuelles Vorhaben ist die Sanierung der Kellergewölbe der Moritzburg in Halle. Die Zusammensetzung der damaligen Mörtelmischungen ist nicht überliefert. Deshalb wird sie nun anhand von Putzproben von den Wänden im hauseigenen Labor analysiert. Im Idealfall ist diese Sorte im Sandkataster enthalten. »Dann kann anhand bestimmter Merkmale bestimmt werden, aus welchem Sandgrubengebiet das Material der historischen Mörtelrezeptur stammt«, sagt Zötzl. Gibt es dort keine Grube mehr, wird mithilfe des Sandkatasters nach einer ähnlichen Sorte gesucht. »Damals haben die Baumeister ihren Sand immer aus dem Umfeld der Baustelle genommen und nicht von Ferne angekarrt«, betont Matthias Zötzl.

»Zum Beispiel wurde die St. Nikolaikirche in Kitzen Hohenlohe südlich von Leipzig im Mittelalter mit einem direkt vor Ort gewonnenen Sand geputzt. Bei der Restaurierung konnte man den Sand aus einer Grube im nicht mal drei Kilometer entfernten Nachbardorf Großschkorlopp nutzen. Dieser Sand wurde auch bei Putzarbeiten an der Fahrradkirche in Markkleeberg-Zöbigker am Cospudener See verwendet, weil er auch dort wunderbar passte.«

»Insbesondere für sensible Bereiche, zum Beispiel mittelalterliche Putze mit Wandmalereien in Kirchen, spielt die Rekonstruktion der Originalmischung eine wichtige Rolle«, sagt Torsten Arnold, Restaurator beim Landesamt für Denkmalpflege Halle. »Moderne Fertigmischungen sind für Putzmaschinen ausgelegt, sie enthalten spezielle Bindemittel und Verflüssiger, und die Farben sind normiert. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind dadurch extrem eingeschränkt, und die lokale Ästhetik der jeweiligen Region mit ihrer speziellen Farbigkeit geht verloren.«

Das IDK wurde 1996 auf Initiative Sachsens und Sachsen-Anhalts gegründet. Das Sandkataster gibt es seit 2007, um Denkmalpflegern, Handwerkern, Restauratoren, Architekten und privaten Bauherren bei der richtigen Mischung zur Nachstellung von historischen Mörteln und Putzen zu helfen. Zu den betreuten Objekten zählten das Gartenreich Dessau-Wörlitz, der Halberstädter und der Magdeburger Dom, das Gewandhaus in Zwickau, die Peterskirche in Leipzig sowie das Schloss Nossen.

In Deutschland gibt es noch das Institut für Steinkonservierung in Mainz. Das ist eine gemeinsame Einrichtung der staatlichen Denkmalpflege der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Dort existiert eine Sandbank. »Mittlerweile haben wir für alle vier Bundesländer rund 150 Sandproben in dieser ›Sandbank‹«, sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts, Karin Kraus. dpa/nd

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