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Deutschland im Zeichen des Klimawandels

Bundesrepublik hat erneut ein sehr warmes Jahr mit vielen Wetterextremen hinter sich - doch die Erneuerbaren lieferten zuverlässig Strom

  • Von Susanne Schwarz
  • Lesedauer: 3 Min.

Auch wenn es sich in den vergangenen Wochen kaum so angefühlt hat: Deutschland heizt sich im Zuge des Klimawandels auf. Im Jahr 2017 lagen die Temperaturen um 1,4 Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Das hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) ermittelt. Damit erlebte die Bundesrepublik aber nicht ihr bislang wärmstes Jahr - den Rekord hält 2014 und fünf weitere Jahre brachten höhere Durchschnittstemperaturen.

Ähnlich sieht es auf globaler Ebene aus: 2017 gehört zwar zu den drei wärmsten Jahren, den absoluten Hitzerekord aber hält 2016. Damals wirkte das Wetterphänomen El Niño nach, bei dem sich Ströme im Pazifik umkehren, was in weiten Teilen der Welt zu Wetterextremen wie Dürren, Starkregen oder Wirbelstürmen führt - und eben zu höheren Temperaturen. Rechnet man diesen Effekt, der auch unabhängig vom Klimawandel auftritt, mit statistischen Methoden heraus, war 2017 weltweit das wärmste Jahr.

Meteorologen und Klimaforscher warnen aber davor, zu viel in die Temperaturen einzelner Jahre zu interpretieren. Das Klima ist eine statistische Größe, sozusagen das durchschnittliche Wetter über mehrere Jahrzehnte. Ein besonders heißes Jahr ist noch kein Beweis für den Klimawandel, ein kühles Jahr zwischendurch widerlegt ihn aber auch nicht.

»Der langfristige Temperaturtrend ist viel wichtiger als das Ranking der einzelnen Jahre - und der geht nach oben«, erklärte Petteri Taalas, Chef der Weltorganisation für Meteorologie, am Dienstag vor Journalisten in Berlin. Wetter und Klima bestünden außerdem nicht nur aus Wärme oder Kälte: »Temperaturen erzählen nur einen kleinen Teil der Geschichte«, sagte Taalas. »Die Wärme im Jahr 2017 ging in vielen Ländern mit extremem Wetter einher.«

Auch in Deutschland: Sturm Axel im Januar, die Stürme Xavier und Herwart im Oktober, Tief Rasmund mit Starkregen im Juni, andauernde Trockenheit im Frühjahr, eine ständige trübe Brühe im Herbst und Winter. »Das Jahr 2017 stand hierzulande auch ohne neuen Rekord ganz im Zeichen des Klimawandels«, sagte DWD-Experte Thomas Deutschländer.

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes klinken sich zudem mit neuen Daten in die aktuelle Debatte um die Energiewende ein. Der einflussreiche Wirtschaftsrat der CDU hat eine »Roadmap« für das Ende des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bis 2025 vorgelegt. Die künftige Regierung widmet der Energiewende in ihrem Koalitionsvertrag nicht mal die Hälfte des Platzes wie noch 2013. Mit Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake hat einer der Architekten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gerade um seine Entlassung gebeten.

Der Deutsche Wetterdienst hat nun Daten geliefert, die die Zuverlässigkeit der erneuerbaren Energieträger in ein neues Licht stellen. Ein häufig genanntes Argument von Energiewende-Gegnern: Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren hänge am wechselhaften Wetter und sei deshalb nicht verlässlich. Die Meteorologen haben ausgewertet, wie oft die mittlere Energieproduktion aus Wind und Sonne in der Vergangenheit über einen Zeitraum von zwei Tagen in bestimmten Gebieten unter zehn Prozent der Nennleistung blieb. Bei Windrädern auf dem deutschen Festland trat dieser Fall im Mittel etwa 23-mal im Jahr auf. Werden auch Offshore-Windkraftanlagen in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Deutschlands in Nord- und Ostsee hinzugenommen, muss die Energiewirtschaft mit 13 Fällen pro Jahr rechnen. Die Kombination von Windkraft auf Land und See mit Photovoltaik ergab dann im Mittel für Deutschland noch zwei Fälle. Bei einer europaweiten Betrachtung trat der Musterfall schließlich nur noch 0,2-mal im Jahr auf.

»Unser Ergebnis ist eindeutig: Durch den kombinierten Einsatz von Windkraft, Photovoltaik und einem europäischen Stromverbund können die Risiken durch Windflauten und sonnenscheinarme Phasen deutlich reduziert werden«, erklärte DWD-Vizechef Paul Becker.

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