Werbung

Abkehr vom Dogma

Ein Traumtor von Lionel Messi entscheidet das Spitzenspiel gegen Atlético Madrid für den FC Barcelona, der defensiver denkt als früher

  • Von Martin Ling, Barcelona
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

»Simeone hat die Welt nicht entdeckt. Leo ist der beste Fußballer der Welt und er ist bei Barça. Pech für Atlético und jede andere Mannschaft.« So kühl konterte Barças Linksverteidiger Jordi Alba in den Katakomben des Camp Nou die Spielanalyse von Diego Simeone. »Hätte Messi bei uns gespielt, hätten wir gewonnen«, hatte der Trainer von Atlético Madrid nach der 0:1 Niederlage im Spitzenspiel der spanischen Liga am Sonntagnachmittag beim FC Barcelona gesagt.

Alba lag mit seiner Aussage richtig, Simeone zumindest nicht falsch. Das brillante Freistoßtor von Lionel Messi in der 26. Minute entschied die Begegnung vor der bisherigen Saisonrekordkulisse von 90 356 Zuschauern. Der Zuschauerschnitt ist in dieser Saison rund um die politische Krise und seit dem Terroranschlag im vergangenen August deutlich gesunken. Weil rund 20 bis 30 Prozent weniger Touristen nach Barcelona kommen und dadurch auch weniger ins Stadion strömen als üblich.

Messis Schuss in den Torwinkel war der Höhepunkt in der ersten Hälfte, in der Barça klar dominierte und Atlético keinen einzigen Schuss aufs Tor von Marc-André ter Stegen zustande brachte. Trotz der deutlichen Überlegenheit hatten aber auch die Gastgeber kaum klare Chancen. Nur ein Mal benötigte Atlético-Keeper Jan Oblak seine zwei Fäuste - bei einem Gewaltschuss des Brasilianers Philippe Coutinho, der im Duell Erster gegen Zweiter seinen zu Paris Saint Germain gewechselten Freund und Landsmann Neymar ersetzte.

Mit dessen Abgang ist Barcelonas Spektakelfaktor etwas gesunken, der Stabilitätsfaktor indes stark gestiegen. Wer auch immer an Neymars statt spielt - mehr Defensivarbeit ist gesichert. Selbst die häufige Abkehr vom 4-3-3-System, das Johan Cruyff Ende der 80er Jahre in Barcelona zum Dogma erhob, wird Ernesto Valverde, der oft nur auf die zwei Spitzen Leo Messi und Luis Suárez setzt, in seinem ersten Jahr als Trainer bei Barcelona nachgesehen. Vor allem, weil die Ergebnisse stimmen: Pokalfinale erreicht, in der Champions League mit guter Ausgangsposition nach dem schmeichelhaften 1:1 bei Chelsea, in der Meisterschaft 27 Spiele ungeschlagen mit acht Punkten Vorsprung auf Kurs zum 25. Meistertitel.

Schwerer tat sich Barça in der zweiten Hälfte, was neben Atléticos offensiverer Spielweise auch an den Reisestrapazen lag. Erst Freitagfrüh waren die Spieler von den Kanaren zurückgekommen - nicht vom Kurzurlaub, sondern vom Punktspiel im mehr als 2000 Kilometer entfernten Las Palmas. »Jetzt da wir gewonnen haben, kann ich es ja sagen: Wir waren mit unseren Kräften am Ende, wir kamen spät aus Las Palmas zurück und konnten uns fast nicht erholen. Eine Liga, die sich für die beste der Welt erklärt, müsste den Spielplan besser organisieren können«, kritisierte Sergio Busquets nach Spielschluss.

Barça hatte mit sichtbar müder werdenden Beinen verteidigt, Atlético 30 Minuten gedrückt, ohne jedoch zu klaren Chancen zu kommen. Die gab es dann zuhauf in einer rasanten Schlussviertelstunde. Die Erleichterung nach dem knappen, aber verdienten Sieg war bei Spielern und Zuschauern spürbar. Acht Punkte Vorsprung bei noch elf ausstehenden Spielen sind ein gutes Polster, auch wenn Simeone noch nicht das Handtuch werfen wollte: »Nichts spricht dafür, dass Barça drei oder vier Spiele verliert, aber wir werden bestmöglichst weiterkämpfen, wir sind nicht so weit zurück«, meinte er.

Der Wermutstropfen für Barça ist die Verletzung des stark aufspielenden Kapitäns Andrés Iniesta, der nach zwei schweren Fouls schon in der ersten Hälfte vom Platz musste und wohl für das Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen Chelsea London am 14. März ausfallen wird. Dann hätte Messi noch mehr kreative Last zu tragen. Am Sonntag zeigte er sich dem nicht nur wegen seines 600. Tores als Profifußballer einmal mehr gewachsen, auch seine zahlreichen Kabinettstückchen wurden vom Publikum mit begeistertem Beifall und Sprechchören gefeiert. Messi wirkt nimmermüde und vor allem titelhungrig wie eh und je.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen