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Erster Hilfskonvoi erreicht Ost-Ghuta

Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten erobern ein Drittel der umkämpften Region zurück

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 3 Min.

Die syrischen Streitkräfte und ihre Verbündeten haben die islamistischen Kampfverbände in den östlichen Vororten von Damaskus (Ghuta) zurückgedrängt. Rund 30 Prozent des etwa 100 Quadratkilometer großen Gebietes waren am Dienstagmorgen wieder unter Kontrolle der syrischen Armee. Ziel ist offenbar, die Kampfzone zu teilen, um die gegnerischen Kräfte zu isolieren. Laut der Nachrichtenagentur AFP sollen bei Bombardements mindestens 44 Menschen getötet worden sein. Diese Angaben von Aktivisten lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Zugleich erreichte am Dienstagmorgen ein Konvoi von 46 Lastwagen den Ort Duma in der östlichen Ghuta. Die Hilfslieferung war vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond (SARC) und UN-Hilfsorganisationen zusammengestellt worden und soll rund 27 000 Menschen mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten versorgen. Nach UN-Angaben wurden jedoch Operationsbestecke, Spritzen und bestimmte Medikamente von syrischer Regierungsseite aus der Lieferung entfernt. Duma steht unter Kontrolle der »Armee des Islam«, die von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert wird. Die letzte Hilfslieferung hatte Ost-Ghuta Mitte Januar erreicht.

Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland kritisierten derweil erneut Russland, die Offensive der syrischen Armee militärisch zu unterstützen. In einer Erklärung des Weißen Hauses hieß es, Russland ignoriere »die Vereinbarungen (des UN-Waffenstillstands) und tötet unschuldige Zivilisten unter dem Vorwand, gegen den Terror zu kämpfen«. Die syrische Armee müsse umgehend das Bombardement auf Krankenhäuser und Zivilisten einstellen. Der syrische Präsident Bashar al-Assad wies die Anschuldigungen zurück. Dem Westen falle immer dann »Mitmenschlichkeit« ein, wenn die syrische Armee vorrücke. Die Anschuldigungen seien ein Vorwand, die Streitkräfte anzugreifen. Syrien werde »den Terrorismus auch in der Ghuta weiter bekämpfen«, so Assad vor Journalisten in Damaskus. Man werde »weiterhin militärisch vorrücken und gleichzeitig den Weg für Zivilisten offenhalten«.

Russland hatte bereits während der Diskussion im UN-Sicherheitsrat erklärt, dass eine Waffenruhe in den östlichen Vororten von Damaskus nur vor Ort zwischen den Parteien ausgehandelt und nicht per Resolution angeordnet werden könne. Seit acht Tagen gilt eine tägliche fünfstündige Kampfpause, die der Zivilbevölkerung ermöglichen soll, das Gebiet durch humanitäre Korridore zu verlassen. Hubschrauber der syrischen Luftwaffe warfen Flugblätter ab, auf denen humanitäre Fluchtwege markiert waren.

Bisher haben jedoch kaum Menschen von dem Angebot Gebrauch gemacht. Busse und Krankenwagen, die die Menschen in ein Auffanglager in Damaskus bringen sollen, warten vergeblich. Von Seiten der Islamisten und oppositioneller Hilfsorganisationen in dem Gebiet hieß es, dass die Menschen aus Angst vor der Regierung die Kampfzone nicht verlassen wollten. Ein Sprecher des russischen »Zentrums für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien« wies allerdings darauf hin, dass die Kampfverbände eine Ausgangssperre verhängt hätten und die Bevölkerung daran hinderten, die umkämpften Gebiete zu verlassen. So soll am Sonntag eine medizinische Anlaufstelle für die Zivilbevölkerung beschossen worden sein. Am Samstag wurden drei Personen von den Kämpfern verletzt, als sie durch einen humanitären Korridor fliehen wollten.

Außenminister Sergej Lawrow wies darauf hin, dass Russland bereit sei, mit den Kampfverbänden in der östlichen Ghuta über deren Abzug zu verhandeln. »Wir können jede Möglichkeit diskutieren, um sie dazu zu bringen, ihre Aktivitäten zu stoppen.« Ähnlich der Befreiung der östlichen Umgebung von Aleppo im Dezember 2016 könne auch der Konflikt in Ost-Ghuta gelöst werden.

Derweil sollen bei türkischen Luftangriffen in der nordsyrischen Region Afrin 13 Zivilisten getötet worden sein, darunter auch Kinder in der Ortschaft Dschandairis. Laut Bobachtern bereite die Armee eine Bodenoffensive vor.

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