Slowakische Polizei vor Mafia gewarnt

  • Von Jindra Kolar, Prag
  • Lesedauer: 2 Min.

Zwei Wochen sind vergangen, seit der Journalist Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin Martina Kušnírová in ihrem Haus in Velká Mača brutal ermordet wurden. Viele Hinweise deuten darauf, dass der Mord im Zusammenhang mit den Recherchen Kuciaks, die Verbindungen zwischen der italienischen ´Ndrangheta zu höchsten politischen Kreisen aufdecken sollten. Durch neue Erkenntnisse weitet sich die politische Krise in Bratislava weiter aus.

Die Polizei hatte binnen 48 Stunden nach dem Mord sechs verdächtige Italiener festgenommen, musste sie mangels Beweisen inzwischen wieder freilassen. Dabei hatte die italienische Antimafiabehörde DIA bereits 2013 Warnungen ausgesprochen, dass der in der Slowakei tätige Unternehmer Antonio Vadalà Beziehungen zu den ´Ndrinen in Kalabrien unterhält. Innenminister Robert Kaliňák (Smer-SD) hatte zunächst jegliche Kenntnis dieser Warnungen negiert, musste sie nun aber einräumen.

Nicht nur der Innenminister, sondern auch Premier Robert Fico selbst gerät mit dem Mord in politische Schwierigkeiten. Zwei seiner engsten Mitarbeiter, Sicherheitsberater Viliam Jasaň und seine eigene Beraterin Mária Trošková, hatten in der Vergangenheit enge Kontakte zu Vadalà und seiner Geschäftswelt gepflegt. Eine mögliche Konsequenz wäre, dass Fico und sein Innenminister von ihren Ämtern zurücktreten. Dieser Auffassung ist auch der slowakische Staatspräsident Andrej Kiska.

Doch Fico geht zum Gegenangriff über und beschuldigt den Präsidenten, seine Neutralität zu verletzen und sich zum Instrument der Opposition zu machen. In seinen Anschuldigungen ging Fico soweit zu behaupten, Kiska sei von dem amerikanischen Multimilliardär George Soros beeinflusst. Fico befürchtet, dass Soros die slowakische Opposition unterstützen könnte.

Kritische Journalisten in der Slowakei befürchten indes, dass die aktuelle Polemik des Regierungschefs ein Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Hintergründen des Mordes sein könnte. Die italienische Unternehmergruppe pflegte intensive Kontakte zur Verwaltung in Bratislava und profitierte sowohl von staatlichen Subventionen als auch von EU-Fördermitteln. Die tschechische Journalistin Pavla Holcová, die in der Vergangenheit eng mit Kuciak zusammenarbeitet hatte, zeigte sich verwundert, dass die slowakische Polizei sie überhaupt nicht nach Verbindungen zwischen Politikern, Geschäftsleuten und dem organisierten Verbrechen befragt hatte - allesamt Themen, die Kuciak bearbeitet hatte.

Holcová vermutet, dass die Ermittler möglichst mehrere Spuren legen, um eine bestimmte Richtung zu verschleiern. Bereits im Oktober vergangenen Jahres gab es in Bratislava Demonstrationen gegen Innenminister Kaliňák, dem massive Korruption vorgeworfen wurde. Dass nun ausgerechnet er zur Aufklärung des Mordes an dem Journalisten beitragen sollte, bezweifeln viele Kollegen Kuciaks.

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