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Hebamme hilft Flüchtlingsfrauen

Unterwegs mit Katharina Falk, die jungen Müttern in Asylunterkünften zur Seite steht

Die Eritreerin klopft schüchtern an die Tür. Die Frau aus einem Flüchtlingsheim im Ortsteil Buckow ist im neunten Monat schwanger und möchte sich von der Hebamme Katharina Falk untersuchen lassen. Die hat sie schon erwartet. »Komm rein, Helen.« Katharina Falk ist mit den schwangeren Frauen per Du. Jede Woche kommt die Mittdreißigerin für mehrere Stunden in das Neuköllner »Tempohome«, wie die Containersiedlung mit gut 500 Plätzen für Flüchtlinge am Stadtrand genannt wird. Hier untersucht sie schwangere Frauen, Wöchnerinnen und Babys. Helen legt sich in dem zur Krankenstation umfunktionierten Wohncontainer auf die Liege.

»Das Baby hat sich gedreht«, freut sich Katharina Falk. Das heißt: Der Kopf liegt unten. Helen, die in zehn Tagen ihren errechneten Entbindungstermin hat, kann also sehr wahrscheinlich mit einer normalen Geburt rechnen. Auch sonst ist die Hebamme zufrieden: Die Herztöne des Babys sind normal. Fruchtwasser ist noch reichlich vorhanden, und das Baby liegt auch schon weit unten im Bauch der Mutter. Helen hat den Kindsvater mitgebracht. Auch er kommt aus Eritrea und berichtet stolz, dass er alles eingekauft hat, was auf der Liste stand, die Helen der Familie letzte Woche gegeben hat: Binden für das Wochenbett, Windeln, eine Wickelunterlage. Alles ist vorbereitet für das neue Familienmitglied.

Katharina Falk gehört zu den sieben Hebammen, die das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) seit Januar dieses Jahres für die Versorgung schwangerer Frauen in Flüchtlingsunterkünften der Bezirke einsetzt. Sie sind in Neukölln, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf tätig, in denen besonders viele Flüchtlingsheime stehen, die aber andererseits eine Unterversorgung mit Ärzten vorzuweisen haben.

»Mit diesem Angebot wollen wir das Gesundheitssystem entlasten«, sagt Monika Hebbinghaus vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten. Unter Geflüchteten gebe es sehr viele schwangere Frauen, und nicht immer fänden diese den Weg ins Gesundheitssystem. »Viele Frauen waren noch nie in ihrem Leben bei einem Frauenarzt. Aber eine Hebamme kennen sie«, sagt Hebbinghaus, die sich freut, dass ihr Amt Hebammen für die Arbeit in Flüchtlingsheimen gewinnen konnte, obwohl es in Berlin zu wenige Hebammen gibt.

Katharina Falk hat vom Flüchtlingsheim eine Liste von schwangeren Frauen und neugeborenen Kindern bekommen. Manche hat sie aufgesucht, noch nicht alle waren bei ihr. »Das Angebot muss sich erst herumsprechen«, sagt Falk. Und sie kann ihre kleinen Patienten dann auch zu anderen gesundheitlichen Angeboten weiterlotsen. So etwa den kleinen Yunes, der mit seiner afghanischen Mutter als Nächster in ihre Sprechstunde kommt. Yunes ist vier Wochen alt und das erste Kind seiner Eltern. Die Mutter kann gut stillen, er hat ordentlich Gewicht zugelegt, freut sich die Hebamme. Auch der Nabel ist verheilt, und für den wunden Po gibt die Hebamme der Mutter eine Salbe. Zuvor hatte Yunes ein Problem mit einem Ohr, und da ist eine Nachuntersuchung beim Facharzt fällig. Katharina Falk will einen Termin machen und erklärt der Mutter das Nötige. »Mach dir keine Sorgen«, sagt sie zu der Afghanin. »Das ist ein Kontrolltermin. Wir müssen nur klären, dass jetzt alles gut ist mit dem Ohr.«

Nicht alle Flüchtlingsfrauen sprechen so gut Deutsch wie die Eritreerin und die Afghanin, die sie heute in ihrer Sprechstunde sieht, sagt Falk. Die Sprachhürde sei aber nur eine der Besonderheiten in der Arbeit mit Flüchtlingsfrauen. Hier müssen oft Sprachmittler helfen. »Da lege ich Wert darauf, dass das dann auch Frauen sind«, sagt sie. Ihr fällt auch auf, dass Flüchtlingsfrauen häufig traumatisiert sind. »Insbesondere dann, wenn sie schon schwanger nach Deutschland kommen.« Viele dieser Frauen könnten zwar ihre Babys versorgen, sich aber emotional nicht über sie freuen. Da müssten die Mütter oft auch emotional stabilisiert werden, sagt die Hebamme. Auf der anderen Seite hätten Flüchtlingsfrauen häufiger einen Partner als andere Frauen, um die die Hebamme sich sonst kümmert. Und das sei emotional gesehen natürlich vorteilhaft.

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