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Der Hamburger SV schmeißt seine Führung raus

Der Niedergang des Bundesliga-Dinos will kein Ende nehmen. Nun müssen Vorstandschef und Sportdirektor gehen

  • Von Kristof Stühm und Peer Lasse Korff, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Als der gefeuerte Klubchef Heribert Bruchhagen im ersten Stock des Volksparkstadions gerade begann, sein Büro auszuräumen, betrat Bernd Hoffmann die große Bühne beim Hamburger SV. Vor rund einem Dutzend Kamerateams und etwa 30 Reportern verkaufte der neue starke Mann bei den Hanseaten den Rauswurf von Bruchhagen und Sportchef Jens Todt als alternativlosen »Neuanfang« in der wohl schlimmsten Krise der Vereinsgeschichte.

Man sei zu der Auffassung gekommen, einen »Impuls setzen« zu müssen, sagte Hoffmann, der am Mittwochabend »einstimmig« zum neuen Aufsichtsratsboss der HSV Fußball AG bestimmt worden war und danach sofort knallhart durchgriff. Der 55-Jährige setzte Bruchhagen vor die Tür, anschließend informierte der bisherige Finanzvorstand Frank Wettsein Todt über dessen Freistellung. Wettsein übernimmt zunächst die operative Führung der Profiabteilung.

Wenige Tage vor dem schwierigen Auswärtsspiel bei Bayern München am Sonnabend herrscht damit Chaos in der Vereinsführung. Die aussichtslose sportliche Lage führt offenbar zu Panikreaktionen - in der Hoffnung, doch noch das Wunder Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zu schaffen. Bruchhagen reagierte mit Verständnis auf seine Entlassung. Er übernehme »die Verantwortung« für die Krise und wünsche dem Klub alles Gute: »Ich drücke dem HSV weiter die Daumen.«

Trotz des Tohuwabohu beim Tabellenvorletzten sieht Hoffmann, der erst vor 18 Tagen zum Präsidenten des Muttervereins gewählt worden war, den HSV »gut aufgestellt. Hier werden nicht die Räder stillstehen.« Die Kaderzusammenstellung werde ein »Gesamtkunstwerk«.

Obwohl die Planungen - egal für welche Liga - nun intensiv betrieben werden müssen, will sich Hoffmann bei der Suche nach einem neuen Klubchef Zeit lassen. »Wir werden nicht den Fehler der letzten Jahre machen, sofort eine neue Lösung auf einer Position zu präsentieren«, sagte Hoffmann, der die Hanseaten selbst als Vorstandsvorsitzender von 2003 bis 2011 geführt hatte - in diese Zeit fallen auch die bisher letzten Auftritte in der Champions und der Europa League. Eile sei nicht geboten.

Eine Rückkehr als Klubchef strebe der machtbewusste Hoffmann nicht an. »Ich möchte nicht Vorstandsvorsitzender werden, ich möchte die beste Lösung für den HSV«, sagte er und betonte, dass Investor Klaus-Michael Kühne keinen Einfluss auf die Entscheidung genommen habe, Bruchhagen zu entlassen. Wettstein sucht parallel nach einem neuen Sportchef, zuletzt wurden für den Posten Jörg Schmadtke und Hannovers Manager Horst Heldt gehandelt.

»Wir sind voll handlungsfähig«, beteuerte Wettstein: »Wir laufen keine Gefahr, dass der HSV auseinanderfliegt.« Doch genau dies befürchten die Anhänger der einst so stolzen Hanseaten. Der HSV weist seine schwächste Bilanz der Klubgeschichte auf und ist seit zwölf Bundesligaspielen sieglos - diesmal ist der Liga-Dino nach Jahren des Niedergangs wohl nicht mehr zu retten. Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt sieben Punkte.

Ob auch der erst vor 45 Tagen engagierte Trainer Bernd Hollerbach seinen Job verliert, ist an diesem denkwürdigen Donnerstag in Hamburg wahrscheinlicher geworden. »Stand heute halte ich einen Trainerwechsel für nicht möglich«, sagte Wettstein nur. Schon nach dem Spiel in München kann dies natürlich schon ganz anders aussehen. SID/nd

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